Kommentar: Klimakonferenzen schön und gut, aber Erfolge auf dem Papier reichen nicht

Vor 25 Jahren ist die UN-Klimarahmenkonvention in Kraft getreten. Am 17. Juni beginnt in Bonn die jährliche UN-Klimazwischenkonferenz. Die vielen Konferenzen, Arbeitsgruppen und das daraus resultierende Pariser Klimaabkommen haben zwar auf dem Papier zu Erfolgen geführt, in der Realität kommt davon aber gerade in Deutschland bisher viel zu wenig an. Ein Kommentar.

Als das Pariser Klimaabkommen 2015 von 195 Staaten unterzeichnet wurde, brach weltweit Feierlaune aus, fast so, als sei die Welt bereits gerettet. Die Staaten einigten sich darauf, dass sich das Klima nicht um mehr als zwei Grad und möglichst nicht um mehr als 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmen soll, doch die Realität sieht anders aus. Nach einem Sonderbericht des Weltklimarats – einem Konsortium aus internationalen Klimawissenschaftlern – hat sich die Erde bereits um 1 Grad erwärmt. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Erde zwischen 2030 und 2052 bereits um 1,5 Grad erwärmt haben wird, sofern die Emissionen auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Ein Problem der internationalen Klimadiplomatie ist, dass das Grundprinzip immer Freiwilligkeit lautet. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, haben die Staaten freiwillige Zugeständnisse gemacht, ihre klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren. Doch die bisherigen Bemühungen reichen vorne und hinten nicht aus, die Prognosen kommen auf eine Klimaerwärmung irgendwo zwischen 2,6 bis 4 Grad, was eine absolute Katastrophe bedeuten würde.

So wären großflächig Küstenregionen durch den Meeresspiegelanstieg überflutet, andere Regionen wären zu Wüsten geworden, eklatante Wasserknappheit, erheblicher Biodiversitätsverlust, das düstere Bild ließe sich noch deutlich länger weiterzeichnen. Hat ein Staat keine Lust, seine Treibhausgasemissionen zu senken oder seine freiwilligen Ziele einzuhalten, kann er nicht dazu gezwungen werden, es gibt keine Sanktionsmöglichkeiten. Brauchen wir also so etwas wie einen internationalen Klimagerichtshof, um dem Klimawandel angemessen zu begegnen?

Klimawandel bekämpfen: wie Klausur schreiben, nur anders

Im Grunde ist es beim Bekämpfen des Klimawandels ähnlich wie bei Klausuren an der Uni. Das Pariser Abkommen hat den groben Rahmen vorgegeben, wie die internationale Gemeinschaft den Klimawandel annäherungsweise in den Griff bekommen kann. Ähnlich wie die Professorin an der Uni definiert, was passieren muss, um die Klausur zu bestehen. Die einzelnen Staaten und Studierenden formulieren daraufhin ihre Klimaziele oder Lernziele.

Und jetzt fängt es an zu knirschen, denn es reicht eben nicht, an dieser Stelle aufzuhören und zu hoffen, die Klausur schon irgendwie zu bestehen oder dass das mit dem Klimawandel schon alles nicht so schlimm werden wird, wenn wir nur fest genug daran glauben. Es braucht auch einen realistischen Plan, wie wir diese Ziele erreichen können und natürlich auch die Umsetzung des Plans. Genau das ist das Problem bei dem Pariser Klimaabkommen, genau das ist das Problem beim Klausurenschreiben und genau das hat in Deutschland beim Klimaschutz bislang mangelhaft funktioniert.

Klimaschutz: in den ersten Versuchen durchgefallen

Auch Deutschland hat sich zwar Klimaziele gesetzt, was aber fehlt, ist die konsequente Umsetzung. Bis 2020 wollte die Bundesrepublik ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent senken. Dieses Ziel werden wir aber sehr deutlich verfehlen. Laut dem aktuellen Klimaschutzbericht der Bundesregierung wird Deutschland lediglich 32 Prozent weniger Treibhausgase als noch 1990 in die Luft pusten.

Und das nicht, weil alles andere schier unmöglich gewesen wäre, es hätte schlicht gereicht, in Sachen Kohleausstieg früher und beherzter zu handeln. So kam eine Studie des Fraunhofer Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik im August 2018 zu dem Ergebnis, dass Deutschland sein Klimaziel für 2020 noch erreichen könnte. Laut den Autoren der von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie hätten dafür die ältesten Braunkohlekraftwerke abgeschaltet und weitere gedrosselt werden müssen.

Das Ziel war da, nur der Plan und die Umsetzung fehlten, schade Deutschland, leider durchgefallen. Wieviele Fehlversuche bleiben uns noch? An der Uni sind es drei, dann war‘s das mit dem Studium. Wem etwas daran gelegen ist, der sollte es also nicht darauf ankommen lassen. Genauso sollten wir es nicht darauf ankommen lassen, die Menschheit und unseren Planeten vor die Wand fahren. Beim Studium steige ich zur Not nach dem dritten Fehlversuch einfach auf ein Zweitstudium oder eine Ausbildung um, aber so wird das beim Klimawandel absolut nicht funktionieren, da gibt es dann nämlich einfach keine Unis mehr für einen neuen Anlauf, wir können keinen Planet B aus der Tasche zaubern.

Politik muss jetzt Handeln

Wenn in Sachen Klimaschutz wirklich etwas passieren soll, braucht es mehr als nur Erfolge an den Verhandlungstischen der Klimakonferenzen. Dann braucht es jetzt eine Politik, die Erkenntnisse und Warnungen der Wissenschaft und Forderungen der jungen Generation ernst nimmt. Eine Politik, die sich ambitionierte und realistische Klimaziele setzt und diese ernst nimmt und umsetzt. Ein entscheidender Schritt könnte hier ein Klimaschutzgesetz sein, das wäre der Lernplan. Aber auch davon ist die Klausur noch lange nicht bestanden, der Klimawandel nicht eingedämmt.

Beitragsbild: Johanna Schneider

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