Kommentar: Deutsche Filme – deshalb sind sie eine Katastrophe

Seit Donnerstag (31. Oktober) läuft die deutsche Komödie „Das perfekte Geheimnis“ in den Kinos und soll das Publikum zum Lachen bringen. Schon nach dem ersten Wochenende hat er mit mehr als einer Millionen Zuschauern den erfolgreichsten Start eines deutschen Films in diesem Jahr hingelegt. Dabei sollte er jeden eher zum Weinen und Nachdenken bringen. Denn er ist ein Sinnbild dafür, was die meisten deutschen Filme eigentlich sind: eine Katastrophe. Ein Kommentar.

Alles nur geklaut

Es ist eine Geschichte, die unseren Zeitgeist einfängt. Das Smartphone ist überall dabei und selbst, wenn wir uns angeregt mit Freunden unterhalten, können wir einem schnellen Blick auf das Handy oft nicht widerstehen. Was wir damit machen, ist aber manchmal eben sehr privat und soll unser perfektes Geheimnis bleiben.

 

Man könnte also meinen, dass der neue Film rund um Elyas M’Barek und Co. ein origineller und spannender Film sei. Das wäre auch so, wenn es diese Geschichte nicht schon gegeben hätte. Das Vorbild ist nämlich der italienische Film „Perfect Strangers“ (im Original: Perfetti sconosciuti) und die Geschichte wurde schon öfter erzählt. 18 Remakes des italienischen Originals sind in der Produktion oder bereits erschienen.

Wovon „Das perfekte Geheimnis“ deshalb zeugt, ist das Fehlen jeglicher Kreativität. Denn in seiner grundlegenden Handlung folgt er seinem Vorbild haargenau und arbeitet systematisch die einzelnen wichtigen Punkte der Story ab. Dabei ändert er zwar kleinere Details, die den Film aber nur vulgärerer werden lassen. Nur am Schluss löst er sich völlig vom Original und schafft ein neues Ende, das aber alles nur noch schlimmer macht.

Homophobe Witze und das Kino lacht 

„Das perfekte Geheimnis“ lässt mich am Ende nämlich nur mit einem Gefühl allein: Traurigkeit. Denn der Film setzt sich im Zuge der Aufdeckung von privaten Geheimnissen auch mit dem Thema Homosexualität auseinander. Eine erstzunehmende Auseinandersetzung findet aber nicht statt.

Stattdessen soll darüber gelacht werden. Auch wenn es eigentlich nichts zu lachen gibt, wenn einer Figur alle paar Sekunden das Wort „Schwuchtel“ an den Kopf geworfen wird oder schwul zu sein als krank betitelt wird. Trotzdem lacht fast das ganze Publikum.

Achtung Spoiler!

Im Laufe des Films tauschen die Figuren von Elyas M’Barek und Florian David Fitz das Handy. So will die verheiratete Figur von Elyas M’Barek verhindern, dass seine Frau erfährt, dass er regelmäßig Nacktbilder von einer Bekannten geschickt bekommt. Später kommen auf dem anderen Handy aber Nachrichten an, die die Figur von Florian David Fitz als schwul outen. Durch den Tausch der Handys wird jetzt aber Elayas M’Barek für schwul gehalten. Der streitet das sofort ab.

Es fallen Sätze wie „Kannst du dir vorstellen, dass dein Mann wirklich sowas Krankes tun würde?“. Auch die anderen Figuren schmeißen mit dem Wort „Schwuchtel“ nur so um sich. Als sich am Ende alles auflöst, bekommt Florian David Fitz keine richtige Entschuldigung und keine der Figuren erfährt eine richtige Läuterung. Stattdessen schlagen sie einen anderen homophoben Mann krankenhausreif und alles ist wieder in Ordnung.

