Fährst du noch oder trampst du schon?

Fragen wir unsere Eltern, antwortet bestimmt die Mehrheit, dass sie in ihrer Jugend früher getrampt sind. Heute ist das nicht mehr ganz so üblich. Dabei ist doch Trampen auch eine gute, umweltfreundliche Alternative, um an sein Ziel zu kommen. Doch was muss man beachten?  

Von Istanbul auf die Philippinen. Eine Strecke von 9112 km, ein Direktflug von circa 12 Stunden. Der Flug ist warm und bequem. Es gibt ein Unterhaltungsprogramm und warme Mahlzeiten. Es wird garantiert, dass man in das Flugzeug einsteigt und ein paar Stunden später an seinem Zielort aussteigt. Quasi eine sichere Reisemethode. Doch Franziska, Autorin des Reiseblogs Travelcomic“, entschied sich dagegen. 15.000 Kilometer Landweg hat sie auf sich genommen, war insgesamt 127 Tage unterwegs. Und das in ungefähr 20 Autos. Was für andere wie eine verrückte Idee wirkt, ist für Franziska der größte Traum. “Trampen hat mich seit meiner Schulzeit fasziniert, aber erst habe ich mich nicht getraut. Mit 19 bin ich dann das erste Mal mit einer Freundin von Köln nach Albanien und durch Italien getrampt.” 

Definition Trampen
Im Duden ist der Begriff “Trampen” beschrieben als “(durch Winken o. Ä.) Autos anhalten und sich mitnehmen lassen und auf diese Weise irgendwohin fahren, reisen; per Anhalter fahren”. Oft wird auch bei uns im Deutschen der englische Begriff “Hitchhiking” verwendet

In Deutschland tauchte der Begriff “Trampen” das erste Mal in den 1920ern bei der bündischen Jugend, einer Jugendbewegung in der Weimarer Republik, auf.  In den 1960ern ist das Prinzip gängig und beliebt geworden. 

Auch heute nutzen viel mehr Leute, als man denkt, das Trampen, als “umweltfreundlichere” und vor allem auch kostenlose Alternative, um von einem Ort zum nächsten zu kommen. Thomas Weber vom Verein Abgefahren e.V., der 2006 gegründet wurde, um das Trampen damals wieder populärer zu machen, schwört auf diese Methode: “Normalerweise ist man durchs Trampen schneller als beispielsweise mit dem Zug.” Seiner Meinung nach ist Deutschland eines der besten Trampländer überhaupt: “Man kommt schnell von A nach B durch super Autobahnen und vor allem, weil auch eine breite Akzeptanz fürs Trampen existiert.” 

Beim Trampen neue Menschen und Blickwinkel kennenlernen 

Wenn man Tramper fragt, was denn das Schönste an dieser Art zu reisen ist, sind die Antworten häufig ähnlich: Weil es nicht langweilig ist und man so Leute kennenlernt, die man sonst nie getroffen hätte. “Mich hat zum Beispiel mal eine Braut mitgenommen, die gerade auf dem Weg zu ihrer Hochzeit war. Ich saß dabei neben dem Brautkleid auf der Rückbank. Oder ein Israeli, der uns dann mitgenommen hat zu einem Vogelkauf“, sagt Franziska. Wenn man sich dafür entscheidet, einen Weg zu trampen, weiß man vorher nicht, bei wem man landet. Eine Art zu reisen, die viele Geschichten mit sich bringt und neue Blickwinkel und Perspektiven eröffnet. Allerdings auch eine Art zu reisen, die mit einer gewissen Unsicherheit verbunden ist. Häufig wird das Trampen auch als gefährlich eingestuft oder konnotiert. 

Trampen als Gefahr?  

Gunnar Wortmann von der Polizei Dortmund sagt, dass das Trampen im Bereich Dortmund “kein polizeilicher Problemschwerpunkt” ist. Er habe das Gefühl, dass das Trampen in Zeiten von organisierten Mitfahrerzentralen kaum noch genutzt werde. “Grundsätzlich sollte man natürlich immer Vorsicht walten lassen, wenn man trampt“, sagt der Polizeihauptkommissar: “Insgesamt scheinen organisierte Mitfahrerzentralen die bessere und sichere Lösung zu sein.” Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber auch dabei nicht. 

Thomas Wortmann von Verein “Abgefahren” schätzt das Trampen als eine sichere Art zu reisen ein: “Die größte Gefahr ist ein Autounfall.” Er selbst sei schon zweimal aus einem Auto ausgestiegen: Einmal, weil er mit der Fahrweise nicht einverstanden war und das andere Mal, weil der Fahrer betrunken gewesen ist. “Das merkt man aber normalerweise beim Einsteigen.”, sagt er. 

Ganz auszuschließen, sind die Gefahren beim Trampen also nicht, jedoch gibt es Grundregeln, die die Risiken vermindern können. Auf der Webseite von dem Verein “Abgefahren” gibt es ein paar grundsätzliche Ideen. 

