Kommentar: Wenn Ökos Avocado essen…

 

 

Die Butterfrucht des Waldes, das grüne Gold, der Superstar unter den Vitamin Es: Die Avocado.
Aus der Veggi- und Superfoodküche ist die Avocado nicht mehr weg zu denken. Sie ist die Basis des guten Fetts und des guten Gewissens. Der Mercedes unter den Obstsorten.

Der gesellschaftliche Hipnessfaktor liegt ungefähr auf dem Niveau von Feminismus und glutenfreien Vollkornnudeln. Es ist ja jetzt ein Trend geworden, ein Öko zu sein. Nicht mehr so viel fliegen, nicht mehr so viel Plastik, Mülltrennen und am besten regional einkaufen. Wir wollen vor allem auf tierische Produkte verzichten. Und da bietet sich die Avocado einfach auch super an. Macht sich auch auf Instagram ziemlich gut. Wer #avocado bei Instagram eingibt, dem werden über 4,5 Mio. grüne Impressionen angezeigt. Außerdem ersetzt sie tierische Produkte wie Butter und Eier problemlos. Ein Wundermittel! Da macht essen wieder Spaß.
Mittlerweile gibt es sogar Kochbücher mit den Titeln „Meine Rezepte für eine bessere Welt“ oder „Genießen Sie die Torten- und Kuchenklassiker ohne Reue oder schlechtes Gewissen“ – die Weltretterin Avocado steht da natürlich im Mittelpunkt der Zutaten.

Warum Avocados mir die Laune verderben

Doch dann sind da GOTT SEI DANK noch ein paar Öko-Spinner, die den unfassbaren Wasserverbrauch der Frucht kritisieren. Und zu denen gehöre ich. Hallo! Normalerweise würde ich mich nicht als Öko-Spinner beschreiben, aber beim Thema Avocado muss ich mich wohl dazu zählen.
Die Avocado ist schlichtweg eine Sünde. Tausend Liter Wasser brauchen drei Avocados, um zu reifen. Und das in einem Land wie Mexiko, was genug Probleme mit Wasserknappheit hat. Der Anbau ist dabei auch kein Zuckerschlecken – es ist teuer und langwierig. Kann sich der kleine Bauer natürlich nicht leisten, also sind die Agrarkonzerne hellhörig geworden. Und haben das Geschäft übernommen. Jetzt holzen sie fleißig weiter gesunde Waldgebiete ab, um Avocadoplantagen zu bauen. Denn da liegt das Geld.
Und wo das Geld liegt, liegt meistens auch Konfliktpotential. In Mexiko kann man zum Teil von einem Krieg zwischen Bauern und Konzernen sprechen. Bewaffnet sind die Bauern schon, um sich gegen illegales Abholzen zu schützen. Und wenn eine Plantage gebaut ist, folgt der Bau der Wasserspeicher. Nochmal holzen. Und obendrauf kommen dann auch noch ohne Ende Pestizide. Und so müssten wir uns eigentlich schon schämen, wenn wir im süßen Café um die Ecke ein Avocadotoast futtern – dabei sind wir gerade erst bei der Ökobilanz des Anbaus. Weiter geht’s mit der Verschiffung. Mehr als 80 Prozent des deutschen Avocado-Imports – im Container aufwendig runtergekühlt auf sechs Grad Celsius – legen Tausende Kilometer zurück, bevor er auf dem Teller landet.

Also, wenn ihr das nächste Mal healthy und mit gutem Gewissen essen wollt, denkt mal drüber nach. Kleiner Tipp, eine Gurke tut es auch.

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