Hitzewelle in Kanada: Wird es bei uns auch bald so heiß?

In Kanada und in den USA wütet derzeit eine Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius. Laut Prognosen wird das Wetter auch bei uns Deutschland zunehmend heißer und trockener. Worauf wir uns in den kommenden Jahrzehnten einstellen müssen. 

49,6 Grad Celsius – so heiß war es in dem kanadischen Ort Lytton am Dienstag (29.6.). Das ist die höchste Temperatur, die jemals in Kanada gemessen wurde. Am Mittwochabend (30.6.) breitete sich ein Feuer in Lytton aus und zerstörte 90 Prozent des Ortes. Gegenüber kanadischen Medien sagte Lyttons Bürgermeister Jan Polderman, er habe weißen Rauch am Südrand des Ortes gesehen. Schon 15 bis 20 Minuten später hätten die Flammen die ganze Stadt ergriffen. Das Wetter ist dort nicht nur heiß, sondern auch trocken und windig.

Bei uns in Deutschland ist es aktuell für Anfang Juli eher kühl und nass. Doch langfristig steigen auch hier die Temperaturen. Laut Klimavorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) könnte es 2021 etwa 0,5 bis 1 Grad wärmer werden als durchschnittlich in den vergangenen 30 Jahren. Insgesamt erwartet der DWD in den kommenden Jahren durchschnittlich deutlich weniger Niederschläge, vor allem in Westdeutschland.

Es besteht Grund zur Sorge

Die Wetterstationen haben in den vergangenen Jahren regelmäßig ihre Höchstwerte übertroffen. Der aktuelle Rekord liegt bei 41,2 Grad Celsius, gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg. 49,6 Grad Celsius wie in Kanada werden hier in absehbarer Zeit nicht erreichen, sagt Andreas Friedrich, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Grund zur Sorge bestehe aber dennoch: „Hitzewellen haben in Deutschland deutlich zugenommen und die Temperaturen steigen. Wir haben mittlerweile in jedem zweiten oder dritten Jahr mehrere Tage mit Temperaturen von über 40 Grad.“

Was ist eine Hitzewelle?
Eine Hitzewelle ist ein Extremwetterereignis mit außergewöhnlich hohen Temperaturen. Laut Andreas Friedrich vom DWD handelt es sich um eine Hitzewelle, wenn die Höchsttemperatur an fünf aufeinanderfolgenden Tagen mehr als 30 Grad Celsius beträgt. Eine internationale Definition gibt es nicht.

Das bislang wärmste Jahr in Deutschland seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen war 2018. Damals gab es in Deutschland rund 20.200 Todesfälle im Zusammenhang mit Hitze bei über 65-Jährigen. Mehr Hitzetote verzeichneten nur Indien und China.

Das fanden internationale Forscher*innen in der Studie „Lancet Countdown on Health and Climate Change 2020″ heraus, an der die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltbank beteiligt waren. In den vergangenen 20 Jahren ist die Anzahl der älteren Menschen, die weltweit aufgrund von Hitze verstarben, demnach um 54 Prozent gestiegen. Andreas Friedrich vom DWD bezeichnet Hitzewellen als „tödliche Gefahr“. „Es sterben viel mehr Menschen an Hitzewellen als an Stürmen oder anderen Unwettern“, sagt der Meteorologe.

In Städten ist es heißer als auf dem Land

Wie heiß es in großen Städten im Jahr 2050 sein könnte, haben Forscher*innen der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass in Europa sowohl die Sommer als auch die Winter durchschnittlich 3,5 bis 4,7 Grad Celsius wärmer werden könnten.

“Da muss man jetzt reagieren und gegensteuern. Sonst kommt es irgendwann zur Klimakatastrophe.”

In Berlin könnten es 2050 sogar sechs Grad mehr sein – das würde der heutigen Temperatur in der australischen Hauptstadt Canberra entsprechen. Großstädte heizen sich grundsätzliche stärker auf als ländliche Regionen. Grund dafür sind die vielen Häuser, Beton- und Asphaltflächen, die Wärme speichern und nur langsam wieder abgeben.

Um diesen „Wärmeinseleffekt“ zu schwächen, empfiehlt der Deutsche Wetterdienst, versiegelte Flächen zu reduzieren. Außerdem sollen Frischluftschneisen eingehalten werden, durch die nachts frische Luft in die Städte strömen kann. Auch Grünflächen können die Hitze mildern, sagt Andreas Friedrich.

Wichtig sei es mit Blick auf die steigenden Temperaturen, schnell zu handeln: „Wenn man jetzt nichts tut, wirkt sich das in den nächsten Jahrzehnten aus. Das kann man dann nicht zurückdrehen. Bei Corona hatten wir das Glück, dass wir jetzt einen Impfstoff haben, der hilft. Beim Klimawandel gibt es diesen Impfschutz nicht. Da muss man jetzt reagieren und gegensteuern. Sonst kommt es irgendwann zur Klimakatastrophe.“

 

Teaser- und Beitragsbild: pixabay, geralt / 23029 Bilder

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