Grundregeln

10 Regeln und Tipps beim Trampen:

1. Hör auf dein Bauchgefühl
Steig niemals in ein Auto ein, bei dem du dich nicht sicher fühlst. Lehne dankend ab, wenn dir der/die Fahrer/in suspekt vorkommt oder du ein komisches Bauchgefühl hast. Auch während der Fahrt kannst du jederzeit bitten rausgelassen zu werden. Im Notfall kannst du zum Beispiel auch Übelkeit vortäuschen.
2. Sicher dich ab
Gib jemandem Bescheid, dass du trampen bist. Fotografiere im Bestfall auch noch das Nummernschild ab und lass den/die Fahrer/in wissen, dass andere Leute von deiner Reise Bescheid wissen.
3. Kommuniziere
Rede mit dem/der Fahrer/in. Franziska sagt, dass dadurch immer ihre Unsicherheit verschwindet: “Ich versuche immer direkt ein Gespräch anzufangen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.”
4.Kenne dein Ziel
Es ist wichtig, dass du deinen Zielort kennt (vorausgesetzt, du hast einen) und auch die wichtigsten Orte auf dem Weg dahin. In Ländern, in denen du die Sprache nicht sprichst, solltest du noch dazu immer eine Karte dabei haben.
5. Eine positive Ausstrahlung
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht wird man definitiv schneller und lieber mitgenommen. Sei einfach optimistisch, dass die Reise etwas ganz Besonderes wird und dass du an deinem Ziel ankommen wirst.
6. Der richtige Platz zum Trampen
Autobahnkreuze/Raststätten eignen sich besonders gut. Dort gefährdest du dich selbst nicht und auch durch das Bremsen des Autos auch nicht den Straßenverkehr. Zudem kannst du gut in Kontakt mit den/der potenziellen Fahrer/in kommen. Ansonsten eignen sich Standstreifen auf Autobahnauffahrten, Haltebuchten, Bushaltestellen, Rasenstreifen oder Wartungszonen. Du musst gut sichtbar sein und dein Gepäck sollte auch möglichst sichtbar sein, damit der Fahrer im Vorhinein schon weiß, was er alles mitnehmen soll. Nachts bist du durch eine Warnweste besser sichtbar.
7.Kleider machen Leute
“Man muss schon charismatisch aussehen”, sagt Thomas Weber: “Wenn ich mit einer Lederjacke trampe, geht es schon schlechter. Und wenn ich rasiert binist es auch besser.” Dein Aussehen, zusammen mit der Ausstrahlung, kann der entscheidende Punkt sein, der den/die Fahrer/in dazu bringt, anzuhalten.
8. Eine Schlafmöglichkeit suchen
Such dir Schlafmöglichkeiten an deinem Zielort. Sei aber auch darauf vorbereitet, dass du vielleicht nicht so schnell da bist wie geplant. Oder auch gar nicht ankommst. Ein Zelt dabei zu haben, gerade bei längeren Strecken, ist demnach auch ein Muss.
9. Der frühe Vogel fängt den Wurm
Viele Leute, die weite Strecken unterwegs sind, starten früh. Um deine Chance zu erhöhen, eine längere Strecke mitgenommen zu werden, solltest du auch früh unterwegs sein.
10. Mit Freunden reisen
Das erste Mal zusammen mit Freunden zu trampen, nimmt die Unsicherheit. Vielleicht müsst ihr zu zweit etwas länger warten, aber dann macht das Warten ja auch mehr Spaß.

Gerade auf das erste Mal Trampen sollte man sich vorbereiten: Dadurch gewinnt man Sicherheit. Dazu hat auch Franziska einige Tipps durch ihre Erfahrungen zusammengefasst.  

Das erste Mal Trampen: Vorbereitung und Tipps

Must-Haves beim Trampen

  • Pappe und Edding (fürs Schilder schreiben) 
  • Schlafsack, Isomatte, Zelt (für den Notfall) 
  • Regencape, Sonnencreme 
  • Powerbank (das Handy sollte immer funktionieren) 
  • Karte (“Tramper gehören zu einer der letzten Zielgruppe, die analoge Karten benutzen”, sagt auch Thomas Weber) 
  • Generell gilt: Leichtes Gepäck (da wird man auch schneller mitgenommen)

Online gibt es eine große Community 

Der Verein “Abgefahren” hat das sogenannte Hitchwiki erstellt. Laut Thomas Weber “zum Thema trampen die Hauptadresse”, bei der man auf alle Fragen zum Thema Trampen Antworten finden kann. Zudem gibt es verschiedene Facebook-Gruppen: zum Beispiel, hitchiking through Europe, die wahrscheinlich größte. Dort werden auch mal Mitfahrer gesucht oder Tipps gegeben und Erfahrungsberichte ausgetauscht. 

 Wenn man die Grundregeln beachtet, kann Trampen also eine gute Alternative sein, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Auf den verschiedenen Webseiten kann man sich informieren und dann heißt es nur noch: Fährst du noch oder trampst du schon? 

Beitragsbild: Atlas green via Unsplash

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