Boris Johnson: Ein Leben voller Lügen

Foto: Diana Bonner

Boris Johnson wird neuer britischer Premierminister. Am Mittwoch empfing Queen Elizabeth II. den Vorsitzenden der konservativen Partei im Buckingham Palace und ernannte ihn offiziell. Im Laufe seiner Karriere, erst als Journalist, dann als Politiker, wurde Johnson regelmäßig vorgeworfen es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Vor allem dann, wenn sich daraus Kapital schlagen lässt. Eine Chronik der Johnson’schen Lügen.

Der Journalist Boris Johnson

1987 beginnt Johnson dank Verbindungen seiner Familie seine journalistische Karriere bei der Londoner Zeitung „The Times“. Seine Zeit hier ist jedoch nur von kurzer Dauer. In seiner ersten Titelstory soll er bereits ein Zitat erfunden haben. Die Zeitung feuert ihn daraufhin. Über Max Hastings, Chef-Redakteur der konservativen Zeitung „The Daily Telegraph“, den Johnson noch aus seiner Zeit in Oxford kannte, erhält er dort zunächst eine Anstellung als Kolumnist. Anfang 1989 wechselt Johnson als EU-Korrespondent ins Brüsseler Büro der Zeitung.

Während seiner Zeit dort macht er immer wieder mit EU-kritischen Äußerungen auf sich aufmerksam, die im Englischen als „Euromyths“ bezeichnet werden. So behauptete er, die EU plane die Einführung einer „Bananen-Polizei“, die die Form von Bananen regulieren solle oder einheitliche „Eurocoffins“ – also Eurosärge. Der ehemalige britische EU-Kommissar Chris Patten sagte als Johnson 1994 aus Brüssel abgezogen wurde, er sei bei seiner Arbeit in Brüssel einer der „bedeutendsten Vertreter des Fake-Journalismus.“ James Lansdale, diplomatischer Korrespondent des BBC, schrieb: „Boris erzählte so entsetzliche Lügen.“

Nächster Skandal: Ein Telefongespräch

Kritik zieht Johnson auch mit rassistischen und homophoben Äußerungen auf sich. So benutzte er in einer Kolumne das Wort „Wassermelonen-Lachen (watermelon smiles)“ in Bezug auf Afrikaner und bezeichnete homosexuelle Männer als „Tanktop tragende Schwuchteln (tank-topped Bumboys).“ Der nächste Skandal folgt im Jahr 1995 als die Aufnahme eine Telefongesprächs von 1990 zwischen Johnson und einem Freund an die Öffentlichkeit gelangt. In diesem erklärt Johnson sich bereit, trotz Bedenken man könne ihn mit der Attacke in Verbindung bringen, die Adresse eines Journalisten herauszugeben, der aufgrund seiner Recherchen zusammengeschlagen werden sollte. Später sagt er das sei nur ein Scherz gewesen. Zu der Attacke kam es letztendlich jedoch nicht. Johnsons Freund musste sich trotzdem vor Gericht verantworten.

Abgeordneter im britischen Parlament

Im Juli 1999 bietet Conrad Black, der Besitzer des konservativen Daily Telegraph ihm die Stelle als Chefredakteur an. Bedingung hierfür war aber, dass Johnson seine parlamentarischen Ambitionen zurückstelle.  Johnson akzeptiert, wird zwei Jahre später aber trotzdem Abgeordneter im britischen Parlament. „Unsagbar scheinheilig“ nannte Black dieses Verhalten später.

2004 gelangen Informationen darüber an die Öffentlichkeit, dass Johnson bereits seit dem Jahr 2000 eine Affäre mit der „Spectator“-Kolumnistin Petronella Wyatt habe. Berichte darüber bezeichnete Johnson als „Schwachsinn.“ Kurze Zeit später meldet sich Wyatts Mutter zu Wort und berichtet von zwei durchgeführten Abtreibungen. Ein Posten im Kultusministerium für den Johnson eigentlich schon als gesetzt galt, wurde daraufhin anderweitig besetzt.

