Wieviel Sexismus steckt im Partyschlager „Layla“? Ein Kommentar.

Quelle:canva/JaninaRöttger

„Schöner, jünger, geiler“- das ist die Puffmama Layla. Beschrieben wird sie so in dem gleichnamigen Song der Partyschlagerkünstler DJ Robin und Schürze. Am Ballermann feierten sie damit Erfolge. Kaum einer kehrt in dieser Saison ohne den Ohrwurm von Mallorca zurück. Die Welle des Erfolges schwappte sogar bis nach Deutschland. Ekstatisch feierten Menschen während Volksfesten und in Bierzelten zu dem eingängigen Hit. Jetzt droht die Welle zu brechen. Das Land diskutiert über „Layla“- doch warum? Ein Kommentar.

Auslöser der Debatte ist das Kiliani Volksfest in Würzburg. Zu sexistisch sei das Werk, entschieden die Verantwortlichen der Stadt Würzburg. Als Veranstalter:innen beschlossen sie: Der Song soll nicht gespielt werden. Konsequent nennen sie das, nachdem sie im vergangenen Jahr das Donaulied verboten hatten. Am vergangenen Mittwoch zogen die Veranstalter:innen der Düsseldorfer Rheinkirmes nach. Während der größten Kirmes am Rhein wird „Layla“ von der offiziellen Playlist verbannt. Auch die Cranger Kirmes soll ohne den Hit „Layla“ ausgekommen, wenn es nach den Organisatoren der Stadt Herne geht. Heute (14.07.2022) äußerte sich der Marketingsprecher der Stadt Herne Alexander Christian gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), ein Lied wie „Layla“ passe nicht in das Image der Cranger Kirmes.

Die Kritik

Doch wo sehen die Kritiker:innen das Problem? In dem Song wird die Puffmama „Layla“ besungen. Neben „schöner, jünger, geiler“ fallen die Wörter „Luder“ und „Puff“. Zugegeben, es ist ein simples Lied ohne geistigen Anspruch. Der Text ist eingängig und ohne sinnhaften Zweck. Seine vermeintlich einzige Bestimmung; er soll zum Mitsingen animieren und gute Laune verbreiten. Geschrieben worden ist er für die Boxen des Megaparks, des Bierkönigs, die Schinkenstraße und für die heimischen Stadt- und Volksfeste. Eben die Veranstaltungen, an denen die unterschiedlichsten Generationen auf den Bierbänken der Republik zusammenkommen. Gemeinsam wird getrunken, gelacht und ausgelassen gefeiert nach zwei Jahren Corona-Pandemie. Die Musik verbindet Jung und Alt miteinander. Auch „Layla“. Acht Wochen hält sich der Song so in den offiziellen deutschen Charts. Drei Wochen davon steht er unangefochten an der Spitze. Die Anzahl der Streams auf Spotify liegt bei 35.019.451 (Stand: 14. Juli 2022). DJ Robin und Schürze ist damit ein Erfolgshit gelungen, das muss man anerkennen. 

Songtext Layla
Neulich in der Stadt stand da ein Mann
Er schaute mich sehr glücklich an
„Hey, komm mal her“, sagte er zu mir
„Das ist mein Laden, mein Revier“
„Mein Junge, ich hab‘ ein Geheimnis für dich“
Was er von mir wollte, wusste ich nicht
Ich sah nur das Grinsen in seinem Gesicht
„Was ich dir sage, glaubst du mir nicht“
Ich hab‘ ’nen Puff und meine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la-la-la-la-Layla
La-la-la-la
Die wunderschöne Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la, die wunderschöne Layla
La-la-la-la-la-la-la-Layla
La-la-la-la, la-la-la-la-la-la
Dann war es auch um mich geschehen
Das wollte ich aus der Nähe sehen
Ich ging in den Laden und schon stand sie da
Geile Figur, blondes Haar
Er hat ’nen Puff und seine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la-la-la-la-Layla
La-la-la-la
Die wunderschöne Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la, die wunderschöne Layla
La-la-la-la-la-la-la-Layla
La-la-la-la, la-la-la-la-la-la
Die schöne Layla, die geile Layla
Das Luder Layla, unsre Layla
Die schöne Layla, die geile Layla
Das Luder Layla, unsre Layla
Wir lieben dich, la-la-la-la-la-la-la-Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la-la-la-la-Layla
La-la-la-la
Die wunderschöne Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la, die wunderschöne Layla
La-la-la-la-la-la-la-Layla
La-la-la-la, la-la-la-la-la-la 

