Kommentar: Führt die Wehrpflicht wieder ein!

Dienen, helfen und Kämpfen: Politiker und Experten diskutieren über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Wiedereinführung vorgeschlagen. Gegenstimmen sagen: Das Modell ist überholt. Braucht Deutschland die Wehrpflicht?

Vor sieben Jahren hat der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Wehrpflicht abgeschafft – ich freute mich damals, weil ich nach dem Abitur nicht mehr zum Bund musste. Jetzt wird die Wiedereinführung der Wehr- und der Dienstpflicht diskutiert. Demnächst könnten also wieder junge Menschen zum Dienst in der Bundeswehr zwangsweise eingezogen werden oder einen Zivildienst als Ersatz leisten. Und das ist absolut notwendig.

Gesetz sieht Wehrpflicht vor

Im Jahr 2011 wurde die Wehrpflicht nur ausgesetzt. Das Grundgesetz sieht nach wie vor die Möglichkeit vor, dass Bürger ab 18 Jahren zum Dienst in der Bundeswehr eingezogen werden können. Der Bundestag kann sie jederzeit mit einer einfachen Mehrheit wieder einführen. Und es wäre sinnvoll: Nach der Abschaffung des Wehrdienstes und des G8-Abiturs sind viele Studenten jung wie nie, einige sitzen schon mit 17 Jahren im Hörsaal. Professoren beklagen fehlende Reife. Denn gerade die fehlt den heutigen Erstsemestern, bestätigt auch Bildungsforscher Volker Ladenthin gegenüber der Wirtschaftswoche. Da kann ein Jahr in der Bundeswehr oder im Zivildienst helfen: Durchhaltevermögen und Grenzerfahrungen sorgen für Reife im Studium. Außerdem entwickelt man bei der Bundeswehr handwerkliche Fähigkeiten und lernt, im Team zu arbeiten. Dazu werden grundlegende Werte vermittelt: Respekt und Courage.

Weniger Abbrüche in Ausbildung und Studium

Bei der Bundeswehr steht am Anfang die Grundausbildung. Foto: Bundeswehr/Sebastian Wilke / Nutzungsbedingung

Und ein Jahr lang Tapetenwechsel zwischen Schule und Uni oder Ausbildung sorgt für Orientierung: Danach ist den Verpflichteten bewusster, ob sie in einer praktischen Ausbildung vielleicht besser aufgehoben sind als in einem theoretisch-wissenschaftlichen Studium. Abbrüche kann man sich so sparen. Und das betrifft nicht nur die Wehrpflicht, auch nach dem ersatzweise zu leistenden Zivildienst weiß man sehr genau, ob man weiterhin zum Beispiel in der Altenpflege arbeiten möchte. Wie sonst sollen Schüler herausfinden, ob sie später im sozialen Bereich arbeiten wollen? Ein dreiwöchiges Praktikum, in dem Kaffee kochen und zuschauen die Hauptbeschäftigung ist, bringt da wenig Erkenntnis.

Somit ist dieses Pflichtjahr auch kein Jahr, das einem ‚gestohlen‘ wird, wie von Kritikern immer wieder hervorgehoben wird. Im Nachhinein wird die Zeit beim Bund von vielen Ex-Wehrdienstleistenden immer als wertvoll dargestellt. Auch heute suchen Schüler nach der Schule nach Orientierung. Nicht umsonst absolvieren zur Zeit fast 40.000 Menschen in Deutschland einen Bundesfreiwilligendienst (Stand Juli 2018) – dazu kommen noch die Menschen, die ein FSJ oder FÖJ machen. Und auch im Zeitalter von Smartphone & Co. ist es sinnvoll, das Überleben in der Natur zu lernen.

Digitale Soldaten gebraucht

Die Bundeswehr braucht immer mehr IT-Spezialisten. Foto: Bundeswehr / Faller / Pressemitteilung

Experten sagen, die Bundeswehr brauche in der digitalen Welt weniger Soldaten, die physische Sicherheit herstellen, sondern immer mehr Soldaten, die sich um die digitale Bedrohung kümmern. Im Jahr 2015 registrierte die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik fast 46.000 Straftaten, die über das Internet verübt wurden. Die Behörden gehen von einer wesentlich größeren Dunkelziffer aus. Die Bundeswehr muss wichtige deutsche Netzwerke vor solchen Angriffen schützen – deshalb werden immer öfter Soldaten gebraucht, die sich in der digitalen Welt auskennen, also Soldaten mit einem hohen Spezialisierungsgrad. Die kann man besonders gut über die Wehrpflicht akquirieren. Internetaffinen jungen Männern wird beim Dienst in der Bundeswehr eine Berufsmöglichkeit mit Zukunftsperspektive geschaffen. Die ist besonders wertvoll für diejenigen, die den Bund als Arbeitgeber nicht im Blickfeld hatten oder bei anderen Arbeitgebern aus verschiedenen Gründen als Auszubildende keine Chance haben.

Gebt diesen und anderen jungen Menschen die Chance sich weiterzubilden, etwas ganz anderes, etwas Neues zu lernen, eigene Fähigkeiten kennenzulernen, Kameradschaften zu schließen und der Bundesrepublik und den Mitmenschen zu dienen, auch wenn dieses eine Jahr oft nicht freiwillig ist.

Führt die Wehrpflicht wieder ein!

Teaser- und Beitragsbild: Bundeswehr / Stollberg / Nutzungsbedingung

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