Kommentar: Warum wir Promitrennungen so dringend brauchen

Zwei Z-Promis trennen sich und liefern sich einen Rosenkrieg der Extraklasse auf Instagram. Und nebenbei reiben wir uns die Hände und warten auf einen neuen Schlagabtausch der beiden. Weil wir es lieben.

Die Kurzfassung: Fitnesstrainer Hakan Akbulut soll Promischwester Jenny Frankhauser geschlagen haben, weil sie in einer vor der Beziehung gedrehten Show zwei Dates mit Männern hat. Passend dazu stellte sie ihren blau geschlagenen Busen ins Internet. Hakan dementiert das und sagt, dass er ihr lediglich ins Gesicht gespuckt habe. Die Promitrennung ist perfekt. Und was machen wir Normalsterblichen? Holen das Popcorn raus und warten auf Updates.

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#bestrong

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Die Sensationsgeilheit weckt uns, es wirkt wie ein Aufputschmittel. Wir wollen alles wissen. Wir spiegeln uns in dem Leid der Promis und wollen uns mit ihnen vergleichen. Trennungen in den sozialen Medien haben schon ein eigenes Genre bekommen: Die Schlussmachprosa. Mal klingt es wie ein Anwaltsschreiben, dann wie eine Liebesgeschichte aus den Groschenromanen meiner Oma.

Wie man es anders macht, zeigen Amazon-Gründer Jeff Bezos und seine Frau MacKenzie. Für uns Zuschauer eine recht langweiligeTrennung. Sie haben sogar richtige Regeln für ihre öffentliche Trennung aufgestellt: Rede in der Öffentlichkeit niemals schlecht über den Expartner, wenn es um Geld oder die Kinder geht. Zeige Mitgefühl, Wertschätzung und Dankbarkeit, auch wenn das geheuchelt ist. „Wir hatten so ein großartiges Leben zusammen als verheiratetes Paar und sehen auch eine wundervolle Zukunft als Eltern, Freunde und Partner bei Unternehmen und Projekten“, so die beiden auf Twitter. Gähn.

https://www.instagram.com/p/B0VpJKLApY6/

Viel interessanter ist es doch, wenn Jenny und Hakan sich kein bisschen zur Trennung äußern wollen und es dann doch tun. Kurze Zeit später geht ein Video auf YouTube online, gedreht von Hakan. In dem sehr langen Video gibt er jedes Detail über die Beziehung und die Trennung preis. Und er dementiert noch mal, dass er Jenny geschlagen hat. Er habe sie lediglich „etwas härter rangenommen“. Hui.
Aber auch Jenny äußerte sich bei Instagram: „Mir ist es peinlich, (…) vor allem, dass es öffentlich ist. Ich wünschte, es wäre nicht so weit gekommen, aber ich musste mich leider rechtfertigen.“ Und weil sie das Thema aus der Öffentlichkeit heraushalten möchte, postet sie Fotos mit den Hashtags #bestrong und #seelenfutter. Raushalten ist was anderes.

Wir tratschen seit Anfang des 20. Jahrhunderts

Dass das Privatleben von mehr oder weniger bekannten Personen zum Thema unserer täglichen Tratschanrufe mit der besten Freundin wurde, stammt von einer Entwicklung, die vor rund 100 Jahren begann. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die erste Fanmagazine aus Hollywood auf den Markt, welche sich allein um das Privatleben der Hollywoodstars abseits der Leinwand drehten. Je älter das 20. Jahrhundert wurde, desto mehr rückten auch die privaten Dramen der Stars in den Vordergrund, beispielsweise die unglücklichen Ehen von Marilyn Monroe und Romy Schneider. Selbst die Affären von Präsident John F. Kennedy und Prinz Charles waren da schon offene Geheimnisse.

Auf Instagram wird stets die perfekte Welt gezeigt und auch wir Normalsterblichen versuchen da irgendwie mitzuhalten. Deswegen ist es gut zu sehen, dass selbst die Stars ihre Lebenskrisen nicht besser bewältigen können als wir. Natürlich ist es gut, wenn Trennungen vernünftig ablaufen. Aber was bleibt uns Normalsterblichen, wenn die Stars selbst die Lebenskrisen noch so viel besser bewältigen können als wir? Und lieben wir Promis nicht auch gerade dafür, dass sie sich und ihr Leben auch einfach mal nicht im Griff haben? Wir bewundern ja nicht Lindsey Lohan für ihre Lebensführung und fragen uns in schwierigen Zeiten nicht: Was würde Paris Hilton tun?

Tratschen tut uns gut

Tratschen ist sozial, schafft Nähe und stärkt den Zusammenhalt. Man stärkt aber auch seinen eigenen Stellenwert, indem man jemandem etwas erzählt, was er noch nicht weiß. Der Blick auf die Promis gibt uns Hoffnung und nimmt uns die Angst. Wenn es bei denen mal nicht klappt, lenkt uns das vom eigenen Versagen ab.

Es ist ein digitaler Rosenkrieg, der in den sozialen Medien ausgetragen wird. Jeder kann kommentieren und bewerten. Jeder User wird zum Paartherapeut und Eheberater. Es ist wie eine Seifenoper, dessen Folge man nicht verpassen möchte.

Apropos Seifenoper: Gerade kündigte Hakan Akbulut auf Instagram an, dass er heute über den wahren Trennungsgrund von Jenny Frankhauser auspacken wird. Gelohnt hat sich der Rosenkrieg für ihn allemal: Mehr als 20.000 Follower bekam er in den letzten Wochen dazu – Tendenz steigend. Aber egal, wie diese Trennungsschlacht letztendlich ausgehen wird, er wird der Gewinner sein. Denn durch seinen neuen Bekanntheitsgrad winken neuen Sponsoren und Auftritte. Und wir schüren das Feuer, aufgrund unserer Sensationsgeilheit. Und weil sowas uns ja NIEMALS passieren würde.

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