Duell: Für das Studium ausziehen oder zu Hause wohnen bleiben?

Nach dem Schulabschluss stellt sich für die meisten vor allem eine Frage: „Und jetzt?“
Den einen verschlägt es dann ins Ausland, die andere beginnt ein freiwilliges soziales Jahr, der nächste macht eine Ausbildung – viele beginnen aber auch ein Studium, womit schon wieder die nächste Entscheidung bevorsteht: zu Hause wohnen bleiben oder ausziehen?

Emilia Knebel findet: „Zieht für euer Studium von zu Hause aus!“

Nach dem Abi und meinem Auslandsjahr stand für mich ziemlich schnell fest: Ich möchte für mein Studium von zu Hause ausziehen. Während vieler meiner Freunde aus Schulzeiten bereits studierten und dabei nach wie vor bei ihren Eltern wohnten, zog es mich eher weg.

Das lag nicht etwa daran, dass ich nicht gut mit meiner Familie klar kam – eher im Gegenteil. Stattdessen brauchte ich einfach etwas Veränderung. Und da die mit dem Beginn des Studiums sowieso kommt, ist das nicht auch der ideale Zeitpunkt, um auszuziehen?

Selbstständigkeit auch im Privatleben

Mit dem Studium beginnt ein neuer Lebensabschnitt und in der Uni wird – anders als in der Schule – Selbstständigkeit vorausgesetzt. Warum also das nicht auch ins Privatleben umsetzen? Natürlich sind manche Dinge am Anfang vielleicht herausfordernd – egal ob man in einer WG, im Studentenwohnheim oder in einer eigenen Wohnung lebt. Bei wie viel Grad darf ich den Pullover noch mal waschen? Wie genau bekomme ich die angebrannten Reste aus dem Kochtopf? Und so ein Wocheneinkauf kann auch ganz schön teuer werden. Trotzdem lernt man bei all diesen kleinen Herausforderungen schnell dazu, wird selbstständiger und vor allem erfinderisch – viele werden wissen, wovon ich spreche.

Aber nicht nur das: Gleichzeitig wird man offener für Neues und lernt deutlich schneller neue Leute kennen, wenn man zum einen direkt in der Uni-Stadt, und zum anderen nicht mehr bei den Eltern, sondern zum Beispiel in einer WG wohnt. Wer pendelt und jeden Tag nach der Uni wieder nach Hause in die Nachbarstadt – oder sogar noch weiter weg – fährt, hängt irgendwann zwischen diesen zwei Welten und gehört nirgendwo richtig dazu. Darunter leiden natürlich die sozialen Kontakte in der Uni, denn es fällt deutlich schwerer Anschluss zu finden, wenn man immer darauf achten muss, abends den letzten Zug in Richtung Heimat zu erwischen, wie es bei den Pendler-Unis hier im Ruhrgebiet üblich ist.

Mehr Vielfalt in Uni-Städten

Nebenbei bieten Uni-Städte außerdem auch ein viel größeres kulturelles Angebot, man kann besser feiern gehen, es gibt mehr Freizeitmöglichkeiten und generell deutlich mehr Vielfalt. Es ist einfach mehr los als zu Hause, wo man ja sowieso alles schon kennt. Und wenn man dann über’s Wochenende oder in den Semesterferien doch mal wieder zu Besuch kommt, freut man sich auch wieder richtig auf die Heimat, die Familie und die alten Freunde.

Und irgendwo gehört das Alleine-Wohnen auch zum Studentenleben dazu. Die WG-Partys, sich eine Woche lang nur von Nudeln zu ernähren, die spontanen Aktionen mit den Mitbewohnern und die liebevoll zusammengewürfelte WG-Küche, in der man sich abends auf ein Bier trifft – all das hat man nicht, wenn man im Studium noch zu Hause wohnt. Und ganz ehrlich: Unsere Eltern müssen auch nicht immer alles mitbekommen, was wir so machen – oder eben nicht machen. Ausziehen bedeutet zwar Verantwortung, aber schließlich auch eine Menge Freiheit.

