Was die christlichen Feiertage bedeuten? Endlich mal frei!

Der Juni ist wieder voll mit Feiertagen: Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam sorgen bei vielen von uns für lange Wochenenden und Kurzurlaube. Was diese Feste bedeuten? Keine Uni und keine Arbeit, natürlich! Welche christlichen Bedeutungen wirklich dahinter stecken, rückt immer mehr in den Hintergrund. Trotzdem: die Feiertage sollen bleiben. Wir haben sie uns verdient!

Mal ehrlich: Wer von euch geht an Ostern oder Weihnachten noch in die Kirche? Zumindest freiwillig und nicht: „weil man das einfach so macht.“ Und wer fastet noch vor Ostern? Also aus religiösen Gründen und nicht als Anlass für eine Diät…

Die christliche Bedeutung von verschiedenen Feiertagen geht immer mehr verloren. Stattdessen werden die kirchlichen Feste zu Familienfesten oder Urlauben umfunktioniert. Das ist mir in den letzten Wochen besonders aufgefallen: Vor zwei Wochen habe ich mit meinen Freunden ein langes Wochenende in Holland verbracht, dieses Wochenende war ich über die Feiertage bei meiner Familie und nächstes Wochenende habe ich wieder einen freien Tag. Wir alle genießen die freien Tage im Sommer, die Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam mit sich bringen. Und das ist auch gut so! Aber was genau an diesen Tagen gefeiert wird, wusste ich nicht – obwohl ich katholisch bin. Nicht besonders vorbildlich, doch so wie mir geht es vielen.

Christi Himmelfahrt, 30. Mai
Christi Himmelfahrt findet immer am 40. Tag nach Ostersonntag statt, in diesem Jahr war das der 30. Mai. Laut der Bibel ist Jesus vor den Augen seiner Jünger in den Himmel an die Seite Gottes aufgestiegen. Schon in der Zeit davor erschien ihnen der auferstandene Jesus immer wieder. Bis zum 4. Jahrhundert war Christi Himmerlfahrt kein eigenständiger Feiertag, sondern wurde zusammen mit dem Pfingstfest gefeiert. Seitdem die Christen den Feiertag unabhängig von Pfingsten feierten, war es Brauch an den drei Tagen vorher, Bittprozessionen durchzuführen. Dabei beteten die Menschen für eine gute Ernte. Auch heute finden diese Prozessionen noch in einigen Gemeinden statt.

Seit dem 19. Jahrhundert wird an Christi Himmelfahrt auch der Vatertag gefeiert. Dieser neuere Feiertag hat seine Wurzeln vermutlich in dem christlichen Fest. So gingen die Jünger zusammen zum Ölberg, um sich von Jesus zu verabschieden. Dieser „Männerausflug“ wird mit dem Vatertag heute noch an Christi Himmelfahrt fortgesetzt.

Pfingsten, 09. + 10. Juni
Pfingsten gilt als Gründungstag der Kirche und ist somit das drittwichtigste Fest für Christen, hinter Weihnachten und Ostern. Der Grund dafür: An diesem Tag soll der Heilige Geist auf die zwölf Jünger Jesu herabgegangen sein. Auf einmal sprachen die Apostel verschiedene Sprachen. Außerdem hatten sie von Gott den Auftrag erhalten das Evangelium zu verkünden, also den christlichen Glauben in der Welt zu verbreiten. So steht es im Neuen Testatemt.

Der Feiertag findet immer 50 Tage nach Ostern statt, in diesem Jahr war das also am 09. und 10. Juni. Dann endete die Osterzeit offiziell. Der Pfingstmontag ist in allen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. In einigen Gemeinden gibt es an diesem Tag verschiedenen Pfingstbräuche zum Beispiel Prozessionen. Früher gab es oft einen Pfingstochsen: Das Vieh wurde zum ersten Mal nach dem Winter wieder auf die Weide geführt. Deswegen schmückten die Bauern ihren schönsten Ochsen mit Blumen und Kränzen und führten ihn durch das Dorf.

