Venezuela in der Krise: Erdöl und Kryptowährung sollen helfen

VENEZUELA-ELECTION/

Eine hohe Inflationsrate, geplünderte Supermärkte und horrende Preise für Lebensmittel: Die Krise in Venezuela hat sich in den vergangenen Monaten stetig verschlimmert. Präsident Nicolás Maduro versucht, den Untergang des Landes mit der Einführung einer Kryptowährung zu verhindern. Außerdem will er 2018 die Ölförderung vorantreiben.

Aber warum geht es Venezuela eigentlich trotz reichhaltiger Öl-Ressourcen so schlecht? Die Antwort: Unvermögen der Regierung und eine Wirtschaftspolitik ohne Zukunft. Als der ehemalige Präsident Hugo Chávez 1999 an die Macht kam, exportierte Venezuela noch große Mengen Öl.

Laut dem venezolanischen Wirtschaftsexperten José Guerra flossen knapp eine Billion durch den Ölexport ins Land. Davon übrig geblieben ist nicht viel, die Bevölkerung lebt zu großen Teilen in Armut. Selbst in den reichen Vierteln wühlen Leute im Müll. Denn die Inflation hat die Lebensmittelpreise in den vergangenen Monaten in die Höhe schnellen lassen.

Die Inflationsrate ist seit 2015 explosionsartig gestiegen. (Quelle: Statista, erstellt mit Infogram)
Die Inflationsrate ist seit 2015 explosionsartig gestiegen. (Quelle: Statista, erstellt mit Infogram)

Inflationsrate von 2900 Prozent sorgt für Plünderungen

Die Inflation ist hausgemacht. Laut „Spiegel Online“ beläuft sich die Rate aktuell auf 2900 Prozent. Um die hohen Schulden Venezuelas im Ausland bezahlen zu können, lässt Präsident Maduro Geld im Überfluss drucken. Das Geld entwertet sich schneller, als die Venezolaner es ausgeben können. Einmal die Woche steigen die Preise. Selbst Grundlebensmittel sind kaum noch zu bezahlen.

Die Konsequenz sind Verzweiflung und Plünderungen. Viele Läden in den Großstädten haben mittlerweile dichtgemacht. Rollladen werden heruntergezogen und Schilder weisen darauf hin, dass die Besitzer wegen der Gefahr, überfallen und ausgeraubt zu werden, nicht mehr öffnen wollen. Anfällig sind vor allem Lebensmittelgeschäfte und Gemischtwarenläden sowie Läden, die Haushaltswaren verkaufen. Die Regierung hat nicht einmal mehr genug Geld, um Produkte wie Milch, Medikamente oder Toilettenpapier zu importieren.

Die Krise in Venezuela hat sich ausgebreitet. Waren vor ein paar Monaten bislang nur die ländlichen Regionen betroffen, gibt es auch Veränderungen in Wohnorten, in denen Familien aus der Mittelklasse wohnen. „Spiegel Online“ berichtet von Anwohnern, die ihren Müll extra sortieren und zum Beispiel Kartoffelschalen in separate Tüten packen und diese beschriftet entsorgen, um den Müllsammlern ihre Suche zu erleichtern.

Präsident Maduro will der Krisensituation auf gleich zwei Weisen entgegenwirken. Zum einen will er eine besondere Digitalwährung einführen. Zum anderen soll die Ölförderung wieder vorangetrieben werden. Laut Ölminister Manuel Quevedo wird 2018 für Venezuela „das Jahr der Erholung“. Bei einer Rede in Caracas gab er laut „Deutscher Presseagentur“ bekannt, dass das Land schon jetzt nah dran sei, 1,9 Millionen Barrel Öl zu fördern. Zwei Millionen seien das Jahresziel. Die Wirtschaft des angeschlagenen Landes ist auf den Ölexport angewiesen. Laut „Zeit Online“ sorgen die Einnahmen durch Ölexport für 90 Prozent der Exporteinnahmen überhaupt. Die Kryptowährung soll zusätzlich Abhilfe schaffen.

Was ist eine Kryptowährung?

US-Sanktionen sollen umgangen werden

Mit der Einführung der umstrittenen Online-Währung will Maduro Agenturberichten zu Folge die US-Sanktionen umgehen, die den venezolanischen Finanzmarkt größtenteils vom Weltfinanzmarkt abschneiden. Auch vom großen Boom der digitalen Währung Bitcoin konnte das südamerikanische Land bisher nicht profitieren.

Ob Maduro mit „Petro“ Erfolg haben wird, ist völlig unklar. Selbst wenn Investoren, Maduro setzt „Spiegel Online“ zu Folge vor allem auf China und Russland, Vertrauen in die venezolanische Kryptowährung setzen. Aufsichtsbehörden weltweit warnen vor dem bisher völlig unregulierten Handel mit Cyberdevisen.

Auch die Opposition ist von dem Vorhaben nicht überzeugt. Die bezeichnet die Einführung von „Petro“ als „abstrus“ und zum Scheitern verurteilt. Michael Langer von der Friedrich-Ebert-Stiftung meint, dass dies nur der Auftakt einer ganzen Währungsreform sein könne und diese müsse zwangsläufig von der Regierung ausgehen, um wieder Vertrauen in der Bevölkerung zu wecken.

Teaser-/Beitragsbild: flickr.com/Jesu Carneiro, lizenziert nach CC-BY-NC 2.o.

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1 Comment

  • Sehr verehrte Ann-Christin Herbe,
    ich habe diesen Artikel hier gelesen und fande ihn sehr informativ.
    Ich bin in der 10. Klasse und muss gerade meinen MSA (mittlerer Schulabschluss) vorbereiten. Mein Vortrag befasst sich mt dem Thema ob die Endlichkeit von Erdöl ein kompletter Untergang oder sogar ein Neuanfang für Venezuela sein wird.
    Ich denke, dass Sie sich ein wenig mit diesem Thema auseinander gesetzt haben und deshalb wollte Ich Sie lediglich um ihre Meinung zu meiner Themenfrage bitten.
    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
    Vielen Dank, Gustav Rolka

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