Bitcoin: Der Traum vom großen Geld bleibt

Eine VWL-Vorlesung im Audimax: Einige beschäftigen sich mit ihrem Laptop, andere mit ihren Smartphones – nur wenige sitzen da und passen auf. In so einer Vorlesung beobachtete Cedrik den Kommilitonen neben sich. Der starrte auf seinen Laptop – darauf Zahlen, Tabellen, Diagramme und noch mehr Zahlen.

Erst dachte Cedrik, es handle sich um Aktienverläufe. „Irgendwann habe ich ihn angesprochen und gefragt, was er da macht“, sagt Cedrik. Danach fielen Begriffe wie „Bitcoin“, „Kryptowährungen“ und „Blockchain“.

Cedrik investiert in digitale Kryptowährungen wie den Bitcoin.

Nach und nach erklärte ihm sein Sitznachbar, was es damit auf sich hat und wie es funktioniert. „Mir wurde schnell klar, dass man mit Kryptowährungen eine Menge Geld verdienen kann.“

Das war vor eineinhalb Jahren. Mittlerweile ist Cedrik 28 Jahre alt und einer von tausenden Menschen, die an den digitalen Kryptomärkten investieren.

Hochgejubelt und tief gestürzt

Am 17. Dezember 2017 verzeichnete der Bitcoin sein gigantisches Allzeithoch von knapp 20.000 US-Dollar. Vorausgegangen war ein kaum vergleichbarer Hype: Wer Mitte 2015 investierte, konnte knapp zwei Jahre später die zehnfache Rendite verbuchen: Aus beispielsweise 3.000 Dollar wurden 30.000 Dollar.

Was ist der Bitcoin?

Geld ist die Grundlage des Wirtschaftssystems. Das funktioniert aber nur, wenn sich Menschen auf einen Wert des Geldes einigen und diesem auch langfristig vertrauen. Das meiste Geld ist heutzutage digital. Dieses Kreditgeld wird von den Geschäftsbanken erzeugt. Die Europäische Zentralbank sichert das Geld durch Einlagesicherungssysteme und der Konvertibilität (Umtauschbarkeit) in Bargeld, dem einzigen gesetzlichen Zahlungsmittel.

Für die Kryptowährungen ist hingegen keine Institution zuständig. Sie existieren lediglich digital. Zu diesen Kryptowährungen gehört auch der Bitcoin, eine der populärsten digitalen Währungen. Mit einer bestimmten Software, dem sogenannten „Wallet“, können Kryptowährungen wie der Bitcoin auf Laptops oder Smartphones verwaltet werden.

Beim Bitcoin ist lediglich Vertrauen ins Computersystem und einen unveränderlichen Algorithmus notwendig. Dieser Algorithmus ist die Blockchain: Sie kann sich als eine Art dezentrale und verteilte Datenbank vorgestellt werden. Dort werden alle jemals getätigten Transaktionen und alle Kontostände fälschungssicher gespeichert. Wechselt beispielsweise ein Bitcoin den Besitzer, wird das in der Blockchain vermerkt.

Was ist die Blockchain?

Jeder der den Bitcoin nutzt, ist gleichzeitig ein Teil des Netzwerks, also der Blockchain, die als dezentrale Datenbank dient. Jeder Nutzer ruft dabei die identischen Informationen aus der Blockchain auf dem eigenen Rechner ab. Sie kann man sich als eine Kette von digitalen Datenblöcken vorstellen. Beim Bitcoin kommt alle 10 Minuten ein neuer Datenblock dazu, der neu berechnet und an die Kette gehängt wird. Diese Datenkette vereint alle Transaktionen und Kontostände inklusive Zeitstempel. Die werden geprüft: Weil jeder Teilnehmer dieselben Informationen aus der Blockchain verwendet, würde eine Manipulation sofort auffallen und vom System als fehlerhaft enttarnt werden.

Auf diesen Zug der Euphorie sprangen nicht nur Investoren und Unternehmen auf: Auch ganz normale Menschen sahen die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln, ohne Bankberatung und Knowhow, in kürzester Zeit sehr viel Geld zu verdienen.

Doch dann kam der Crash: Mitte Dezember 2017 stürzte der Kurs ab. Die Gründe hierfür waren vielfältig. Zum einen zogen viele Investoren kurz vor Jahresende ihr Kapital ab, zum anderen musste eine der führenden südkoreanischen Bitcoin-Plattform „Youbit“ nach einem Hackerangriff den Betrieb einstellen. Dabei ging ein Großteil der Einlagen verloren.

