Umwelt-Retter oder Unfall-Magnet? E-Scooter kommen nach Dortmund

Praktisch und umweltfreundlich: Das sind die Versprechen der E-Scooter. Ab Juli sollen sie auch in Dortmund zu finden sein. Die Stadt hofft durch das neue Verkehrsmittel vor allem auf einen positiven Klima-Beitrag. Experten sind da skeptisch. 

Seit dem 20. Juni sind E-Scooter auch in Deutschland erlaubt. Ab Juli wollen die ersten Sharing-Anbieter die Tretroller mit Elektroantrieb auch in Dortmund verleihen. Das könnte vieles in der Stadt verändern. Kritiker warnen vor den Gefahren des Gefährts, befürchten Unfälle und eine Anspannung des Verkehrs. Die Stadt Dortmund „freut sich auf diesen neuen Baustein für die Mobilitätsvielfalt“, heißt es auf Anfrage. E-Scooter könnten als Verkehrsmittel „für die letzte Meile“ ein neues Argument sein, das Auto stehen zu lassen, hofft die Stadt. Denn auch öffentliche Verkehrsmittel, sind oft unbequem, da sie einen selten unmittelbar zum Zieles bringen.

Da könnten E-Scooter helfen, denn ihre Nutzung ist einfach und flexibel. Bei Anbietern, die bereits aktiv sind, gibt es meist einen Fix-Preis pro Freischaltung – etwa einen Euro. Und zusätzlich noch eine Minuten-Gebühr von etwa 15 Cent. Damit die Roller nicht im Stadtgebiet stranden plant die Stadt in Gesprächen mit potentiellen Anbietern, dass die Scooter nachts zur Wartung und Aufladung wieder eingesammelt und am nächsten Morgen zu den Leih-Stationen zurückgebracht werden sollen. Durch das einfach Handling hofft die Stadt Dortmund, dass E-Scooter als Alternative für Verkehrsmittel mit einem größeren CO2-Verbrauch werden und so einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten können.

Unfallgefahr steigt

Joachim Scheiner, Professor für Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der TU Dortmund sieht den E-Scooter als Umwelt-Titan eher skeptisch:

In Punkto Umweltschutz würde ich nicht davon ausgehen, dass der E-Scooter einen allzu großen Beitrag leisten kann

Professor Joachim Scheiner

Diejenigen, die diese Scooter wahrscheinlich nutzen würden, seien meistens auch Verkehrsteilnehmer, die die Umwelt schon jetzt eher wenig belasten. “Zum Beispiel könnte der E-Scooter eine Alternative für Öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder den Fußweg sein. Dass ein Autofahrer statt des Autos aber den Scooter nimmt ist eher unwahrscheinlich,” sagt Scheiner.

Besonders im Vorfeld der Legalisierung der Scooter wurde eine erhöhte Unfallgefahr durch das neue Verkehrsmittel auf den Straßen befürchtet. Ein Blick in die Unfallstatistik verrät: Die Sorge ist teilweise berechtigt, hat aber wenig mit dem Gefährt E-Scooter zu tun: Tatsächlich sind besonders die Verkehrsteilnehmer gefährdet, die nicht mit einem Auto unterwegs sind. Fahrradfahrer zum Beispiel. Im Jahr 2017 starben im Straßenverkehr 3180 Menschen, ein Jahr später waren es 100 Tote mehr. Der erste Anstieg seit 1997 Jahren. Grund sei die gestiegene Anzahl von Fahrradunfällen, besagt eine Recherche der Tagesschau. „Generell befinden sich E-Scooter mit einer Geschwindigkeit von sieben, acht bis maximal 20 km/h in der selben Kategorie, wie Fahrräder. Die Unfallgefahr ist damit also in etwa gleich groß,” sagt Joachim Scheiner. Besonders auf Verkehrswegen, auf denen Teilnehmer mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind, steige die Unfallgefahr.

Egal ob Fahrrad oder E-Scooter: Ohne ein Auto wird der Straßenverkehr gefährlicher. Die Stadt Dortmund hat für die E-Scooter auch Verbotszonen in der Stadt erlassen. Überall dort, wo Fahrräder nicht fahren dürfen, sind auch die elektirschen Roller nicht erlaubt: In Fußgänger-Zonen, oder Parks. In einem Aspekt sind die Scooter dem Fahrrad aber nicht gleichgestellt: In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt der Tretroller als Gepäckstück, kann also ohne Zusatzticket mit in den Bus, oder die Bahn genommen werden. Der VRR arbeitet aber bereits an einer alternativen Lösung und berät, ob auch für E-Scooter ein Zusatzticket gelöst werden muss, heißt es in einem Bericht der WDR.

E-Scooter-Flut in Paris

In vielen Metropolen wie Paris, Washington und Tel Aviv sind die E-Scooter schon länger erlaubt und stellen die Städte vor Probleme. Paris musste in diesem Jahr bereits zwei Verkehrstote auf E-Scootern beklagen. Hinzu kommt, dass der Markt nicht reguliert wird. Wie auch schon bei den Anbietern von Leihrädern ist die Anzahl von E-Scooter-Verleihern nicht begrenzt. Es können so viele Anbieter in die Städte strömen, wie der Markt es zulässt. In Paris wird die Zahl der Roller auf 20.000 geschätzt – bis Ende des Jahres, sollen es doppelt so viele Sein. Nun will die Stadt härter durchgreifen und mehr Bußgelder erlassen, zum Beispiel für das Fahren mit den Tretrollern auf dem Bürgersteig, heißt es in einem Bericht der Deutschen Welle. Besonders in Tel Aviv beschweren sich die Bewohner über abgestellte Roller: Mitten auf dem Gehweg zum Beispiel.

Die Deutschen zeigen sich bisher dem E-Scooter gegenüber eher skeptisch. Das Meinungsforchungsinstitut YouGov fand heraus, dass 57 Prozent der Befragten E-Scooter als eher „schlecht“ oder „mittelmäßig“ bewerten. Auf die Frage, ob ein E-Scooter schon mal ausprobiert wurde, haben 75 Prozent „Nein“ an, und dass sie es auch nicht vorhätten.

Beitragsbild: Sarah Sendner

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