Der Breitmaulfrosch: Schluss mit dem Klischee, Tanzen sei kein Sport

Ob Glitzerbärte, grüne Smoothies oder hippe Fummel aus der Mottenkiste – über Kunst, Lifestyle, Mode und Kultur lässt es sich gut das Maul zerreißen. Besonders gut kann das der Breitmaulfrosch, der in dieser Kolumne über merkwürdige Trends wütet – dabei nimmt er kein Seerosenblatt vor den Mund. Dieses Mal ärgert sich der Breitmaulfrosch über das Vorurteil, dass Tanzen ja gar kein Sport sei.

Eigentlich wollte der Breitmaulfrosch heute über etwas ganz anderes schreiben, aber das geht nicht. Er liegt nämlich auf dem Sofa. Mit zwei Cool­packs. Und jede Menge blauer Flecken. Und brennenden Schmerzen in den Muskeln. Der Breitmaulfrosch kann sich absolut nicht bewegen.

Wer jetzt vermutet, dass er einen Autounfall hatte – falsch getippt. Er hatte gestern ein Tanzturnier. Sportlicher geht es kaum.

Das verhasste Klischee

„Tanzen – das ist doch kein Sport!“ oder „Tanzen ist doch nur was für Mädchen!“: Wie oft der Breitmaulfrosch das schon gehört hat. Dabei ist Tanzen Intervalltraining. Das bedeutet, dass der Körper durchgehend belastet wird – und zwar ohne Pause. Mal intensiver und mal weniger intensiv. Der Breitmaulfrosch verbrennt so 250 Kalorien in einer halben Stunde.

Leidenschaftliche Tänzer wissen, dass Tanzen ein wirksames Training sein kann. Immer, wenn der Breitmaulfrosch tanzt, verbessert er seine Ausdauer, steigert die Kraft und stärkt seine Frosch-Muskulatur. Dadurch, dass meist der gesamte Körper in Bewegung ist, ist Tanzen ein ganzheitliches Training, bei dem jeder Muskel optimal trainiert wird.

Außerdem muss der Breitmaulfrosch beim Tanzen nicht nur immer die gleiche Bewegung wie beispielsweise beim Gewichtheben ausführen. Ein Tänzer muss Hunderte Bewegungsabläufe gleichzeitig ausführen und koordinieren können. Das erfordert zusätzlich noch eine extreme kognitive Arbeit.

Falsche Darstellung im TV

Trotz dieser ganzen Fakten: Besonders wenn der Breitmaulfrosch den Fernseher einschaltet, regt er sich auf. Tänzer sieht er höchstens bei Dirty Dancing oder Let’s Dance.

Anstatt professioneller Berichterstattung über Turniere und Wettkämpfe, steht der Tanzsport dort entweder im Zusammenhang mit einer romantischen Liebesgeschichte oder wird von Motsi Mabuse und Jorge am Wochenende im Fernseher durch oberflächliche Wortbeiträge kommentiert.

Der Breitmaulfrosch glaubt, dass es jedoch noch einen ganz anderen Grund dafür gibt, dass der Tanzsport so unterschätzt wird. Denn die große Kunst des Tanzens ist es, alles leicht und schwerelos erscheinen zu lassen. Dabei ist gerade das mit Abstand das Schwierigste.

Die Kunst der Leichtigkeit

Leichtathleten oder Gewichtheber sehen bei der Ausführung hingegen immer ernst, verschwitzt oder angespannt aus. Diese ästhetische Leichtigkeit, die den Tanz so einzigartig macht, kostet den Tanz den Ruf, dass es eine anstrengende Sportart ist.

Und Tanzen ist so viel mehr als Sport. Der Breitmaulfrosch kennt es selbst nur zu gut. Dieses Gefühl, wenn er sich monatelang auf ein Turnier vorbereitet und dann endlich auf der Tanzfläche steht. Hunderte Augen, die ihn beobachten. Wie die Muskeln brennen, wenn die nächste Hebefigur kommt. Wie die Kraft schwindet, er aber merkt, dass er die nächsten zwei Minuten trotzdem noch 100 Prozent geben muss.

Und dann: Dieser Moment, wenn ihn ein tosender Applaus von den ganzen Schmerzen und Stress der vergangenen Monate erlöst. Das ist mehr als Sport. Das ist Leidenschaft.

Deshalb fordert der Breitmaulfrosch mehr Gerechtigkeit. Für einen Sport, der mehr kann, als nur Sport zu sein.

 

Beitrags- & Teaserbild: David Hoffmann via Unsplash

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