Warum Corona nicht gut für die Umwelt ist

Delfine kehren in den Bosporus zurück, in den Flüssen in Venedig kann man die Fische wieder sehen. Die Corona-Krise scheint positive Auswirkungen auf die Umwelt und die Tierwelt zu haben. Aber der Schein trügt.

Im Internet kursieren auf einmal viele Fotos, Videos und Geschichten, in denen Tiere ihren Lebensraum zurückerobern. Schwäne und Fische in Venedig, Delfine in der Türkei: Es scheint, als würde sich die Natur während der Pandemie erholen. Und auch auf den Satellitenbildern der NASA und European Space Agency (ESA) kann man sehen, dass die Stickstoffbelastung in von Corona stark belasteten Gebieten gesunken ist. Die ESA veröffentlichte auf ihrem Twitter Account außerdem Satellitenbilder, auf denen ein knapp 50 prozentiger Rückgang von Stickstoffdioxid im Süden von Europa zu sehen ist.

Positive Effekte bleiben nur kurzfristig

Auch in Deutschland bewirkt die Corona-Krise kurzfristig positive Effekte für die Umwelt. Die meisten Menschen bleiben zu Hause. Der Güterverkehr ist eingeschränkt. Dazu kommt der eingeschränkte Flugverkehr. Insgesamt bewirkt dies ein Sinken von Stickstoffbelastung und Schadstoffemissionen. Die unabhängige Denkfabrik Agora Energiewende hat hierzu eine Abschätzung veröffentlich. Die Klimaexperten dort gehen davon aus, dass der Rückgang von Emissionen bei 40 bis 50 Prozent liegen wird. Sie vermuten, dass Deutschland sein Klimaziel 2020, durch das Zusammenspiel aus Corona-Krise und mildem Winter, erreicht. Die Schätzungen der Einsparungen im Vergleich zu 2019 liegen zwischen mindestens 50 Millionen Tonnen CO2 bis rund 120 Millionen Tonnen CO2.

Dass der Mensch und das menschliche Handeln auf die Umwelt und CO2 Belastung einwirkt, sieht man an diesen Beispielen ziemlich gut. Der Trugschluss hieraus wäre aber, dass sich die Umwelt direkt erholt hätte. Die kurzzeitigen positiven Effekte sind ein Tropfen auf den heißen Stein wenn nicht auch langfristige Effekte mit einbezogen werden, vermuten Experten.

Der Klimawandel macht keine Pause

Die Corona-Krise ist eine bisher nie dagewesene Situation, die schlecht abzuschätzen ist. Allerdings ist relativ klar, dass sie zu einer wirtschaftlichen Rezession führen wird. Und historisch gesehen gibt es nach einer Rezession oder Krise immer sogenannte Rebound- oder Rückschlag-Effekte. Durch diese Effekte heben sich die Einsparungen wieder auf. Beispiele hierfür: Nach der Weltwirtschaftskrise 2008 gab es einen kleinen Knick in der CO2-Bilanz. Allerdings erreichten die Emissionen dann im Jahr 2010 das damalige Allzeithoch. Solche Einbrüche gab es auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Auch diese wurden in den Folgejahren wieder aufgeholt.

Umwelt- und Klimaschutz werden in einer geschwächten Wirtschaft schnell zum Luxusproblem. Schon jetzt werden Forderungen laut, dass Ziele zum Klimaschutz zu vernachlässigen seien. Joachim Pfeiffer, Wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU, sagte der ARD sogar: „Wir müssen einen Kassensturz machen und überlegen, welche Maßnahmen wir uns noch leisten können und welche nicht“. Dazu gehöre neben dem Sozial- und Wirtschaftssektor auch der Bereich Klima.

Klimaschutz droht zum Luxusproblem zu werden

Im Moment gibt es laut Experten zwei Möglichkeiten, wie nach der Corona-Krise die Klimakrise angegangen werden kann. Die erste Möglichkeit wäre die Wirtschaft wieder aufzubauen und dabei vermehrt auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu achten. Ein Neustart quasi. Für den Klimaschutz wäre das die effektivere Möglichkeit, aber je länger die Corona-Krise dauert, desto mehr wird Nachhaltigkeit infrage gestellt werden.

Die zweite Möglichkeit ist der einfachste Weg. Nach der Corona-Krise wird alles wie vorher. Die möglichen Folgen daraus sind die Vernachlässigungen der Klimaziele und die Kürzung der klimarelevanten Budgets. Außerdem werden zusätzliche Abgaben für CO2 schwer durchzusetzen sein und es wird mehr Argumente für billiges Öl geben. Die Kritik am Klimaschutz wird wachsen und schließlich wird das Klima als Luxusproblem an den Rand gedrängt.

Effekte auf die Gesellschaft

Doch nicht nur auf die Wirtschaft wird die Corona-Krise noch lange Einfluss haben. Auch unser Verhalten wird noch lange davon geprägt sein. Und all das, was grade in der Virusbekämpfung helfen soll und gut ist – also Einwegmasken und Einweghandschuhe – ist nicht besonders gut für die Umwelt. Auch das Einpacken von Obst und Gemüse in Plastiktüten ist in Deutschland eigentlich schon als Umweltsünde verschrien gewesen und wird durch Corona jetzt doch wieder salonfähig. Und auch das Auto wird in einer Zeit, in der kaum Busse und Bahnen fahren, wieder wichtiger.

Wie die Corona-Krise die Gesellschaft letztlich verändert und prägt muss sich noch zeigen. Und auch in der Politik müssen noch viele Entscheidungen getroffen werden. Mit Blick auf unser Klima darf jedoch nicht vergessen werden: Wir sind noch nicht aus dem Schneider. Und nur weil Boote in Venedig keinen Staub mehr aufwirbeln, haben wir den Klimawandel noch nicht überstanden.

Beitragsbild: pixabay.com (Photosforyou)

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