„Happy mit Hartz“: Fake-Kampagne sorgt für Kritik

Die angebliche Werbekampagne des Jobcenters war nur ein Fake. Dahinter steckt der Verein "Sanktionsfrei".

Die Kampagne „Happy mit Hartz“ schlägt momentan große Wellen. In den letzten Tagen sorgten vermeintlich glückliche Hartz-IV-Empfänger auf Plakaten und in Videos für Verwunderung. Angeblich eine Werbekampagne des Jobcenters. Jetzt ist klar: Die Kampagne war nur ein Fake. Wer dahintersteckt und was die Aktion bezwecken soll.

Hartz IV ist eigentlich kein Thema, das sich für Witze oder Werbung anbietet – könnte man meinen. Trotzdem haben sich seit Tagen Hart-IV-Empfänger stolz in Werbevideos präsentiert; froh darüber, Sozialleistungen zu bekommen. Sie berichten von ihrem angeblich glücklichen Leben mit Hartz IV.

Es handelt sich jedoch um eine satirische Kampagne gegen zu hohe Leistungskürzungen für Hartz-IV-Empfänger; eine Aktion des Vereins „Sanktionsfrei“. Unter #DuBistEsUnsWert und #happyhartz verbreiteten sich die Fake-Geschichten rasant in den sozialen Medien. Die Aktion sorgt für unterschiedliche Reaktionen.

Wer sich darüber ärgert und wer darüber lacht

Auf den Social-Media-Kanälen wird nun heftig darüber diskutiert, ob die Aktion ihre Berechtigung hat und als Satire zu verstehen ist. Oder ob die Initiatoren mit der Kampagne die Würde der Menschen verletzen, die wirklich auf Hartz IV angewiesen sind. Die Reaktionen reichen von wütend bis humorvoll.

Andere Nutzer jedoch nehmen „Happy mit Hartz IV“ durchaus ernst und finden es gut, dass darüber diskutiert wird, unter welchen Bedingungen Arbeitslose und Geringverdiener leben müssen.


Wer und was Fake ist

Nicht nur die komplette Kampagne entpuppt sich nun als Fake. Auch die Protagonisten, die als echte Hartz-IV-Empfänger beworben werden, sind offenbar nicht real. Stutzig macht einen beispielsweise die Geschichte der 28-jährigen Anna. Sie soll Studentin und alleinerziehende Mutter sein, die Hartz IV beziehe. Dabei sei das eigentlich ein Fall für BAföG, so die Agentur für Arbeit.

Wer dahinter steckt

Da zunächst niemand wusste, wer hinter der Aktion steckt, wurde anfangs sogar vermutet, dass es der Komiker Jan Böhmermann sei. Links führen zur Fake-Seite www.mein-jobcenter.com – doch die Bundesagentur für Arbeit sagte gegenüber dem „Stern“, dass sie sich deutlich von „Happy mit Hartz“ distanziere. Es sei keine von ihr geführte Seite, weshalb sie auch davon abriet, persönliche Geschichten auf Anfrage dort hinzuschicken. Auch das Crowd-Funding-Projekt „Mein Grundeinkommen“ wurde als potentieller Initiator vermutet, stellte jedoch klar, nicht am Projekt beteiligt zu sein.

Als Verantwortliche steht im Impressum der Seite www.mein-jobcenter.com Paula Rosenholz von der Agentur PARNASS GmbH. Der Verein „Sanktionsfrei“ hat sie und ihre Agentur als Strohmann benutzt, um die wahren Initiatoren zu verschleiern. Eigentlich wollte der Verein seine Identität erst am Wochenende (9. und 10. Dezember) lüften, doch Journalisten entlarvten die Aktion vorzeitig als Fake.

Was die Aktion bezwecken soll

Mit der Kampagne wollen die Mitglieder des Vereins „Sanktionsfrei e.V.“ laut ihrer Homepage „für ein echtes Existenzminimum“ kämpfen. Sie kritisieren, dass das Arbeitsamt Hartz-IV-Empfängern die Leistungen kürzen kann, wenn sie etwa einen Termin beim Amt verpassen oder eine angebotene Stelle nicht annehmen. „Sanktionsfrei“  möchte durchsetzen, dass das Arbeitslosengeld II ohne Auflagen und ohne Leistungskürzungen gezahlt wird. Jetzt wirbt der Verein um Spenden für sein Projekt „HartzPlus“. Die Spendengelder sollen laut der Organisation an Hartz-IV-Empfänger fließen, denen die Leistungen gekürzt worden sind.

Beitrags- und Teaserbild: Screenshot/www.mein-jobcenter.com

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