Kommentar: Wir verstecken uns hinter den Forderungen von „Fridays for Future“

Wenn wir mit Klimastreiks für eine Veränderung in der Politik kämpfen, dann verstecken wir uns zu oft hinter genau diesen Forderungen. Dabei ist das gar nicht nötig, denn ein richtig oder falsch gibt es beim Klimaschutz nicht. Ein Kommentar anlässlich des Weltumwelttags.

Klar, wenn man mich so fragt: Natürlich bin ich für den Klimaschutz! Eingepackte Gurken, Einwegbecher, Plastiktüten? Nein danke! Auch „Fridays for Future“ finde ich klasse. Endlich sagen wir, die jungen Generation, was uns bewegt. Denn vor allem uns geht der Umweltschutz und unsere Zukunft etwas an.

Doch dann frage ich mich manchmal trotzdem: Ist die „Fridays for Future“-Bewegung vielleicht nur der Wunsch nach einer umweltbewussteren Politik, damit wir uns selbst nicht um die Umwelt sorgen müssen? Die Hoffnung, dass irgendwann jeder Einzelne mitmacht, damit unsere eigenen Fehler in der Masse nicht auffallen? Die Antwort darauf ist ein klares „Ja!“.

Alltag ist nicht immer 100-prozentig klimafreundlich

Hinter den Forderungen der „Fridays for Future“-Bewegungen können wir uns verstecken und manchmal wollen wir das auch. Denn mit dem Wunsch nach großen Veränderungen in der Politik wollen wir vor allem von uns selbst ablenken. Denn mal ehrlich: In unserem Alltag ist nicht alles 100-prozentig klimafreundlich.

Vor allem im Studentenleben sind die kleinen Entscheidungen oft schwer abzuwägen: Brauche ich den Kaffee nach einem langen Montagmorgen wirklich? Kaufe ich ihn, obwohl ich meinen Mehrwegbecher zu Hause vergessen habe? Und lässt es mein Studentenbudget zu, mit dem Zug umweltfreundlich stundenlange nach Italien, Frankreich oder Schweden in den Urlaub zu fahren? Oder nehme ich da doch lieber den Flieger? Weil es einfach günstiger, schneller und vor allem eines ist: deutlich bequemer.

Nicht mehr nur entspannt zusehen

Bequemlichkeit sieht man aber auch in den Antworten der Politiker. Lieber soll an Arbeitsplätzen und Versorgungssicherheit festgehalten werden, anstatt sich einen neuen, womöglich schwierigeren Weg zu suchen. Sozial gerecht müsse am Ende alles sein. Doch was ist wirklich soziale Gerechtigkeit? Entspannt abwarten oder die Klimaziele ins Visier nehmen? Denn wenn das Klimaziel alle Mühen und Hindernisse wert ist: Warum nicht einfach mal etwas wagen, statt sich bequem hinter den Forderungen von „Fridays for Future“ zu verstecken?

Niemand kann perfekt sein. Und gleichzeitig darf niemand erwarten, dass wir perfekt sind. Politiker, Unternehmer und Industriegiganten zeigen auf uns und sagen oft: „Die machen doch beim Klimaschutz auch nicht alles richtig, warum sollten wir?“ Doch das ist nicht der richtige Weg zu unserer großen Klimavision. Beim Klimaschutz müssen wir letztendlich alle zusammen egoistisch denken. Egal ob als kleiner Student, als großer Politiker oder als Industriegigant.

Beim Klimaschutz gibt es, anders als oft behauptet, kein ganz oder gar nicht. Und es gibt erst recht kein richtig oder falsch. Vielmehr ist es immer wieder aufs Neue ein Austesten der Grenzen, wie viel wir selbst für den Klimaschutz tun können. Und gerade deswegen dürfen wir uns nicht hinter den großen Klimaforderungen verstecken, vor ihnen zurückschrecken oder gar weglaufen. Etwas falsch machen kann man beim Klimaschutz kaum. Es sei denn, man versucht es nicht. Jeder muss für sich selbst überlegen: Wie weit kann ich gehen? Und wo sind wirklich meine eigenen persönlichen Grenzen? Ist da der Coffee-to-go-Becher schon der absolute Endgegner, oder geht da noch mehr?

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