Head Full of Money?

Hinter US-Remakes steckt mehr als reine Geldgier. Foto: Unsplash

Ein verwitweter und an Alzheimer leidender Großvater wird von seiner Enkelin nach Venedig entführt und Til Schweiger spielt auch irgendwie mit – kein seltsames Déjà-vu, sondern „Head Full of Honey“, das US-Remake von „Honig im Kopf“. Heute startet der Film in die deutschen Kinos. Muss das sein? Ein Erklärungsversuch.

Der Traumfabrik gehen die Ideen aus – ein Vorwurf, den sich Filmproduzenten immer wieder anhören müssen, wenn bereits bekannter Stoff wiederverwertet wird. Die Rede ist von Hollywood und seiner Remake-Kultur. Seien es eigene Filme, die nach Jahren oder Jahrzehnten ein neues Design bekommen, oder außeramerikanische Erzeugnisse, die für den eigenen Markt nutzbar gemacht werden: das Phänomen Remake, das ja seinerseits nur eine moderne Bezeichnung der Adaption ist, hat es schon immer gegeben. Es gibt die verschiedensten Gründe, warum die gleiche Geschichte mehrmals erzählt wird. Eine empirische Studie der Karlshochschule stellte diese Ursachen, sowie diverse Faktoren fest, die den Erfolg eines Remakes garantieren oder verhindern. Das Argument der Ideenlosigkeit tauchte dabei nicht auf (Überraschung). Warum aber sehen wir dann so oft aufgewärmte Storys?

Geld spielt eine Rolle

Genau wie bei den ewigen Fortsetzungen ist die Ausbeutung einer bereits etablierten Marke eine Sache. Sowohl Filmstudios als auch Zuschauer können bei bekannten Inhalten besser abschätzen, ob sich die Produktion bzw. der Kinobesuch lohnt. Wer sich fragt, wieso der Geschichte um den Riesenaffen King Kong in diesem Jahrtausend bereits zwei Neuauflagen (eine unnötiger als die andere) widerfahren sind, muss sich auch fragen, wieso J.K. Rowling und Warner Bros. bereits bis 2024 drei weitere Teile der Phantastische-Tierwesen-Reihe geplant haben. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich beim ersten Teil im Kino einen deutlichen Anflug von Nostalgie gespürt habe, lässt sich das Motiv dahinter kaum schönreden: die Kinokassen sollen klingeln.

Die Macht der Gewohnheit

Aber wieso bitte werden erfolgreiche europäische Filme der letzten Jahre von Hollywood neu gedreht? Hier besteht weder die Möglichkeit, durch filmtechnischen Fortschritt etwas Neues oder gar Besseres beizusteuern, noch macht man sich dabei unbedingt auf dem europäischen Markt beliebt, der die Originale kennt und vergöttert. Die Rede ist etwa von den enorm erfolgreichen Tragikomödien „Ziemlich beste Freunde“ (2011, Frankreich) und „Honig im Kopf“ (2014, Deutschland). Beide Filme haben im letzten Jahr ein US-Remake bekommen.

Geld kann hier nicht die Triebfeder sein, zumindest nicht im Sinne des voran beschriebenen Prinzips der Markenausbeutung. Die Antwort ist so simpel wie verblüffend: US-Kinos wollen ihren Zuschauern einfach keine Synchronisation oder gar Untertitelung ihrer Filme zumuten. Was für jedes andere Land der Welt normal ist, wird auf dem amerikanischen Markt gezielt vermieden. Also werden ausländische Filme kurzerhand neu gedreht, um sie auch dem eigenen Volk servieren zu können.

Zahnschmerzen statt „Feelgood-Film“

Im Falle von „Honig im Kopf“ war es sogar Regisseur Til Schweiger selbst, der mit seiner amerikanisierten Version „Head Full of Honey“ neue Horizonte erschließen wollte – mit eklatant geringem Erfolg. Der Film wurde nur in einer Handvoll Kinos überhaupt gezeigt, dort bereits nach wenigen Tagen wieder abgesetzt und spielte trotz erstklassiger Besetzung (Nick Nolte, Matt Dillon) desaströse 11 337 Dollar ein. Die Presse hatte liebevolle Vergleiche für den Film übrig, wie „eine Wurzelkanalbehandlung ohne Betäubung“ (The New York Observer).

Heute kommt die synchronisierte Version in die deutschen Kinos. Schweiger hofft, wenigstens bei seinen hiesigen Fans Kapital aus seinem Experiment schlagen zu können. Nicht aber die negative Kritik aus den Staaten, sondern allein die Tatsache, dass ihr geliebter „Feelgood-Film“ ein Remake verpasst bekommen hat, hat bereits vor der Premiere Unmut beim deutschen Publikum geschürt. Schweiger hat den Film bisher bewusst vor der deutschen Presse versteckt, macht jedoch die „gezielten Hinrichtungen“ der amerikanischen Medien für den Misserfolg seines Films verantwortlich. Es ist nicht das erste Mal, dass er eine Verschwörung der Filmkritik gegen ihn wittert. Til Schweiger gehen die Ideen aus. Hollywood macht weiter das, was es am besten kann: den Zuschauern geben, was sie wollen.

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