Fronleichnam, 20. Juni
Fronleichnam ist das Fest des Leibes Christi – das setzt sich aus den mittelhochdeutschen Wörten „Vron“, also „Herr“ und „Lichnam“, also „Leib“ zusammen. Katholiken feiern am 60. Tag nach Ostern die Gegenwart Jesu Christi. Daran wird in jeder Messe mit der Eucharistie erinnert: Die Gläubigen essen eine Hostie, das Leib Christi, und trinken einen Schluck Wein, das Blut Christi. Das Fronleichnamsfest wurde erst im Jahr 1264 von Papst Urban IV. zum Kirchenfest erklärt. Schon mehre Jahrzenhnte vorher hatte eine Nonne eine Vision und verstand diese als Hinweis darauf, dass ein christliches Fest fehlte.

In großen Prozessionen ziehen Christen heute noch betend und singend durch die Straßen und erinnern damit an das letzte Abendmahl Jesu. Fronleichnam ist zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen ein gesetzlicher Feiertag, aber nicht in allen Bundesländern. Vor allem in den protestantisch geprägten Gebieten müssen die Menschen zur Arbeit oder zur Schule. In diesem Jahr fällt Fronleichnam auf Donnerstag, den 20. Juni.

Viele fragen sich worin der Sinn von Feiertagen liegt, deren Bedeutung kaum einer mehr kennt. Schließlich sollen diese Tage eigentlich den Glauben von Christen stärken. Ein guter Einwand – es ist natürlich traurig, dass die Bedeutung der Feiertage immer mehr verloren geht. Aber ist es notwendig sie zu kennen und die Feiertage nur ihrer Bedeutung wegen zu feiern? Für mich hört es sich so an, als hätten die Christen damals schon einfach nur nach einem Grund für einen Feiertag gesucht. Schließlich hat man aus einem Fest zwei gemacht: Christi Himmelfahrt und Fronleichnam. Außerdem wurde Pfingsten, aufgrund der Vision einer Nonne, vom Papst ins Leben gerufen. Vielleicht haben sich die Menschen früher also nur nach mehr Feierlichkeiten und Traditionen in ihrem Leben gesehnt. Es wäre ihnen nicht zu verübeln.

Denn mal ehrlich: An den meisten Feiertagen genießen wir doch einfach nur die freie Zeit, die wir mit Familie und Freunden verbringen können. Gemeinsam essen, lange Gespräche und spaßige Aktivitäten stehen im Vordergrund. Was tatsächlich gefeiert wird ist dabei nur nebensächlich. Das ist auch völlig in Ordnung. Denn ohne diese Feiertage würden wir noch weniger Zeit mit Familie und Freunden verbringen, als sowieso schon. Alle sind immer viel beschäftigt, aber die christlichen Feiertage bringen uns zwischenmenschlich zusammen. Sie werden zu Familientagen oder zu Freundestagen. Keine schlechte Entwicklung! Würde es Jesus nicht gefallen, wenn die Menschen mehr Zeit friedlich miteinander verbringen?

Auch wer die Feiertage für einen faulen Tag alleine auf der Couch nutzt, hat sicherlich allen Grund dazu. Der Leistungsdruck in unserer heutigen Gesellschaft steigt stetig. Wir alle arbeiten und lernen non-stop, viel zu viel, viel zu früh schon. Wer kann von sich behaupten, dass er nicht einen einzigen freien Tag mehr gebrauchen könnte? Die Feiertage im Sommer sind da die perfekten Entspannungsoasen für zwischendurch. Oder man nutzt sie eben um lange liegen gebliebene Arbeiten im Haushalt zu erledigen. Der Entspannungseffekt ist dann nicht mehr so groß, aber wenigstens hat man etwas geschafft. Und das ist schließlich auch ein gutes Gefühl.

Ihr seid der Meinung ihr braucht dringend noch ein langes Wochenende, aus welchem Grund auch immer? Dann nehmt euch den 21. Juni schnell noch frei und genießt das Fronleichnamswochenende! Denn egal, ob man nun Christ ist, oder nicht, egal, ob man die Bedeutung der Feiertage kennt oder nicht: Ich bin mir sicher, dass wir dem christlichen Glauben alle dankbar dafür sind, dass er uns ein paar wohlverdiente freie Tage schenkt. Genießt es!

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