Warum ein Auslandssemester für die eigene Zukunft wichtig werden kann

Auslandsaufenthalte sind unter Studenten mittlerweile nicht mehr Ausnahme, sondern fast schon Regel. Laura Hope, Auslandsberaterin der TU Dortmund, erklärt im Interview, warum ein Semester in der Ferne mehr ist als Feiern und Reisen – und sogar von manchen Arbeitgebern vorausgesetzt wird. 

Die Zeit wird knapp: die Frist für eine Bewerbung um ein Auslandssemester im kommenden Wintersemester und Sommersemester 2020 läuft in vielen Studiengängen der TU Dortmund nur noch bis zum 15. November. Ein Auslandsaufenthalt jetzt kann entscheidend für das spätere Leben sein, erklärt Laura Hope im Interview. Sie ist Auslandsberaterin beim Referat Internationales, das für die Pflege der internationalen Beziehungen der Hochschule zuständig ist.

Frau Hope, warum sollten Studierende überhaupt ins Ausland gehen?

Laura Hope: Ein Auslandsaufenthalt ist wichtig für die Kompetenzerweiterung: Nicht nur für interkulturelle Kompetenzen, sondern auch für Soft-Skills, die man im Leben und für jeden Job brauchen wird. Wenn man auf sich alleine gestellt ist und mit bestimmten Herausforderungen umgehen muss, egal ob das jetzt Auslandsstudium oder Auslandspraktikum ist, wird man deutlich reifer. Dazu kommt die fachliche Erweiterung. Man lernt, was es für neue Methoden und neue Prozesse im eigenen Fachgebiet im Ausland gibt. Und: Wenn nicht jetzt, wann dann? Nur im Studium hat man die Zeit, die Beratung und die finanzielle Unterstützung von uns.

Welche Bedeutung hat ein Auslandssemester für die eigene Karriere?

Auslandsberaterin Laura Hope von der TU Dortmund, Foto: Referat Internationales

Laura Hope: Besonders nach der Umstellung auf das Bologna-System haben sich Unternehmen beklagt, dass Bachelorabsolventen weniger erfahren sind als Diplomabgänger. Bei den Bachelorabsolventen hatte die Bereitschaft zu Auslandsaufenthalten und Praktika unter der strengen Regelstudienzeit gelitten. Die Unternehmen haben dann den Universitäten den Auftrag gegeben, den Studierenden mehr Erfahrungen anzubieten. Bei einigen Studiengängen ist es inzwischen Gang und Gebe, dass man auf jeden Fall im Ausland war – wenn nicht sogar zwei oder drei Mal. Das wird etwa von den Wirtschaftsingenieuren gefordert. Die werden teilweise nur zu Auswahlverfahren eingeladen, weil schon mindestens zwei Auslandsaufenthalte in ihrem Lebenslauf stehen. Es ist nicht mehr einzigartig, einmal im Ausland gewesen zu sein, sondern es wird immer mehr erwartet.

Welche Länder sind denn bei den Dortmunder Studierenden am beliebtesten für einen Auslandsaufenthalt?

Laura Hope: Viele Universitäten sagen, dass bei ihnen die Bewerbungen für einen Aufenthalt in den USA zurückgehen. Aber an der TU bleiben die USA als Ziel sehr beliebt. Ich glaube, dass das an unserem Kooperationsschwerpunkt mit den USA liegt. Wir bieten jedes Jahr bis zu 50 Plätze studiengebührenfrei dort. Deswegen bleibt die Nachfrage für Plätze in den USA trotz politischer Schwierigkeiten sehr hoch. Aber auch Asien interessiert die Studierenden immer mehr, besonders Korea und Japan. Einerseits wollen viele Ingenieure dorthin, weil die Ingenieurswissenschaften dort sehr stark sind. Aber auch für Studierende in den Geisteswissenschaften oder Wirtschaftswissenschaften ist Asien spannend. Ich glaube viele sehen Korea als Einstiegsland. Dort hat man ein bisschen „asian light“ und ist trotzdem gut auf die spätere berufliche Zusammenarbeit mit Asien vorbereitet.

Spanien ist das beliebteste Ziel der TU-Studenten

532 Studierende gingen im vergangenen Jahr laut Angaben der Universität ins Ausland, um dort die Universität zu besuchen oder ein Praktikum zu absolvieren. Im Wintersemester 2017/18 gingen mit 321 Studierenden deutlich mehr ins Ausland als mit 211 Studierende im Sommersemester 2018. Spanien ist die beliebteste Destination für Studierende der TU, wohingegendie meisten internationalen Studierenden an der TU aus der Türkei und Polen stammen.

Und welche Länder stehen innerhalb von Europa hoch im Kurs?

Laura Hope: Skandinavien ist immer stark im Rennen. Ich finde aber teilweise die Betreuung von den Universitäten in Osteuropa viel besser und ich merke, dass viele Studenten auch deswegen dorthin wollen. Die Universitäten in Spanien und England sind natürlich voll der Renner. Deswegen müssen die Hochschulen dort den Studenten auch nicht so viel bieten – die kommen so oder so. In Osteuropa hingegen müssen die Universitäten um die Studenten kämpfen. Das fördert das Angebot. Ein bisschen wie Dortmund gegenüber Berlin um die Studenten kämpfen muss.

Wenn man sich dann dazu entschlossen hat ins Ausland zu gehen, kommt die schwierigste Frage: Wie finanziere ich den Aufenthalt? Welche Möglichkeiten gibt es da?

Laura Hope: Es kommt natürlich darauf an: Studiere ich dort oder arbeite ich? Ist die Stadt günstig oder teuer? Ferner gibt es Austauschprogramme für ein Auslandsstudium, bei denen man immerhin keine Studiengebühren zahlen muss. Zusätzlich gibt es weitere Stipendien, die die Lebenshaltungskosten decken. Wie beispielsweise das Erasmus-Programm, bei dem alle Studierenden mehrere 100 Euro Taschengeld im Monat erhalten. Für Auslandspraktika haben wir sehr viele Stipendien im Angebot. Besonders, wenn man in Europa das Praktikum machen möchte, sind die Chancen auf ein Stipendium sehr gut.

Es hält sich das Gerücht, dass im Erasmus-Semester oft mehr getrunken als studiert wird. Wie viel steckt hinter diesem Vorurteil?

Laura Hope: Natürlich, wenn man ins Ausland geht, möchte man alles mitnehmen. Man möchte die Menschen kennenlernen, neue Erfahrungen sammeln und auch viel reisen. Das gehört auf jeden Fall dazu. Es gibt aber im Erasmus-Programm „Learning Agreements“ und eine Anzahl an ECTS-Punkten (European Credit Transfer System), die mindestens erreicht werden müssen. Auch mit sprachlichen Schwierigkeiten muss man die Prüfungen schaffen und zeigen, dass man Leistung erbracht hat. Zum Beispiel müssen die türkischen Studenten das ganze Stipendium zurückzahlen, wenn sie weniger als 30 ECTS-Punkte im Semester erreicht haben. Es gibt strenge Regeln, insofern ist das wirklich nur ein Vorurteil. Studenten müssen einiges leisten. Dafür wird durch viel Bürokratie gesorgt. Es ist eben kein Urlaubssemester.

Beitragsbild: Adolfo Felix auf Unsplash

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