#Oprah2020: Yes, she can!?

Sie wird seit Tagen als Präsidentschaftskandidatin für 2020 gehandelt: Talkmasterin Oprah Winfrey hat mit ihrer Rede bei den Golden Globes die Herzen ihrer Zuhörer berührt. Seitdem kursieren die Hashtags #Oprah2020 und #OprahForPresident in den sozialen Medien. Aber wie realistisch ist ihr Erfolg bei einer potenziellen Kandidatur?

Bei der Verleihung der Golden Globes am 7. Januar in Hollywood wurde die 63-Jährige mit dem Cecil B Demille Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Damit tritt die Talkmasterin in die Fußstapfen von Audrey Hepburn, Barbra Streisand und Woody Allen. Winfrey ist die erste afro-amerikanische Frau, die mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. In ihrer bewegenden neunminütigen Dankesrede thematisierte sie Frauen- und Bürgerrechte und sprach die Hoffnung aus, dass für Opfer sexueller Gewalt und Unterdrückung ein neues Zeitalter anbreche. Für ihren Beitrag erhielt Winfrey Standing Ovations. Das Echo auf die Rede ist gigantisch: Seit den Golden Globes kursiert der Hashtag #Oprah2020 in den sozialen Netzwerken. Winfrey wird als potenzielle Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und „Erlöserin“ der USA gehandelt.

For too long, women have not been heard or believed if they dared to speak their truth to the power of those men. But their time is up. Their time is up!.

 

Wer ist Oprah Winfrey?

Politik „auf Trump-Schiene“?

Bevor man über die Chancen Winfreys 2020 sprechen könne, müsse zunächst einmal feststehen, ob die Unternehmerin überhaupt antreten wolle, sagt Professor Dr. Thomas Jäger von der Universität zu Köln. “ Es gibt aus ihrem Umfeld Stimmen, die sagen, dass Winfrey nicht über eine Kandidatur nachdenke aber auch solche, die sagen, dass sie erst einmal abwarte“, sagt der Politikwissenschaftler. Thomas Jäger beschäftigt sich in seiner Forschung mit Internationaler Politik und Außenpolitik. Um sich als Präsidentschaftskandidatin aufstellen zu lassen habe Winfrey noch ein Jahr Zeit. 2019 müsse sie beginnen ihren Wahlkampf vorzubereiten.

Innerhalb der Demokratischen Partei sei das Meinungsbild unterschiedlich: „Es gibt rein euphorische Stimmen die sagen ,wir haben jetzt endlich auch einen Star der Trump gegenübersteht‘. Gegenstimmen meinen, es könne nicht wahr sein, auf Trump-Schiene Politik zu machen. Für eine gelingende Politik brauche man keine Namensbekanntheit sondern Programmatik“, erklärt Jäger. Viele Demokraten sähen es als Vorteil, dass Winfrey bei einer Präsidentschaft die erste schwarze Frau im Oval-Office wäre, so Jäger. Auch habe Winfrey einen altersmäßigen Vorteil, da die 63-Jährige im Wahlkampf Kandidaten wie Bernie Sanders (76) und Joe Biden (75) gegenüberstehen würde.

Prominente in der US-Politik

Oprah Winfrey: Ein „Anti-Trump-Charakter“

Ein wesentlicher Punkt, wegen dem Winfrey als potenzielle Präsidentschaftskandidatin gehandelte wäre, sei, dass ihr zugeschrieben werde ein „Anti-Trump-Charakter“ zu sein. „Ich habe den Eindruck, dass die Demokraten derzeit versuchen, händeringend einen Kandidaten zu finden, der in der Lage ist Donald Trump Paroli zu bieten, was den Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Medienpräsenz betrifft“, sagt der Politikwissenschaftler. Die Unterschiede zwischen Donald Trump und Oprah Winfrey seien wesentlich: „Wo Trump grob ist, ist Winfrey einfühlsam. Wo er abgehoben ist, unterhält sie sich mit Gott und der Welt. Wo Trump nur an sein eigenes Vermögen denkt, ist Winfreys Schlachtruf: „Everybody get’s a car.“

Auch die Beiträge auf Twitter spiegeln ein positives Bild wieder:

Wenn die Talkshowmasterin antreten wolle, ist sich Jäger sicher, dass sie gute Chancen hätte. Eine Rasmussen-Umfrage habe ergeben, dass von heute aus gesehen 76 Prozent der demokratischen Wählerinnen und Wählern die Kandidatur Winfrey als Präsidentin unterstützen würden. „Winfrey könnte die nötige Unterstützung innerhalb der Partei finden und wäre wohl in der Lage einen ernsthaften Beraterstab aufzubauen“, vermutet der Politikwissenschaftler. Auch ihre Bekanntheit könne ihr im Wahlkampf helfen. Die Bekanntheit von Gouverneuren hingegen sei häufig auf den Bundesstaat begrenzt, in dem sie regieren. Zum Erfolg bei den Präsidentschaftswahlen führe allerdings nicht nur ein prominenter Name, sondern auch ein ansprechendes Parteiprogramm, das den Zeitgeist treffe und Authentizität.

Wo Trump grob ist, ist Winfrey einfühlsam. Wo er abgehoben ist, unterhält sie sich mit Gott und der Welt. Wo Trump nur an sein eigenes Vermögen denkt, ist Winfreys Schlachtruf: Everybody get’s a car.

Alternativlosigkeit

Den Hype nach den Golden Globes erklärt sich Jäger folgendermaßen: „Oprah Winfrey hat es geschafft, ihre Rede in typischer amerikanischer Art und Weise vorzutragen und die Herzen ihrer Zuhörer zu berühren. Außerdem gab es die Menschen, die ihre Rede nach den Golden Globes als Nominierungsrede umdefiniert haben.“ Das Echo auf Winfreys Rede erinnere den Politikwissenschaftler ein wenig an die Rede von Barack Obama auf dem Parteitag am 27. Juli 2004.

Vor allem aber sei es ein deutliches Zeichen, dass den Demokraten eine Alternative zu Trump fehle. Ihr derzeitiges Führungspersonal deckt dies nicht ab. Es sei wichtig, dass sich diejenigen, die in die Politik gehen wollen, auch für Politik interessieren und nicht nur für sich selbst. Das beziehe sich aber nicht nur auf Kandidaten aus der Pop-Kultur. „Über Quereinsteiger in der Politik müsste generell intensiver diskutiert werden. Das betrifft auch Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft, Kultur und von Universitäten“.

In den sozialen Netzwerken finden sich auch kritische Stimmen zur potenziellen Kandidatur wieder:

 

Trotz Gerüchten: Trump weiterhin von Sieg überzeugt

Der US-Präsident hat sich in der Vergangenheit schon häufig als Fan Oprah Winfreys bekannt und war selbst zu Gast in ihrer Talkshow. In einem Interview mit Larry King von 1999, verriet Trump, dass Winfrey seine erste Wahl sei, wenn es um eine Vizepräsidentschaft gehe und nannte sie „brilliant“.

Auf die Gerüchte um eine potenzielle Präsidentschaftskandidatur reagierte er gelassen und beteuerte, dass er Oprah möge und  gut kenne. Dennoch sagte er , dass er sie in einem potenziellen Wahlkampf schlagen würde. Trump glaube allerdings nicht, dass die Unternehmerin zur Wahl antrete.

Teaser- und Beitragsbild: flickr.com/charlene mcbride, lizenziert nach CC BY 2.0

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