Jana Marie Bertermann findet: „Überlegt gut, ob es sich für euch wirklich lohnt, für das Studium von Zuhause auszuziehen!“

Ich studiere mittlerweile seit anderthalb Jahren an der TU Dortmund, wohne aber immer noch bei meinen Eltern in Gevelsberg und pendle jeden Tag pro Strecke ungefähr 30 Minuten. Das sorgt häufig für Verwunderung. In den letzten Monaten wurde ich oft gefragt, wann ich denn nach Dortmund ziehe. Meine Antwort lautet aber auch heute noch „voraussichtlich gar nicht“.

Geld, Nerven und Zeit sparen

Wenn ich meine Fahrtzeit zur Uni mit der meiner Kommilitonen, die in Dortmund wohnen, vergleiche, fällt auf, dass sie oftmals mindestens genauso lange zur Uni brauchen wie ich. Dafür spare ich jedoch einiges an Geld, ich zahle zum Beispiel keine Miete.

In der Heimatstadt wohnen zu bleiben, kann (wenn man sich mit seiner Familie gut versteht) aber nicht nur Geld, sondern auch Nerven sparen. Man weiß, mit wem man zusammenwohnt, hat keine ständig wechselnden Mitbewohner und nur selten anstrengende Termine im Bürgerbüro. Dadurch, dass man nicht den gesamten Haushalt alleine erledigen muss, kann die gesparte Zeit zum Beispiel schon für die Vor- und Nachbereitung der Seminare genutzt werden. Nebenbei lohnt sich für Pendler ganz besonders das NRW-Studententicket, das wir sowieso regelmäßig mit unseren Semestergebühren bezahlen.

Alte Hobbys und Freundschaften aufrechterhalten

Vor allem aber bringt das Studium, wenn man pendelt, kein großes Abschiednehmen mit sich. Geliebte Hobbys, wie zum Beispiel der wöchentliche Besuch in der Musikschule und im Sportverein, können wie gewohnt beibehalten werden. Außerdem fällt es einem leichter, alte Freundschaften aus der Schulzeit aufrecht zu erhalten, da regelmäßige Treffen und nicht nur Kontakt über WhatsApp möglich sind.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Pendler in der Uni weniger integriert sind und nach jeder Veranstaltung nur darauf aus sind, möglichst schnell wieder nach Hause zu kommen. Die Nachmittage können genauso gut auch in der Universitätsstadt verbracht werden. Ich habe zudem die schöne Erfahrung gemacht, dass – wenn es abends doch mal später wird – auch die ein oder andere Schlafcouch gerne zur Verfügung gestellt wird.

Leben zwischen zwei Welten als Bereicherung

Aber dann ist da ja noch das gefürchtete „Leben zwischen zwei Welten“. Für mich ist gerade das auch ein Vorteil vom Pendeln: Durch den Umgebungswechsel kann man zwischendurch besser abschalten und durch die Uni bedingten Stress leichter abbauen. Außerdem fällt es leichter, regelmäßig zu reflektieren, inwieweit das Studium überhaupt die eigenen Erwartungen erfüllt, denn ein möglicher Studienabbruch bedeutet nicht direkt einen erneuten Umzug.

Meiner Meinung nach ist auch nicht jede Universitätsstadt gleichermaßen für das Studentenleben geeignet. Vor dem Umzug sollte man sich also die Frage stellen, ob einem die Stadt, in der sich die Uni befindet, überhaupt gefällt und welche Freizeitmöglichkeiten sie einem bieten würde.

Es ist also nicht immer unbedingt die beste Lösung, für das Studium von Zuhause auszuziehen. Die Vor- und Nachteile sollten individuell abgewogen und gut überlegt werden.

 

Beitragsbild: Skeeze via pixabay

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