Warum immer weniger Studierende BAföG beziehen

Die Zahl der Studierenden, die BAföG bekommen, sinkt seit Jahren. 2017 erhielten 4,6 Prozent weniger Studierende als im Vorjahr die staatliche Unterstützung. Woran könnte das liegen? An der Bürokratie, meint ein Student. Auch das Studierendenwerk hält das komplizierte Antragsverfahren für verantwortlich.

Jede Menge Papierkram, Informationen aus Internetportalen und Sprechstunden: BAföG zu beantragen, war für Matthias Huber nicht ganz einfach. Der 19-jährige Student hat vor einem Jahr sein Kunst-Studium an der TU Dortmund begonnen und hatte schon vorher mit seinem BAföG-Antrag zu kämpfen. Die Informationen rund um den Antrag musste er sich aus verschiedenen Quellen zusammensuchen. Kaum jemand konnte ihm erklären, wie man den Antrag richtig stellt: „Der Begriff BAföG wird einem immer um die Ohren gehauen, aber keiner kann damit so wirklich etwas anfangen“, sagt Matthias.

Doch viele Studierende sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen, ob von der Familie, durch ein Stipendium oder seit 1971 durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG. Denn die Kosten für ein Studium summieren sich schnell: Wohnung, Lebensmittel und Semesterbeitrag müssen bezahlt werden.

Drei Voraussetzungen sind zu erfüllen

Wer in Deutschland BAföG bekommen möchte, muss im Wesentlichen drei Voraussetzungen erfüllen: Gefördert werden können grundsätzlich Studierende mit deutscher Staatsangehörigkeit, aber auch viele ausländische Studierende. Die zweite Voraussetzung ist die Eignung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung versteht darunter, dass Ausbildungen gefördert werden, „wenn die Leistungen des Auszubildenden erwarten lassen, dass er das angestrebte Ausbildungsziel erreicht“. Auch das Alter spielt beim BAföG eine Rolle: Die Ausbildung, für die man die Förderung erhalten möchte, muss in der Regel vor dem 30. Lebensjahr begonnen werden, bei einem Master-Studium hat man bis zum 35. Lebensjahr Zeit.

Für den Antrag füllen die Studierenden sogenannte Formblätter aus, in die persönliche Daten eingetragen werden müssen, so das Studierendenwerk Dortmund. Dazu müsse man noch einige Bescheinigungen beilegen. „Vor allem der erste BAföG-Antrag erfordert daher etwas Zeit, um alle Dokumente zusammen zu tragen“, sagt das Studierendenwerk.

Früh die Unterlagen sammeln

Der bürokratische BAföG-Antrag war auch für Matthias Huber, 19, ein Problem.

Auch Matthias hat bereits einige Monate vor seinem Studium angefangen, die Unterlagen zusammen zu suchen. „Man braucht Unterlagen aus den vergangenen zwei Jahren, auch von den Eltern, die hat man nicht einfach so rumliegen“, erinnert sich der 19-Jährige. Im August hatte er alle Unterlagen zusammen und konnte den Antrag stellen. Das erste BAföG-Geld bekam der Student im November, etwa drei Monate später. Drei Monate, die er selbst überbrücken musste. „Ich empfehle daher wirklich allen neuen Studierenden, Geld für zwei bis drei Monate für den Übergang beiseite zu legen“, sagt er.

Als sein Antrag dann genehmigt wurde, war er „einfach nur erleichtert“. Er ist dankbar, dass es eine Förderung wie das BAföG gibt. „Wenn man zum Beginn des Studiums ausziehen will, was für mich das Sinnvollste war, dann ist man darauf angewiesen“, sagt er. Man stehe bei dem Antrag einfach unter extremem Druck. Immerhin hänge in dem Moment die weitere Zukunftsplanung von dem Geld ab. „Ich hatte das Gefühl, dass es einem möglichst schwer gemacht wird, damit man erst gar kein BAföG beantragt“, meint er. Die komplizierten Antragsverfahren könnten ein Grund sein, warum die Anzahl der BAföG-Empfänger seit vielen Jahren zurückgeht, sagt das Studierendenwerk.

Immer weniger Studierende erhalten die Förderung

Im vergangenen Jahr haben mehr als 782.000 Menschen in Deutschland BAföG bekommen, davon waren rund 557.000 Studierende. Das sind etwa 4,6 Prozent weniger Empfänger als noch 2016. Das zeigt eine Studie des Statistischen Bundesamtes. Diesen Trend gibt es bereits seit einigen Jahren: Seit 2012 bekommen immer weniger Studierende die Förderung.

Das liege vor allem daran, „dass die jetzige Generation der potentiellen BAföG-Empfänger Angst vor einer Verschuldung“ hat, erläutert das Studierendenwerk Dortmund und beruft sich auf eine Studie des Dachverbands. Matthias vermutet: „Viele denken da an Studienkredite und wissen gar nicht, dass man beim BAföG maximal 10.000 Euro zurückzahlen muss.“ Er fordert daher mehr Aufklärung. Schon vor dem Schulabschluss müsse man über BAföG informiert werden.

Als einen weiteren Grund für die sinkenden Zahlen sieht das Studierendenwerk die geringen Freibeträge. Auch auf dieses Problem ist Matthias schon gestoßen: „Man muss aufpassen, dass man nicht zu viel verdient. Sonst wird Geld vom BAföG abgezogen. Manchmal ist ja noch gar nicht absehbar, ob man die Grenze am Ende überschreiten wird oder nicht.“ Daher fordert das Studierendenwerk Dortmund, ebenso wie der Dachverband Deutsches Studierendenwerk, eine „grundlegende BAföG-Reform“.

Das muss man beim BAföG-Antrag laut Studierendenwerk beachten
  1. Genug Zeit einplanen, insbesondere für den ersten Antrag: Die Studierenden müssen alle benötigten Dokumente zusammensuchen. Das Servicecenter für Studienfinanzierung/BAföG und der InfoPoint unterstützen Dortmunder Studierende beim Antrag.
  2. Der Antrag sollte gut leserlich und vollständig sein.
  3. Auch Studierende, die sich nicht sicher sind, ob sie BAföG-berechtigt sind, sollten einen Antrag stellen. So bekommen sie eine zuverlässige Auskunft, die auch kein BAföG-Rechner aus dem Internet geben kann.
  4. Man erhält BAföG ab dem Monat, in dem der Antrag eingeht. Das heißt: Der Erstantrag sollte spätestens in dem Monat abgegeben werden, in dem das Studium startet. BAföG wird dann in der Regel für ein Jahr bewilligt. Möchten Studierende eine Verlängerung beantragen, sollten sie, drei bis vier Monate bevor der alte Bewilligungszeitraum ausläuft, den Wiederholungsantrag stellen.
  5. Auf der Homepage des Studierendenwerks gibt es eine Checkliste für den Antrag.
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