Zwei Wochen bis zur Prüfung – Sieben Tipps für gestresste Studierende

Im Februar beginnt die Klausurenphase. Und mit ihr für viele Stundeten der Stress. Was tun, wenn die restliche Zeit scheinbar nicht mehr reicht, um den ganzen Stoff zu lernen? Sieben Tipps, die Abhilfe schaffen. 

Eigentlich könnte man ja einfach jede Woche die einzelnen Vorlesungen zusammenfassen. Machen viele Studenten aber nicht. Wer das mit den Notizen eher entspannter hat angehen lassen, dem steht nun eine Menge Arbeit bevor – denn das ganze Semester muss in zwei Wochen nachgearbeitet werden. Der Stoff scheint von Folie zu Folie immer mehr zu werden, erst recht, wenn man nicht früh genug angefangen hat zu lernen. Was können Studierende nun noch machen, damit die Prüfungen nicht zu einem einzigen Debakel werden? Hier die sieben besten Tipps, mit denen Studenten auch in kurzer Zeit noch das beste Lernergebnis erreichen.

1. Probeklausuren helfen einen ersten Überblick zu bekommen

Wenn die Professorin freundlich ist und im Vorfeld Probeklausuren zur Verfügung stellt, ist das für Studierende unter Zeitstress besonders hilfreich. So kann ein erster Eindruck gewonnen werden, was abgefragt wird und wie ausführlich die Antworten sein sollten. Dass Probeklausuren helfen, sagt auch eine Studie der Uni Erfurt. Prof. Dr. Ralf Rummer hat die Studie miterarbeitet und sagt über Probeklausuren in einer Pressemitteilung: „Testen erweist sich, zumindest wenn es um nachhaltiges Lernen geht, als effektiver als andere (…) Lernstrategien. Aus unserer Sicht sollte man sich diesen Effekt sowohl in der universitären und schulischen Lehre – etwa durch den Einbau von Tests in Lehrveranstaltungen – als auch beim heimischen Lernen zunutze machen.“  Auch Prof. Dr. Joachim Wirth, Lernwissenschaftler von der Ruhr-Universität Bochum, ist von Probeklausuren überzeugt: „In Büchern stehen viele unwichtige Dinge. In diesen Klausuren wird aber nur das Wesentlichste abgefragt. Für Studierende mit Zeitdruck hilft das.“ Wenn der Professor oder die Professorin keine Probeklausuren zur Verfügung stellt, sollten sich Studierende selbst Fragen stellen, die sie zur Vorbereitung auf die Klausur beantworten können.

2. Das richtige Essen fördert den Denkprozess

Wenn man sich konzentrieren will, soll eigentlich nur ein Organ richtig arbeiten: das Hirn. Ist der Körper mit anderen Dingen beschäftigt, führt das unter anderem zu Konzentrationsschwächen. Das hat eine iranische Studie ergeben, die auch von der Cambridge-Universität unterstützt wurde. Bedeutet also: Das Essen, das Studierende während ihrer Lernphasen zu sich nehmen, sollte leicht verdaulich und ohne Zusatzstoffe sein. Viele komplexe Kohlenhydrate, die vor allem in Industrieprodukten enthalten sind, seien in Lernphasen kontraproduktiv. Der Tipp der Forscher: Lieber mal zur Möhre oder zum Apfel greifen, als sich eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben.

3. Abwechslung macht den Unterschied

Lernen soll nicht monoton sein. Stundenlang auf ein Blatt Papier zu schauen und so lange auf die geschriebenen Wörter zu blicken, bis man hofft, dass sich der Lernstoff im Gehirn einbrennt, ist nicht ratsam. Vor allem, wenn die Studierenden Zeitdruck haben. Natürlich gibt es verschiedene Lerntypen, aber trotzdem hilft Abwechslung. So bleibt man motivierter und die Inhalte sind in mehreren Teilen des Gehirns gespeichert. Studierende sollten also nicht nur einfach die Inhalte auf ein Blatt Papier schreiben. Inhalte könnten beispielsweise in Mindmaps angegeben werden, angehört oder mit Aufgaben erarbeitet werden. Unter anderem der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schöllhorn, Entwickler des sogenannten differenziellen Lernansatzes, hat das in Studien belegt.

4. Selbstgespräche klingen zwar leicht psychopathisch, helfen aber beim Lernen

Studierende, die zum Beispiel Nachhilfe für Schülerinnen und Schüler geben, kennen das: Erklärt man die Inhalte einer anderen Person, bleiben sie eher hängen als durch andere Lehrmethoden. Dafür muss nicht einmal jemand anderes anwesend sein. Selbstgespräche tun es auch. In denen erklärt man sich am besten die Inhalte selbst noch einmal laut. So können Gedanken geordnet und in eine logische Reihenfolge gebracht werden, sagte Psychotherapeut Dirk Wedekind von der Universität Göttingen im Gespräch mit n-tv. Auch Sportwissenschaftler haben den Effekt der Selbstmotivation schon entdeckt.