Vermutlich sind es auch die beiden Künstler, die gerade am meisten von der Debatte profitieren. Beide Verbote führen zu Diskussionen. Dadurch steigen Bekanntheitsgrad und somit auch die Einnahmen, die durch „Layla“ erzielt werden, kontinuierlich. Ein Segen für die Künstler. Ihnen schwappt eine Welle der Solidarität entgegen. Mit dem #freelayla füllen sich die Kommentarspalten von DJ Robin und Schürze.

Das Verbotene wird jetzt erst recht gespielt. Auch in Würzburg, zwar nicht auf dem Volksfest an sich. Dafür aber in den Kneipen, Bars und Diskotheken drumherum. So äußert sich die Würzburger Wirtin Denise Hertlein gegenüber dem Bayrischen Rundfunk (BR) wie folgt zum Verbot: „Ich finde, das ist absoluter Quatsch.“ Sie lässt in Ihrer Kneipe den Song mehrmals am Abend laufen. Zu Unstimmigkeiten, bezüglich des Textes, sei es bei ihr vor noch nie gekommen.

Für diejenigen, die jedoch diskutieren, ist es Sexismus und für die anderen ein hitziger Aktionismus, der in die Kategorie Sommerloch-Debatte passt. Mittlerweile schalten sich Politiker:innen in die Diskussion ein. Serap Güler (CDU), Mitglied des deutschen Bundestages und Marco Buschmann (FDP), Bundesjustizminister, sind nur zwei Beispiele dafür.

Sexismus ist mehr als ein Partyhit

Ja, es gibt ihn noch, den Sexismus in Deutschland- leider. Frauen verdienen seit Jahrzehnten weniger Geld als Männer in der gleichen Position. Immer noch sind es hauptsächlich die Frauen, die sich der Care-Arbeit widmen. Heißt, sie managen Haushalt und die Kindererziehung. Sie werden für diese Arbeit aber nicht entlohnt. Das wirkt sich auf die Rentenversorgung im Alter aus. Immer noch sind Frauen über 65 laut Statistischen Bundesamt mit einem Anteil von 15,9 Prozent stärker armutsgefährdet als gleichaltrige Männer (13,9 Prozent). Es gibt also drängende Fragen, die wir miteinander gesellschaftlich diskutieren sollten.

Aber die Debatte über einen Song zu führen, der die Wörter „schöner, jünger, geiler“, „Puff“ und „Luder“ beinhaltet. Ufff. Textlich gibt es sicherlich schöneres, aber auch wesentlich schlimmeres. Ich denke da an Rapsongs, bei denen man zusammenzuckt, wenn man über das gezeichnete Frauenbild nachdenkt. Oder englische Texte, die wir alle kennen und mit summen. Wir stellen sie aber nicht infrage, denn es ist ja englisch und irgendwie dann auch nicht so unser Problem.  Songs wie Candyshop von 50Cent oder Whistle von FloRida dröhnen weiter durch jede Bassbox. An den Fahrgeschäften der Rheinkirmes wird sicherlich der ein oder andere gespielt. Ja, die Sprache des Ballermanns ist einfach. Das war sie schon immer. Frauen und Männer singen über „20 cm“, „Super Hupen“, „dicken Titten“ und über  „Zehn nackte Friseusen“. Nur weil es immer so war, muss es nicht immer so bleiben. Dennoch gibt es drängenderes.

Meiner Meinung nach wird man der Sexismusdebatte in Deutschland aber nicht ansatzweise gerecht, indem man den Song „Lalya“ verbietet. Für die Betroffenen wird ein Verbot nichts ändern und das ist das Traurigste an der aktuellen Debatte.

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