Zwischen Westfalenhallen und Hörsälen: das Klausuren-Chaos im Corona-Semester

Im Corona-Semester können viele Studierende ihre Klausuren nicht wie geplant in den Hörsälen der TU Dortmund schreiben.

Im vergangenen Corona-Semester spielten nicht nur Online-Vorlesungen eine Rolle. Denn so unterschiedlich, wie Dozenten und Professoren sie umgesetzt haben, so verschieden sind auch die Prüfungsleistungen – von Klausuren in den Westfalenhallen bis hin zu kreativen Alternativlösungen.

Das Online-Semester war für viele Studierende ein Gewinn: Nicht zur Uni pendeln müssen und wenn es nicht gerade eine regelmäßige Vorlesung über Zoom gab, konnte der zu lernende Stoff ja nach Belieben und zu jeder Zeit gepaukt werden. Um die Themen also auf dem Kasten zu haben, brauchten Studierende viel Selbstdisziplin. Aber egal, wie gründlich oder nachlässig das getan wurde, am Ende steht nun die Prüfungsleistung, die erbracht und nachgewiesen werden muss.

Corona-Semester an der TU Dortmund: Klausuren statt Live-Konzerte in den Westfalenhallen

Das stellte vor allem Studiengänge mit einer großen Anzahl an Teilnehmern vor eine Herausforderung. Denn die Klausuren in den Hörsälen der TU Dortmund zu schreiben, ist wegen der Vorgaben zum Schutz vor dem Coronavirus auch aktuell immer noch nicht möglich. Dazu kommt, dass einige Studierende noch Nachprüfungen aus dem vorherigen Wintersemester ablegen mussten. Was also tun?

Diese Frage haben die Fachschaften und Studiengänge ganz unterschiedlich beantwortet. Die vermutlich beliebteste Lösung bei teils überfüllten Studiengängen war und ist es, die Westfalenhallen als Audimax-Ersatz zu nutzen. Dort kann der geforderte Mindestabstand ohne große Probleme eingehalten werden. Doch bis die erste Klausur dort geschrieben werden konnte, wo normalerweise tausende Fans ihrem musikalischen Idol zujubeln, war viel Organisation nötig.

Westfalenhallen Dortmund: So lief die Vorbereitung auf die Klausuren

Drei Monate vor Prüfungsstart begann daher bereits die Planung, denn es musste einiges bedacht werden. Zum Beispiel Miete, Hygienemaßnahmen und die Umsetzung der Prüfungen. Über die entstandenen Kosten schweigt die TU Dortmund. Doch Martin Rothenburg, Sprecher der TU Dortmund, verriet: „Es war nicht billig“.

Aber mit der finalen Umsetzung sei die Uni insgesamt „sehr zufrieden“. Die vielen Unklarheiten konnten die Verantwortlichen durch die „professionellen Gegebenheiten in den Westfalenhallen“ mit Reinigungskräften und den räumlichen Gegebenheiten beseitigen. Auch ein möglicher Störfaktor konnte ausgeschlossen werden: Lärm vom Pop-Up Freizeitpark „Fundomio“ nebenan.

Denn die Halle 3, in der die Nachschreib-Klausuren aus dem Wintersemester 2019/20 stattfinden, sei „in Richtung Signal-Iduna-Park ausgerichtet“, erklärt der Sprecher der TU Dortmund. „Ich war selbst mal dort und konnte den Kirmeslärm kaum hören“, versicherte er.

Zu viel Lärm? Das Fazit der Klausuren in den Westfalenhallen Dortmund im Corona-Semester

Und wie kam die ungewöhnliche Lösung bei den Studierenden an? Der 19-jährige Lukas studiert Informatik und hat in den Westfalenhallen eine Nachholprüfung aus dem Wintersemester geschrieben.“Anfangs war es erst mal ein organisatorisches Chaos“, berichtet der Student. „Man wusste nicht genau, welcher Eingang benutzt wird und wie das ganze abläuft“. Das sei auch am Tag der Klausur zunächst nicht viel anders gewesen. „Zumindest, wenn man bisher erst einmal in den Westfalenhallen war und das auch schon Jahre her ist“.

Bei den Westfalenhallen Dortmund gibt es normalerweise zahlreiche Veranstaltungen. Im Corona-Semester schreiben hier tausende Studierende ihre Klausuren.

Doch Lukas kann alle Studierenden, die die Klausur dort noch vor sich haben, beruhigen. „Sobald man den Eingang gefunden hatte, lief alles recht problemlos, eigentlich sogar angenehmer als zu einer normalen Klausur ab“. Es sei „ähnlich wie am Flughafen gewesen“. Die Prüflinge meldeten sich an einem Schalter an und bekamen dann einen Sitzplatz zugewiesen.  Bei den Prüfungen gibt es aber noch einen weiteren Vorteil, denn die zu schreibenden Klausuren liegen bereits in einem Umschlag verpackt am Platz. Dadurch können alle Teilnehmer gleichzeitig anfangen zu schreiben.

Doch im Gegensatz zum Sprecher der TU Dortmund, empfand Lukas den Lärm des Pop-Up-Freizeitparks nebenan durchaus als störend. Das sei „ungefähr so, als würde unter der Halle gerade ’ne U-Bahn langfahren. Ein bisschen nervig, aber aushaltbar“, fasst der Student zusammen.

Bei der Abgabe der Klausur gibt es ebenfalls einen genauen Ablauf: Die Klausur in den Umschlag stecken und am Ausgang in die dafür vorgesehene Sammelbox stecken. Lukas‘ Fazit lautet deshalb: „Besser als die Klausuren an der Uni, deshalb gerne wieder. Dann aber bitte mit etwas mehr Organisation“.

Corona-Semester vor dem Abschluss: Verschiedene Möglichkeiten für Prüfungen und Klausuren in Dortmund

Auch im Corona-Semester sollen wieder tausende Studierende ihre Klausuren in den Westfalenhallen Dortmund schreiben. Ab dem 20. Juli müssen dann 20.000 Teilnehmer an drei Wochen ihr Wissen abrufen und die Gehirnzellen anstrengen. Von der Maßnahme betroffen, in der ungewöhnlichen Location die Prüfung abzulegen, sind Kurse mit mehr als 200 Teilnehmern.

Seminare und Vorlesungen mit weniger Zuhörern haben da im Corona-Semester noch etwas mehr Möglichkeiten. So gibt es für einige Studierende beispielsweise eine Online-Klausur innerhalb von 24 Stunden zu lösen. Bei Kursen der Lehramtsstudierenden verteilen die Verantwortlichen die Prüflinge direkt auf mehrere Hörsäle der TU Dortmund.

Beitragsbild: Malin-Annika Miechowski/KURT

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