Bürgermeister von London

Im März 2007 schlägt Johnson vor, bei den kommenden Bürgermeister Wahlen in London als Kandidat für die Konservativen anzutreten. Der Vorschlag wird zunächst von den meisten Konservativen kaum ernstgenommen, sie favorisieren Nick Boles. Dieser zieht seine Kandidatur jedoch zurück, was dazu führt, dass Johnson im Juli offiziell seine Kandidatur bekannt gibt. Kurz vor der Wahl wird er mit eigenen Aussagen aus den Jahren 2005 und 2007 konfrontiert. Damals hatte er zugegeben, zu Uni Zeiten schonmal Kokain genommen zu haben. Als das kurz vor der Wahl, in London Schlagzeilen macht, streitet er alles ab. Trotzdem wählen ihn die Londoner im September zum Bürgermeister.

 

Auch in seiner Zeit im Londoner Rathaus nimmt Boris Johnson es mit der Wahrheit nicht immer allzu genau. Er behauptet zum Beispiel, während seiner Amtszeit sei die Zahl der Polizisten gestiegen – in Wirklichkeit war sie gesunken. Oder auch, dass die Jugendkriminalität gesunken war, während sie in Wirklichkeit anstieg.

Rückkehr ins Parlament

Obwohl er ursprünglich ausgeschlossen hatte, noch während seiner Zeit als amtierender Bürgermeister ins Parlament zurückzukehren, ließ Johnson sich im September 2014 als Kandidat für den Wahlkreis Uxbridge und South Ruislip aufstellen. Im Mai 2015 wird er wieder Mitglied des Parlaments. Damals wird kolportiert, Johnson kehre ins Parlament zurück, weil er David Cameron als Chef der Konservativen Partei und als Premierminister ablösen wolle.

Foto: British Embassy Tokyo

Rolle in der Brexit-Debatte

Im September 2017 macht Johnson wieder Schlagzeilen mit einer fragwürdigen Aussage. Er behauptet im Falle des Brexits würden der Regierung jede Woche 350 Millionen Pfund mehr zur Verfügung stehen, was zum Beispiel ins Gesundheitssystem investiert werden könne. Diese Behauptung fand sich auch auf einem Brexit-Bus, der im Vorfeld zur Abstimmung durch Großbritannien getourt war. Die Behauptung ließ sich jedoch statistisch nicht ansatzweise belegen. Am Tag nach der Abstimmung distanzierte sich der Chef der Brexit-Befürworter Nigel Farage von der Aussage. Sir David Norgrove, Chef der britischen Statistikbehörde, bezeichnete Johnsons Behauptung als „klaren Missbrauch der Statistik.“ Johnson behauptete hingegen, die Zahl sei noch untertrieben. Für seine Aussagen während der Brexit-Debatte musste sich Johnson fast vor Gericht verantworten. Der Londoner „High Court of Justice“  gab Johnsons Anwälten jedoch recht, die behaupteten bei der Aussage habe es sich lediglich um eine politische Behauptung gehandelt, die zur Diskussion gestellt wurde.

Eine Tendenz dazu, Fakten zu verdrehen und aus Unwahrheiten Kapital zu schlagen, egal ob im journalistischen oder im politischen Bereich, zieht sich also zweifellos durch Johnsons gesamte Karriere. 53 Prozent der Briten halten ihn nach aktuellen Umfragen für „unehrlich“, sogar 58 Prozent sind der Meinung, Johnson sei „nicht vertrauenswürdig“ (Quelle: yougov.co.uk). Nicht nur was den Brexit angeht wird Johnson sich beweisen müssen. Nach 32 Jahren zweifelhafter Techniken gilt es zunächst, das Vertrauen der Bürger in ihren neuen Premierminister wiederherzustellen.

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