WikiLeaks-Gründer Assange drohen bis zu 175 Jahre Haft

Dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange drohen bei einer Auslieferung in die USA bis zu 175 Jahre Haft. Die US-Justizbehörden haben am Donnerstag die Anklage gegen Assange verschärft und um 17 Punkte erweitert. Assange wird vorgeworfen, gegen das US-Spionagegesetz verstoßen zu haben. Der WikiLeaks-Gründer könnte so – theoretisch – noch mit 222 Jahren im Gefängnis sitzen. Das teilte das Justizministerium in Washington mit.

Bisher hatte die Anklage nur einen Punkt enthalten. Assange soll im Jahr 2010 der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen haben, das Passwort zu einem geschützten Rechner der US-Regierung zu knacken. Dafür hätten ihm in den USA fünf Jahre Haft erwartet.

Nach der neuen Anklageschrift hat Assange durch die Veröffentlichung von Geheimdokumenten nun auch nach dem US-Spionagegesetz angeklagt. Für jeden der 17 neuen Anklagepunkte kann Assange zu zehn Jahren Haft verurteilt werden. Zu den fünf Haftjahren, die ihm bisher drohten, kämen nun also 170 Jahre hinzu.

WikiLeaks hatte in den Jahren 2010 und 2011 mehr als 700.000 geheime Dokumente zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan, zu den Zuständen im Gefangenenlager Guantánamo und aus dem US-Außenministerium veröffentlicht. Die US-Justizbehörden werfen Assange vor, sich mit der im Irak stationierten Soldatin Manning verschworen zu haben.

Dass Assange nun auch nach dem Spionagegesetz angeklagt wird, wurde von Medienverbänden in den USA kritisiert. So könnte die Anklage bedeuten, dass in den USA in Zukunft nicht nur die illegale Beschaffung von Informationen bestraft wird, sondern auch deren Veröffentlichung über unabhängige Medien. Das könnte auch andere Medien in Gefahr bringen. Das US-Justizministerium bestreitet, dass Assange als Journalist gehandelt habe.

Assange war Ende April in Großbritannien zu 50 Wochen Haft verurteilt worden, weil er gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte. Der WikiLeaks-Gründer war im April in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen worden. Dort hatte er sich fast sieben Jahre aufgehalten. Assange war wegen einer drohenden Auslieferung an Schweden in die Botschaft geflüchtet. Dort wird ihm eine Vergewaltigung vorgeworfen, die er bestreitet.

Mehr von Marei Vittinghoff

Steckt der Journalismus in der Glaubenskrise? KURT im Gespräch mit Journalist*innen

"Fake News", "Lügenpresse" und dann auch noch Relotius: Wie steht es um...
Mehr...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.