5. Und auch wenn es echt blöd klingt, mach dir keinen Stress!

Sind Menschen Stress ausgesetzt, schüttet der Körper das Stresshormon Cortisol aus. Für Studierende in der Klausurphase ist das besonders problematisch. Denn das Cortisol nimmt Einfluss auf die Leistungsfähigkeit. Kognitionspsychologe Prof. Dr. Oliver T. Wolf von der Ruhr-Universität in Bochum sagt, unter Stress könne das Gelernte nicht nur schlechter abgerufen werden – wie es einige Studierende von ihrer Prüfungsangst kennen – sondern auch die Sinne werden gestört. In der konkreten Studie der Ruhr-Universität Bochum trainierten die Forscher den Tastsinn der Probanden und untersuchten, wie sich Cortisol auf den Trainingsprozess auswirkte. Eine Gruppe nahm dafür Cortisol ein, die andere Gruppe bekam ein Placebo. Während die Placebo-Gruppe die Tastfähigkeit um 15 Prozent steigerte, blieb bei der Cortisol-Gruppe ein Trainingseffekt aus.

Für den Bochumer Professor Dr. Wirth ist Zeitstress das Schlimmste, was den Studierenden passieren kann: „Studierende sollten immer ruhig bleiben. Denn wenn es stressig wird und man sich den Stress selbst macht, wird der Lernplan schnell über den Haufen geworfen. Und dann geht es den Bach runter und Hysterie bricht aus.“ Man solle sich außerdem einen guten Tag einplanen, an dem man noch nicht weiß, was gelernt werden soll. Dieser Tag diene als Puffer: „Wenn man etwas noch nicht drauf hat, obwohl am nächsten Tag die Klausur ansteht und schon für eine andere Klausur lernen will, ist das ein Problem. Plant euch lieber einen Puffertag ein und wenn ihr den nicht braucht, habt ihr einen Tag Pause!“

6. Die richtigen Pausen sind der Weg zum Erfolg

Menschen, die spät mit dem Lernen beginnen haben manchmal auch ein gewissen Motivationsproblem. Sie verlieren deshalb schnell die Lust zu lernen. Deshalb ist es selbst unter Zeitstress wichtig, dass Studierende auch Pausen zwischen den Lernphasen einlegen. Die Psychologische Hochschule Berlin empfiehlt bereits nach einer halben Stunde eine kleine Pause von rund fünf Minuten zu machen. Danach solle man sich wieder eine gute Stunde an den Schreibtisch setzen, gefolgt von einer 20-Minuten-Pause. Nach insgesamt drei Stunden Lernzeit folgt eine einstündige Verschnaufspause. Die Forscher warnen vor zu wenigen Pausen, da Lernende dadurch schnell müde werden, sich Ablenkungen hingeben oder beginnen sich zu langweilen. Damit die Pausen auch effektiv sind, sollten Studierende keiner geistigen Arbeit nachgehen. Bedeutet: Lieber putzen, Musik hören, Sport treiben oder sich einfach nur entspannen. Neben ausreichenden und sinnvoll genutzten Pausen empfehlen sie auch, pro Tag nicht mehr als vier Stunden zu lernen. Laut Prof. Dr. Wirth ist es vor allem wichtig, dass die Lernzeit qualitativ gut gestaltet wird, Studierende sollen sich nicht ablenken lassen. Deshalb sei es ratsam Pausen zu machen: „Da ist es gut, einfach mal ein bisschen zu schlafen. Schlafforscher haben schon herausgefunden, dass wir in der Nacht Informationen vom Tag verarbeiten und Gedanken strukturieren. Zwischendurch eine halbe Stunde zu schlafen, hilft Studierenden.“

7. Spickzettel helfen immer!

Diese Aussage ist ungewöhnlich für einen Professor. Prof. Dr. Joachim Wirth rät allen Studierenden: „Schreiben Sie sich einen Spickzettel.“ Den soll man aber nicht in die Prüfung mitnehmen. Der Zettel hat einen anderen Grund: „Wenn man es schafft, die Informationen so zu strukturieren, dass sie auf ein sehr kleines Blatt Papier passen, dann hat man das Gelernte auch wirklich drauf. Und dann braucht man die Spicker in der Klausur nicht mehr.“

Optimal wäre es natürlich, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen. Durch das Lernen unter Zeitdruck geht nicht nur eine Menge des zu lernenden Stoffs verloren, man verliert auch den Spaß am Lernen und ist öfter gestresst. Dieser Stress in der Prüfungsphase schlägt sich auch in der Statistik nieder. In einer gemeinsamen Studie des „Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung“, der Universität Berlin und der „Techniker Krankenkasse“ gab jeder vierte Studierende an, gestresst zu sein. Auch verschiedene Burnout-Symptome wurden abgefragt. Unten in der Grafik sind einige davon aufgelistet.

Beitragsbild: Eliott Reyna auf unsplash.com

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