Während der volle Saal rund um im mich herum lacht, sinke ich als offen schwuler Mann weiter in meinen Sitz und fühle mich so, als hätte mir jemand einen harten Schlag in die Magengrube versetzt. Mit so einem Gefühl sollte niemand im Kino sitzen müssen. Die Wirkung ist gefährlich und zeigt leider allzu deutlich, warum noch immer viele schwule oder lesbische Menschen Angst haben, sich zu outen.

Es ist aber nicht das erste Mal, dass einem deutschen Film so etwas vorgeworfen wird. Auch Til Schweigers Komödie „Klassentreffen 1.0“ aus dem letzten Jahr setzte auf Gags auf Kosten von Schwulen. Hier wird zum Beispiel einem Sohn von seinem Vater der Tipp gegeben: „Wenn du bei den Mädchen landen willst, solltest du vielleicht mal deinen Look entschwulisieren“.

Auch wenn die Filmemacher von „Klassentreffen 1.0“ nicht die Intention haben, Homophobie offen zu feiern, wirken solche Szenen verletzend. Denn sie werden als Gags inszeniert, über die man lachen soll. Das darf nicht passieren!

Immer nur das Gleiche – aus einem Grund

Warum solche Filme aber trotzdem weiter entstehen, hat einen einfachen Grund: sie sind erfolgreich. Seit Jahren beherrschen solche Komödien das deutsche Kino. Immer mit dabei ist auch die gleiche Besetzung.

In „Das perfekte Geheimnis“ versammelt sich mit Jella Haase, Karoline Herfurth, Elyas M’Barek und Florian David Fitz der Stammtisch des deutschen Comedy-Kinos. Es fehlen eigentlich nur noch Til Schweiger und Matthias Schweighöfer. Von Kreativität kann auch hier keine Rede sein.

Innovative oder mutige Projekte findet man fast keine und das ist die Schuld der Filmförderung. Dabei erhält fast jeder deutsche Film eine Förderung. Dafür müssen sie aber bestimmte Kriterien erfüllen. Die sind alle in den Richtlinien der Filmförderung festgelegt. Für das Erfüllen eines Kriteriums bekommt der Film Punkte.

Beim Erreichen einer bestimmten Punktzahl erhält der Film dann eine Förderung. Zum Beispiel gibt es zwei Punkte, wenn die Handlung sich auf ein historisches Ereignis der Weltgeschichte bezieht oder „Themen von aktueller gesellschaftlicher oder kultureller Relevanz“ anspricht. Das Ergebnis ist damit ein Abarbeiten eines Katalogs, der die Kreativität letztlich nur einschränkt.

 

Es werden hier so viele Filme gefördert, wo schon das Drehbuch einfach nur Mist ist. Da kann dann auch der Film nicht mehr spannend werden

Til Schweiger im OMR Podcast

Die Kritik von Til Schweiger ist berechtigt. Aber auch seine Filme sind Teil des Problems. Nächstes Jahr startet die Fortsetzung seines Films „Klassentreffen 1.0“. Entstanden ist er mit der Unterstützung der Filmförderung – 976.000 Euro spendierte sie Schweiger für den Film.

Ein Budget von dem der Regisseur von „Der Nachtmahr“ Achim Bornhak nur träumen konnte. Denn für ihn blieb der Geldhahn der Filmförderung zu. Ein Grund dabei sei gewesen, dass sich der Film nicht eindeutig einem bestimmten Genre zuordnen lasse, erzählte der Regisseur in einem Interview.

Mit einem kleinen Budget von 80.000 Euro konnte der Film letztendlich doch realisiert werden. Dafür haben aber auch alle, die an dem Film mitgewirkt haben, kein Geld bekommen und freiwillig mitgemacht. Dabei ist „Der Nachtmahr“ genau das, was das deutsche Kino braucht: etwas Neues und Kreatives. Solch frischen Wind braucht es. Nur bekommt das breite Publikum davon überhaupt nichts mit. Deshalb werden uns auch in Zukunft viele weitere deutsche Komödien erwarten, von denen es schon jetzt viel zu viele gibt.

 

Beitragsbild: Nick Cooper via Unsplash

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