Aktuell, etwas mehr als zwölf Monate später, kämpft der Bitcoin damit, die 3.500 Dollar-Marke zu halten. Ein schwarzes Jahr für all die, die dem Bitcoin vertrauten und hochjubelten – und ihn schließlich abstürzen sahen. Rund 77 Prozent verlor der Bitcoin seit seines Allzeithochs an Wert.

„Sonderlich beunruhigt bin ich wegen des Crashs nicht“, sagt Cedrik. Er war von dem Bitcoin-Absturz nicht direkt betroffen, weil er statt Bitcoin zu kaufen in den Herstellungsprozess der digitalen Währung, das sogenannte „Cloud-Mining“, investiert hatte.

Was ist Mining?

Um einen Bitcoin herzustellen, müssen komplexe mathematische Rechenaufgaben von einem Computer gelöst werden. Dazu benutzen die sogenannten „Miner“ eine bestimmte Software. Ziel ist es Blöcke, also Codes, zu errechnen, die aus den gelösten Rechenaufgaben des Bitcoins resultieren. Als Belohnung dafür, dass ein neuer Block errechnet wurde, erhalten Miner einen bestimmten Anteil neu generierter Bitcoins. Dieser Anteil variiert von Tag zu Tag. Er unterliegt zum einen der Menge an Technologie, also Energie, welche ein Miner einsetzt und zum anderen den globalen Transaktionen und der Menge an neu geschürften Bitcoins. Diese neuen Blöcke werden dann an die Blockchain angehängt und das Spiel beginnt von vorn.

Früher konnte man diese Rechenoperationen von zu Hause mit dem eigenen Laptop durchführen. Heutzutage ist die Konkurrenz allerdings viel zu groß und professionelle „Mining-Farmen“ schürfen einen Großteil der Bitcoins. Längst übersteigen die Rechenoperationen die technischen Möglichkeiten eines einzelnen Computers

Allerdings hat der Erfinder Satoshi Nakamoto den Programmcode der Blockchain begrenzt: Bis zum Jahr 2140 sollen 21 Millionen Bitcoins geschürft werden können. Aktuell sind zwischen 17 und 18 Millionen Bitcoins im Umlauf.

Cedrik schürft seine Bitcoins auch nicht selbst – er mietet sich die Technologie. „Ich habe in eine Firma investiert, die den Mining-Prozess professionell betreibt.“ Solche Firmen sitzen oft in Ländern wie Island oder Malta, weil dort die Energiekosten vergleichsweise günstig sind.

Am Anfang ist das Geld erstmal weg

Der Traum vom schnellen Geld bleibt anfänglich meist nicht mehr, als ein schöner Gedanke. Am Anfang sei das investierte Geld erstmal weg, so Cedrik. „Das gibt man gutgläubig in die Hände anderer Leute. Vor eineinhalb Jahren habe ich eine fünfstellige Summe investiert. Aktuell liegt meine Dividende bei aufgerundet einem Bitcoin.“ Umgerechnet sind das aktuell rund 3.500 Euro.

Das klingt nach einem Minusgeschäft. Niedergeschlagen ist Cedrik allerdings nicht, im Gegenteil: „Mich interessiert nicht der Kurs heute, sondern in fünf Jahren.“ Er ist überzeugt, dass der Kurs langfristig wieder steigen wird. Das Potential der Kryptomärkte sei enorm und noch längst nicht ausgeschöpft. Der Wert von 60.000 bis 70.000 Euro für einen Bitcoin, hält Cedrik durchaus für realistisch.

Auch Manuel Klein, Project Manager im Blockchain Center der Frankfurt School of Finance & Management, hält einen erneuten Wertanstieg für realistisch. „Wir haben gesehen wie der Kurs explodiert ist. Natürlich kann er nochmal deutlich über die 20.000 Marke und sogar noch weiter steigen“, sagt Klein. Allerdings sei der Markt als Ganzes zu betrachten: Es gebe mehr als 1.000 andere digitale Währungen, die dem Bitcoin und seinem Wert Konkurrenz machen.

Totalverlust ist immer das Risiko, dessen bin ich mir bewusst.

Wie es mit dem Bitcoin weitergeht, sei unvorhersehbar, so Klein. „Der Markt wird wie kaum ein anderer von Spekulationen getrieben und ist somit unglaublich volatil (schwankend)“, sagt Klein. Es könne alles passieren. Eine verlässliche Prognose für die Zukunft sei daher unmöglich.

Cedrik sind diese Fakten und das hohe Risiko des Marktes bekannt. „Totalverlust ist dabei immer das maximale Risiko, dessen bin ich mir bewusst“, sagt Cedrik. Ob er in den nächsten Jahren mit dem Cloud-Mining eine Menge Geld verdient oder am Ende einfach nur ein extrem teures Lehrgeld zahlt, bleibt abzuwarten.

Beitragsbild: Unsplash

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