Vielfalt der Geschlechter – Toilettenbürokratie an den Hochschulen

Seit Dezember 2018 gibt es die Eintragung „divers“ auf dem Personalausweis und Androgynität und Transidentität sind längt keine Fremdwörter mehr. Die Menschen wollen mehr Freiheiten. Eine davon, sollen Unisex- Toiletten sein. Keine Trennung mehr zwischen den Geschlechtern, sondern Toiletten ohne Grenzen. Die Universitäten bemühen sich, aber so ganz klappt das mit der Diversität noch nicht.

Für Intersexuelle und Trans-Personen ist jeder Gang zur Toilette eine Entscheidung zwischen den festgelegten Geschlechtern Mann und Frau. Das ist aber nicht so einfach. Was wenn man sich zu keinem vom Beiden zugehörig fühlt? Was wenn eine Transperson im Umwandlungsprozess ist? Gehen sie auf die Toilette die ihnen der Personalausweis zuschreibt, oder das Geschlecht dem sie sich selbst zuordnen? Ohne Risiko ist diese Entscheidung auch nicht. Immer wieder gibt es Übergriffe und Konfrontationen mit Personen, denen diese ganze Geschlechtergrenzverschiebung nicht passt.

Im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina wurde im März 2016 das HB2 veranlasst. Dieses Gesetz verbietet es Trans-Personen in Schulen und Behörden eine andere Toilette aufzusuchen, als die in ihrem Pass stehende. Das Gesetz wurde laut Zeit Online nach lautstarken Protesten teilweise wieder zurückgenommen. Doch, wo gibt es denn solche Unisex-Toiletten? Gibt es welche auf dem Campus der TU Dortmund?

Die Hochschulen ziehen mit

Seit dem Sommersemester 2018 gibt es bereits vier „All-Gender-Toiletten“ an der Universität Bielefeld. Dabei wurden Urinale entfernt und die Toiletten sind ohne Einschränkungen für alle Studis zugänglich. Ins Leben gerufen wurde das Projekt vom örtlichen Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Noch vor Eröffnung der Toiletten gab es nach Bericht der Neuen Westfälischen Tagezeitung Unbekannte, die +Trans und +Inter* auf die Toilettenschilder schrieben. Hertz 87.9, das Bielefelder Campusradio, berichtete im Mai 2018, dass eine der Unisex-Toiletten mehrmals beschädigt wurde. Klobrillen und Hygienmülleimer wurden zerstört, mit einem Sachschaden von etwa 200 Euro.

Gepostet von Radio Bielefeld am Montag, 19. Februar 2018

 

Bereits Ende 2017 beschloss auch das Rektorat der Universität zu Köln WCs für alle Geschlechter einzurichten. Studierende finden diese jetzt in allen Zentralgebäuden und auf der „Gender Equality & Diversity“ Webseite der Universität. Berichte über Schäden wie in Bielefeld gab es nicht. Die Universität arbeitet sogar daran, in weiteren Fachbereichen All-Gender-Toiletten einzurichten.

Wie steht es um die Vielfalt der TU?

An der TU Dortmund gibt es bisher nur eine solche Toilette im AStA. Die Toilette dort ist „Gender-neutral“, geöffnet ist sie aber nur von 10 bis 15 Uhr. Was dann? Andere Unisex-Toiletten gibt es bisher noch nicht. Der AStA ist aber auch mit einer Initivative am Start, genannt „#illgowithyou“. Ein Studierender hatte diese Kampagne aus den USA entdeckt und mit dem AStA auf dem Sommerfest die ersten Buttons verteilt. Mit den Buttons können Studierende zeigen: Ich begleite dich. Wenn eine Trans-Person sich also unsicher fühlt, soll es möglich sein, bei anderen Studierenden Unterstützung zu finden. Auf Grund des positiven Feedbacks zu der Aktion, wird der AStA weitere Buttons produzieren und verteilen.

Dr. Ute Zimmermann ist Leiterin der Stabsstelle „Chancengleicheit, Familie und Vielfalt“. Sie arbeitet seit 30 Jahren an der Universität und ist seit Gründung der Stabstelle 2009 mitdabei. Nun pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum der Stelle, ist es ihre Aufgabe mit dem Gebäudemanagement einen Plan für mehrere All-Gender-Toiletten an der TU Dortmund zu entwickeln. Die Arbeit soll nach dem Sommersemester beginnen. Ein Beginn des Umbaus ist noch nicht bekannt.

Dr. Ute Zimmermann, Leiterin der Stabsstelle Chancengleicheit, Familie und Vielfalt.

Wenn es unerheblich wird, welches Geschlecht ich habe, wenn ich durch die Toilettentür gehe, wird dies zur Einladung an alle Geschlechter. Geschlecht wird dann kein Diskriminierungsmerkmal mehr sein: Hier geht ein Mensch zur Toilette, egal welches Geschlecht.

Fehlende Dokumente bedeuten Einschränkungen im Alltag

Bei Ute Zimmermann finden Studierende eine Anlauf- und Verbindungsstelle. Wer Sorgen und Fragen zum Thema Chancengleicheit und Vielfalt hat, kann mit ihr einen Termin per Mail oder Telefon ausmachen. Die Erziehungswissenschaftlerin weiß, was die Studierenden an Dokumenten benötigen, an wen man sich wendet und wie Prozedere hier ablaufen. Ein wichtiges Beispiel ist das Umschreiben des Geschlechts von Trans-Personen nach der Immatrikulation. Die Änderung ist danach nicht mehr so einfach und jeder Fall muss individuell mit dem Studierenden-Sekreteriat geklärt werden.

Dort findet die Datenerfassung statt und auch die Eintragung des Geschlechts. Dokumente wie der Studendierenden-Ausweis, das Semesterticket oder der Email-Account können häufig direkt geändert werden. Aber Urkunden wie Zeugnisse werden nur neu ausgestellt, wenn auch schon der Name und die Personalstandsänderung im Personalausweis entsprechend geändert wurden. Das kann mehrere Jahre dauern und laut der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, strapazierend sein. Nicht jede Trans-Person entscheidet sich daher für diesen Schritt.

Vom 9. bis 11. Juli konnten Studis der TU das neue Studierendenparlament, das Ausländer*innenreferat und das Queer-feministische Referat (QfR) wählen. Mit einer Einschränkung: Für das QfR durften nur Studierende kandidieren, die auch als Frau an der Uni eingeschrieben sind. Das schließt Trans-Frauen aus, die seit der Immatrikulation noch als Mann gemeldet sind. Das Referat hat vor sich mit dem Thema auseinanderzusetzen: „Da im Rahmen einer Frauenvollversammlung zudem eine Namensänderung beschlossen wurde (von Autonomes Frauenreferat zu QfR) wäre eine entsprechende Satzungsänderung die logisch richtige Konsequenz“, so Mira Kassakowski.

Studierende die sich zu einem dieser Themen äußern möchten, Anregungen, Sorgen oder Beschwerden haben, können sich außerdem an das Beschwerdemanagement der TU Dortmund oder einer der anderen Beratungsstellen richten.

Beitragsbild: Lisa Brinkmann

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1 Comment

  • Umwandlungsprozess? Wer einen Artikel über ein gendersensibles Thema schreibt, sollte sich auch ein bisschen mit gendersensibler Sprache befassen, finde ich. Es ist eine Angleichung, keine Umwandlung.

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