Drei Nebenjobs mit Folgen

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Mehr als zwei Drittel der Studierenden in Deutschland haben einen Nebenjob. Der 27-jährige Nils hatte bei seinem Studium nicht nur einen Nebenjob, sondern gleich drei. Letztendlich musste er deshalb sogar sein erstes Studium aufgeben.

Als Nils vor sechs Jahren anfing, Maschinenbau zu studieren, hatte er zunächst nur einen Job. Nebenbei arbeitete der heute 27-Jährige in der Waschstraße, um zusätzlich zu seinem geringen Bafög wenigstens ein kleines Einkommen zu haben. Kurz vor dem Studienbeginn im Jahr 2012 war Nils wieder zu seinen Eltern gezogen. Der ausgebildete Kfz-Mechatroniker hatte in einem Dreivierteljahr sein Fachabi nachgeholt und war guter Dinge.

Doch schon bald merkte er, dass das Geld nicht reichte. Das Auto, das er brauchte, um zum Haus seiner Eltern auf dem Land zu fahren, war zu teuer. Das BAföG wurde ihm im dritten Semester von 160 auf ganze 16 Euro monatlich gekürzt, da seine Mutter mehr arbeitete.
Ein zweiter Nebenjob in einem Supermarkt in der Nähe war schnell gefunden. Mit dem Nebenjob stieg aber auch der Stress, den Nils hatte.

Zahlen und Fakten zu erwerbstätigen Studierenden
Insgesamt waren im Sommersemester 2016 rund 68 Prozent der Studierenden an Fachhochschulen und Universitäten erwerbstätig. Laut der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks mit über 55.000 befragten Studierenden waren das sechs Prozent mehr als noch im Jahr 2012.
Außerdem gibt es Unterschiede im Vergleich der Herkunftsgruppen: Studierende, die aus einem nicht-akademischen Haushalt kommen, gehen häufiger einem Nebenjob nach als Studierende, deren Eltern beide ein Hochschulstudium abgeschlossen haben.
59 Prozent aller Studierenden sind darauf angewiesen, zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zahlen zu können.
Ungefähr 79 Prozent der Studierenden, die durch BAföG gefördert wurden, gaben im Jahr 2016 an, dass sie ohne BAföG nicht studieren könnten.
In einer Gesundheitsstudie der TK, dem TK Campus Kompass von 2015, geben mehr als 26 Prozent der Studierenden an, dass der „Spagat zwischen Job und Studium“ für sie ein Stressfaktor ist. Damit liegt er auf dem dritten Platz der wichtigsten Stressauslöser.

Im vierten Semester zog Nils bei seinen Eltern aus. „Ich hatte vorher einfach schon zu lange alleine gelebt. Dann bei den Eltern zu wohnen, war gar nicht so einfach“, sagt er rückblickend. Neben dem Sprit musste er jetzt auch noch Miete zahlen, denn finanzielle Unterstützung konnten seine Eltern ihm nicht bieten. Um das alles zu tragen, suchte er sich einen dritten Nebenjob in einer Firma, wo er Maschinen putzte. „Sobald ich den einen Job fertig hatte und lernen wollte, musste ich schon wieder zum nächsten“, erinnert er sich zurück.

Zwischen Fußball, Freunden und Arbeit

Auch am Wochenende arbeitete er. Der einzige Ausgleich, den er hatte: Fußball spielen. „Da konnte ich vom Alltag abschalten.“ Jeden Sonntagnachmittag wurde gespielt. Aber danach war er immer so platt, dass wieder keine Zeit blieb zum Lernen. Auch Nils Freunde halfen ihm nicht weiter. Anstatt sich auf das Studium zu konzentrieren, wurde gefeiert oder gezockt. Und weil seine Freunde meistens nicht zu den Vorlesungen gingen, war auch Nils nicht besonders motiviert. Vor allem weil er merkte, wie er langsam immer weniger von dem verstand, was da in den Vorlesungen gelehrt wurde:

Ich habe mir dann gedacht, dass ich den Anschluss sowieso schon verloren habe. Dann gucke ich mir lieber die Mitschriften und Übungen online an…aber auch das ist dann nie passiert.

Nach einem halben Jahr kündigte er bei der Firma und im Supermarkt und fing an, halbtags in einer Autowerkstatt zu arbeiten, am Wochenende weiterhin in der Waschstraße. Das war Ende 2014 und gleichzeitig auch der Punkt, an dem Nils merkte: Er war mit dem Lernstoff und den Klausuren zu weit hinterher. „Weil ich bei zwei Klausuren im letzten Versuch war und das Geld trotz allem noch zu knapp, gab es nur noch die Option: zurück in den alten Beruf.“ Mit Auslauf des fünften Semesters begann er wieder Vollzeit als Kfz-Mechatroniker zu arbeiten. Fünf Semester, in denen er in seiner beruflichen Karriere keinen Schritt weiter gekommen war.

Das Geldprobleme und Nebenjobs Folgen haben können, erlebt auch Alexandra Schallau in ihrem Alltag in der Psychologischen Studienberatung der FH Dortmund. Viele Studierende klagen über Stress. Psychologin Schallau findet:

Keiner kann die ganze Zeit nur funktionieren wie eine Maschine.

Wichtig sei es, eine gute Balance zwischen Studium, Nebenjob und Freizeit zu finden: „Der Nebenjob sollte sich dem Studium anpassen, und nicht andersherum.“

Fehler nicht wiederholen

Jetzt, wo Nils älter geworden ist, möchte er die Fehler von früher wieder gutmachen. Er hat nochmal angefangen zu studieren – Fahrzeugentwicklung an der Fachhochschule Dortmund. Was er besser machen will: „Ich nehme mir diesmal mehr Zeit fürs Studium.“ Nils wird dieses Mal teilweise von seinen Eltern unterstützt, samstags arbeitet er in einer Werkstatt.

Seinen Anspruch auf BAföG hat er durch sein Studium vor sechs Jahren leider verspielt und schon jetzt ist es eng mit den Finanzen. Aber den Fehler, mehrere Jobs gleichzeitig zu haben, will Nils nicht noch einmal machen.  „Zum Teil habe ich mir mein Studium damals selbst verbaut, weil ich nicht bei meinen Eltern geblieben bin und pendeln musste“, weiß er nun. „Aber auch so haben mich die Jobs sehr viel Kraft und Zeit gekostet, so richtig Freizeit hatte ich damals nicht.“ Einen Antrag auf Wohngeld hat er schon gestellt. Sein oberstes Ziel ist es jetzt, den Bachelor in der Tasche zu haben – am liebsten in Regelstudienzeit.

Tipps von der Psychologischen Studienberatung
  • Auf jeden Fall genug Zeit zum Lernen übrig lassen
  • Erholungsphasen einplanen
  • Unbedingt prüfen, ob ein Anspruch auf BAföG besteht und wie viel Unterhalt einem von den Eltern zusteht
  • In finanziellen Notfallsituationen den AStA oder die evangelische beziehungsweise katholische Hochschulgemeinde ansprechen
  • Bei Stress steht die Psychologische Studentenberatung der jeweiligen Hochschule oder Universität zur Verfügung.
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