Steigender Cannabis-Konsum: Die Risiken im Check

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Mehr als jeder fünfte Jugendliche hat im vergangenen Jahr mindestens einmal Cannabis konsumiert. Das besagt eine neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Aber welche Gefahren lauern wirklich hinter der umstrittenen Droge? KURT hat Antworten.

Bei dem Thema Cannabis scheiden sich die Geister: Während Gegner die Droge verteufeln und vor den gesundheitlichen Risiken warnen, sehen Befürworter keine größere Gefahr als bei Alkohol. Dass die Debatte jedoch notwendig ist, zeigt eine neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Denn mehr als jeder Fünfte im Alter von 18 bis 25 Jahren hat in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal gekifft. Damit ist der Wert im Vergleich zu 2016 um knapp fünf Prozent gestiegen.

Dr. Heidrun Thaiss, die Leiterin der BZgA, sieht vor allem die Entwicklungen im Alter von 12 bis 17 Jahren als Grund zur Sorge. Zehn Prozent haben bei der Befragung angegeben, schon einmal gekifft zu haben. Im Jahr 2011 betrug dieser Wert nur 4,6 Prozent.

Ein weiteres „Sorgenkind“ laut der Studie: Junge Männer zwischen 18 bis 25 Jahren. In dieser Gruppe hat nahezu jeder Zweite angegeben, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Laut Thaiss ein großes Problem, denn gerade für junge Menschen sei der Konsum mit einem hohen gesundheitlichen Risiko verbunden.

Kurz- und langfristige Folgen von Cannabis

Aber welche Risiken gibt es überhaupt? Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) unterscheidet grundsätzlich zwischen langfristigen Folgen und akuten Risiken. Zu den unmittelbaren Risiken gehören zum Beispiel Halluzinationen, Panikgefühle, Erinnerungslücken und Kommunikationsschwierigkeiten. Aber auch körperlich kann Cannabis nach dem Konsum Nebenwirkungen hervorrufen: Laut der DHS seien Herzrasen, Übelkeit und Schwindel bis hin zum Kreislaufkollaps möglich.

Daneben kann der Konsum von Cannabis auch auf lange Sicht die Gesundheit beeinträchtigen. Oft ist es vor allem die kognitive Leistung, die in Mitleidenschaft gezogen wird. Sprich: Aufmerksamkeit, Konzentration und Lernfähigkeit werden schlechter. Bleibende Hirnschäden sind jedoch nicht bekannt.

Ob Cannabis die Gefahr von Lungenkrebs erhöht, ist unklar. Während die DHS dem Cannabisrauch mehr krebserregende Stoffe zuschreibt als dem Tabakrauch, sieht das der Deutsche Hanfverband anders. „Ein größeres Lungenkrebsrisiko allein durch Cannabis konnte bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden“, so der Verband auf seiner Homepage. Das liege auch daran, dass Cannabis eine krebshemmende Wirkungen nachgesagt werde. Tabak im Gegensatz sei jedoch eindeutig krebserregend – und die Warnung vor Misch-Joints mit Tabak also „sehr berechtigt“.

Psychosen durch Cannabis

Auch die Frage, ob Cannabis Psychosen auslöst, sorgt für Diskussionen zwischen Gegnern und Befürwortern. Zwar besteht ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen der Droge und Psychosen. Es sei jedoch unklar, ob die Psychosen tatsächlich durch den Cannabis-Konsum ausgelöst wurden. „Es gibt viele Einflüsse, die eine Psychose triggern können – dazu kann auch Cannabis zählen“, so Sascha Waterkotte vom Deutschen Hanfverband. Auf seiner Webseite schreibt der Verband zum Thema:

Statistisch gesehen steigt mit dem Cannabiskonsum die Wahrscheinlichkeit, an einer Psychose zu erkranken, etwa so stark, wie durch das Wohnen in einer Großstadt.

Wichtig sei wie bei jedem anderen Rauschmittel, ein gewisses Maß zu halten und vorsichtig zu sein. Denn auch Cannabis könne gesundheitliche Risiken mit sich bringen – und besonders mit Blick auf die Jugend sei eine regulierte Abgabe und Jugendschutz wichtig. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, ist gegen eine legale Abgabe von Cannabis. Ihre Haltung zeigte sie auch als Reaktion auf die neue Studie der BZgA:

Cannabis ist und bleibt eine Droge mit hohen gesundheitlichen Risiken, gerade für regelmäßig konsumierende Jugendliche.

Vor allem der starre Fokus auf die Risiken für Jugendliche sei problematisch, sagt Sascha Waterkotte vom Deutschen Hanfverband : „Frau Mortlers Fixierung auf die Jugend lässt außer Acht, dass es auch Millionen Erwachsene Konsumenten gibt.“

Auch am Umgang mit anderen Rauschmitteln stört sich der Verband: „Alkohol wird als kulturell akzeptiert angesehen – und das obwohl die toxische Wirkung nicht zu unterschätzen ist“, so Waterkotte. Diese kulturelle Akzeptanz schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Mehr als 60 Prozent der 12- bis 17-Jährigen haben laut der „Alkoholsurvey 2018“ schon mindestens einmal Alkohol getrunken. Auch beim Tabakkonsum fielen die Zahlen im Jahr 2016 deutlich höher aus als bei Cannabis: 20 Prozent haben vor ihrem 18. Lebensjahr schon mal an einer Zigarette gezogen.

Gesundheitsrisiko betrifft vor allem Jugendliche

Fakt ist: Cannabis ist nichts für Jugendliche und junge Erwachsene. Genau wie Alkohol und Tabak kann die Droge die Entwicklung von Heranwachsenden behindern und sollte deshalb „so spät wie möglich und so wenig wie möglich“ konsumiert werden, so der Deutsche Hanfverband.

Aber auch Erwachsene sollten die Droge wenn überhaupt nur in Maßen genießen. Jede noch so kleine Dosis kann potentiell schädlich sein. Mit einer höheren Dosis steigt auch die Gefahr von gesundheitlichen Risiken. Egal ob bei Cannabis, Alkohol oder Tabak.

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