Diskussion um Hitler-Zitate an der TU Dortmund geht in neue Runde

Von Nathan Niedermeier und Karsten Wickern

Die Diskussion um die Aushänge des Statistik-Professors Walter Krämer weitet sich weiter aus. Gleichzeitig werden immer mehr Details zu dem Fall bekannt.

KURT hatte am 6. Dezember zuerst über die Aushänge berichtet. Der pensionierte Statistik-Professor Walter Krämer hat in seinem Schaukasten an der TU Dortmund umstrittene Zitate und Zeichnungen ausgehängt. Darunter befindet sich unter anderem ein mutmaßliches Zitat von Adolf Hitler: „Der Nationalsozialismus hätte niemals in Deutschland siegen können, hätte ich nicht das Rauchen aufgeben.“ Darunter hat Krämer nach eigenen Angaben den Zusatz „Dagegen waren Churchill, Roosevelt und Stalin Kettenraucher“ geschrieben.

Nach dem der AStA die TU Dortmund bereits im September auf die Aushänge aufmerksam gemacht hatte, wurde das Zitat von Krämer durch den Schriftzug „Rauchen gegen Rechts“ ergänzt. Krämer selbst bezeichnete das Zitat als „satirische Bemerkung, dass gewisse Bemühungen, die Menschen zu ihrem gesundheitlichen Glück zu zwingen, unter Umständen von Leuten ausgehen können, mit denen man sonst nichts zu tun haben möchte“.

Das sieht der AStA der TU deutlich anders: AStA-Sprecher Leander Schreyer sagte gegenüber KURT: „Für uns ist das definitiv keine Satire. Zum einen eben weil es ein offizieller Aushang ist und eben keine private Äußerung einer Person, zum anderen halten wir es für vollkommen indiskutabel, die Worte Hitlers zu normalisieren, indem man sie als Satire verpackt.“ In dem Schaukasten befindet sich außerdem ein mutmaßliches Zitat des Ex-AfD-Vize Hans-Olaf Henkel: „Es gibt 57 islamische Länder in der Welt. Da muss es ja ein wahnsinniger Zufall sein, dass es in keinem dieser Länder eine Demokratie gibt. Nicht eine.“ Überschrieben ist das mit „Ein einfacher Signifikanztest“. Damit will Krämer nach eigenen Aussagen das Wesen eines statistischen Signifikanztests verdeutlichen. Der Test zeige, dass muslimische Länder „systematisch demokratiefeindlich“ seien.

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An der TU Dortmund ist kein Platz für rechten Populismus und rassistische Hetze! Einige von euch werden sicherlich schon mitbekommen haben, dass in Prof. Krämers Schaukasten fragwürdige, verstörende Aushänge zu sehen sind. Wir finden das an einer Uni, die von sich selber sagt, sie sei weltoffen, inakzeptabel und fordern, dass diese Aushänge nicht länger in diesem Schaukasten gezeigt werden dürfen. || Die gesamte Stellungnahme findet ihr auf unserer Homepage: https://bit.ly/33UDkpO || Ihr möchtet mehr über diese Aushänge erfahren oder euch unserem Protest anschließen? Dann kommt am 18. Dezember ab 18 Uhr im Haus Dörstelmann vorbei. #gegenrassismus #fcknzs #astatudortmund #gegenrechtehetze #tudortmund

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AStA-Sprecher Leander Schreyer hält dagegen, er bezeichnete die Aussage von Hans-Olaf Henkel als „offensichtliche Unwahrheit“ und „scheinbar absichtliche Fake News“. Es gäbe genügend Beispiele von muslimisch geprägten Ländern, das beste sei Indonesien als bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt, das weltweit als Demokratie anerkannt sei.

Unter den Aushängen befindet sich zudem eine verunglimpfende Zeichnung von Greta Thunberg. Die Zeichnung stammt wohl von Stefan Klinkigt. Er ist Autor des Blogs „Achse des Guten“, den die Sprachwissenschaftlerin Sabine Schiffer in der Taz als antiislamisch einstufte. Klinkigt beschreibt sich selbst auf der Seite als Freier Kommunkationsdesigner. Er postete die Zeichnung selbst am 20. September auf seiner Facebook-Seite, das Bild ist mit seinem Copyright versehen.

Die Verbindung zwischen Krämer und des Blogs „Achse des Guten“ geht noch deutlich über die Greta-Zeichnung hinaus. Krämer veröffentlicht dort selbst regelmäßig als Autor seine auch sonst von vielen Medien aufgegriffene „Unstatistik des Monats“. Der letzte Beitrag von Krämer auf dem Blog ist vom 2. Dezember 2019. Das Projekt „Unstatistik des Monats“ betreibt Krämer mit dem Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer und dem Bochumer Ökonomen Thomas Bauer. Die drei Wissenschaftler greifen darin monatlich „jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen“ auf und kommentieren diese.

Neben der Unstatistik des Monats veröffentlichte „Die Achse des Guten“ jüngst auch einen Beitrag zu den Aushängen Krämers. Darin wird der AStA der TU Dortmund als „Studentisches Tribunal“ und die vergangene Woche veröffentlichte Stellungnahme des AStA als „Anklage“ bezeichnet. In der Stellungnahme hatte der AStA „eine sofortige Beendigung der menschenverachtenden Aushänge“ gefordert. Auch Ursula Gather, die Rektorin der TU Dortmund, distanzierte sich inzwischen deutlich von den Aushängen. In einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme der TU Dortmund lässt sie sich mit den Worten zitieren: „Ich selbst missbillige in aller Deutlichkeit, dass in Schaukästen der TU Dortmund Zitate von Hitler ausgehängt werden. Wie ich finde, ist dies eine geschmacklose und unsensible Provokation.“

Weiter heißt es in der Stellungnahme der TU Dortmund zu dem mutmaßlichen Hitler-Zitat: „Eine abstruse Botschaft und zweifellos unsensibel gegenüber allen Opfern des Nationalsozialismus.“ Trotzdem seien die Aushänge laut der TU Dortmund von der Meinungsfreiheit gedeckt und könnten daher nicht verboten werden. Gegenüber KURT teilte Krämer vergangene Woche zudem mit, er wolle die Aushänge nicht abhängen, die Forderungen des AStA bezeichnete er als „absurd“. Der AStA der TU Dortmund lädt am 18. Dezember zu einer Informationsveranstaltung ein, dabei soll es auch um den „Verein Deutscher Sprache“ gehen. Walter Krämer ist Gründer und Vorsitzender des Vereins mit Sitz in Dortmund, der zuletzt durch eine Anti-Gender-Kampagne in der Öffentlichkeit auffiel.

In dem Verein sind eine Reihe Prominenter wie Hape Kerkeling aber auch die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach Mitglied und auch der Kabarettist und „Heimatforscher“ Uwe Steimle, von dem sich der MDR erst kürzlich getrennt hatte. Als Begründung gab der Sender an „Steimle habe wiederholt in öffentlichen Äußerungen die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks infrage gestellt.“  Auch Krämer äußert sich in einem Interview mit der rechtspopulistischen Zeitung „Junge Freiheit“ medienkritisch:  „Die Mehrheit unserer Medien ist beim Thema Umwelt nicht etwa vierte Gewalt, sondern das Sprachrohr einer rot-grünen Weltverbesserungsideologie.“

Noch hat sich im Schaukasten des Statistik-Gebäudes nichts verändert, Plakate und Zeichnungen hängen noch. Der AStA will weiter Druck auf die Verwaltung ausüben. Die Diskussion wird also noch in eine nächste Runde gehen.

Beitragsbilder: Nathan Niedermeier

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