Wie digital ist Dortmund?

Die digitale Wirtschaft habe im Ruhrgebiet und besonders in Dortmund eine beeindruckende Entwicklung gemacht. Es gebe zahlreiche digitale Neugründungen und IT-Dienstleister. So begründet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Entscheidung, den Digitalgipfel erstmals in Dortmund stattfinden zu lassen. Aber ist Dortmund wirklich so digital? Was davon kommt bei den Bürgern an?

Ziemlich viel, findet zumindest die Stiftung „Lebendige Stadt“. Sie hat Dortmund zusammen mit Wien im vergangenen Jahr als digitale Stadt mit Vorbild- und Nachahmungscharakter ausgezeichnet. Digitalisierung sei eine wichtige Lösung gesellschaftlicher Probleme. Dortmunds Digitalstrategie verfolge das Ziel, die Stadt intelligenter und effizienter zu gestalten. Parkplätze würden mit Sensoren ausgestattet und mit einer Navigations-App verknüpft, um die Parkplatzsuche zu verkürzen, schreibt die Stiftung in der Begründung.

Dortmund wurde 2018 zusammen mit Wien als digitale Stadt mit Vorbild- und Nachahmungscharakter ausgezeichnet. Bild: Stiftung Lebendige Stadt

Smart City geht wohl anders

Auch im sozialen Bereich würde digitale Technik in Dortmund genutzt. Pflegebedürftige Senioren könnten dank digitaler Sicherheitssysteme aus Dortmund bis in ein höheres Alter zuhause bleiben. Sensoren überwachen dabei die Körperwerte von Senioren, erkennen Stürze und rufen, falls nötig, automatisch Hilfe. Das soziale Netzwerk „nebenan.de“ fördere zudem das Miteinander in der Nachbarschaft. Auf der Plattform können Mitteilungen an die Nachbarn veröffentlicht und Kontakte geknüpft werden.

Der Sensor für Oma und eine digitale Pinnwand mit verhältnismäßig wenigen Nutzern machen Dortmund allerdings noch nicht zur einzigartigen Digitalstadt. Gleichzeitig quillt der Wartesaal im Bürgeramt über, Dortmunder warten stundenlang auf einen Platz beim Einwohnermeldeamt oder in der Kfz-Zulassungsstelle (KURT berichtete). Smart City geht wohl anders.

Stadt will Digitalen Masterplan entwickeln

Das will die Stadt Dortmund nun ändern. Viele Amtsangelegenheiten sollen demnächst auch online erledigt werden können. Bisher erreichte Dortmund laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom im Bereich „Online-Bürgerservices“ gerade einmal 56,7 von 100 Punkten. Deshalb entwickelt die Stadt seit 2016 in einem eigenen Büro eine Digitalstrategie, den „Masterplan Digitales Dortmund“.

Digitales Arbeiten soll Verwaltungsprozesse schneller machen und so für weniger Wartezeit in den Bürgerämtern sorgen, heißt es von der Stadt. Amtsangelegenheiten können Dortmunder dann in Zukunft online regeln. Ein Vorhaben, das auch andere Städte durch gesetzliche Vorgaben bis Ende 2022 umsetzen müssen.

Entwicklung einer App für ungenutzte Parkplätze

Aber auch Forschungsprojekte für Innovationen sollen gefördert und vernetzt werden. Dabei ist unter anderem die Entwicklung einer App, über die ungenutzte private Parkplätze und Elektro-Ladesäulen von den Eigentümern angeboten werden können. Bei einem anderen Projekt wird eine App entwickelt, mit der Mängel in der Stadt schnell an die Verwaltung gemeldet werden sollen.

Im März oder April 2020 soll der Stadtrat diese Strategie verabschieden, eigentlich sollte das schon im Herbst 2019 passieren.

Studie gibt Dortmund 61,7 von 100 Punkten

Diese Digitalstrategie ist dringend nötig. Im bundesweiten Vergleich sieht Dortmund auf Platz neun von 81 zwar eigentlich gut aus, es ist aber noch viel Luft nach oben. Der Digitalverband Bitkom hat untersucht, wie digital deutsche Großstädte sind. Der Verband gibt Studien zu den Themen Digitalisierung, Mediennutzung und Internet heraus und vertritt 2700 Digitalunternehmen in Deutschland.

Bewertungskriterien der Bitkom-Studie
Kriterien waren unter anderem, wie viele Verwaltungsangelegenheiten online erledigt werden können, wie gut das Mobilfunknetz ist und wie sehr intelligente Technologien für Umweltschutz und Verkehrssteuerung genutzt werden. Je nachdem, wie sehr und wie viele dieser Kriterien erfüllt sind, gab es zwischen einem und 100 Punkten.

Dortmund steht mit 61,7 Punkten im digitalen Städtevergleich insgesamt auf Platz neun. Glänzen konnte Dortmund in der Kategorie „Verwaltung“ mit 75,3 Punkten. Die Frage lautete, wie gut sind Online-Terminvergabe, bargeldlose Bezahlung auf dem Amt und Online-Präsenz der Stadt sind. Am schlechtesten schnitt die Stadt in der Kategorie „Energie und Umwelt“ ab – mit 54 von 100 Punkten. Es ging dabei um smarte Straßenlaternen, Umweltschutz und E-Fahrzeuge.

Platz neun von 81 ist eigentlich ein gutes Ergebnis. Der Blick auf die Punktzahl wirft jedoch Bedenken auf: Dortmund erhielt 61,7 Prozent der Punkte, etwas mehr als die Hälfte. Bei einer Uni-Klausur wäre das die Note 3,3 gewesen.

Fazit:

Dortmund ist schon relativ digital. Der Nahverkehr kann problemlos mit Echtzeitdaten online geplant werden, Termine bei den Bürgerdiensten werden online vergeben. Einzelne Projekte haben Vorbildpotenzial und die Stadt bemüht sich sehr um die Digitalisierung. Allerdings ist der Weg zur Smart City noch lang, vor allem die Bürgerdienste haben Nachholbedarf.

Beitragsbild: Julian Beuter

 

 

 

 

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