Über 12.000 Fälle von gefälschten Impfausweisen – wie kann das sein?

Laut einer dpa-Umfrage haben die deutsche Polizeibehörden weit mehr als 12.000 Fälle von Impfpass-Fälschungen gemeldet. Allein in NRW sind es mehr als 3.500. Trotz hoher Strafen floriert der illegale Handel mit Impfausweisen.

Seit Anfang Dezember gilt im Einzelhandel die 2G-Regel. Ein Geschäft darf man nur betreten, wenn man die goldene Eintrittskarte hat: den gelben Impfausweis. Viele wollen ihn haben, aber nicht alle wollen dafür geimpft werden. Einige Impfverweiger*innen fälschen daher Impfausweise.

Gefälschte Impfausweise: Dunkelziffer ist hoch

Nach Angaben des NRW-Landeskriminalamts (LKA) wurden im Sommer nur vereinzelte Taten bekannt. Allerdings sind die Zahlen im Herbst und Winter deutlich gestiegen. Im September gab es 334 Fälschungsdelikte; der Höhepunkt war im Dezember mit 1.434 Fällen. Im Januar diesen Jahres sind die Fälle wieder rückläufig – zumindest bis jetzt. LKA-Sprecher Udo Rachenbach sagte KURT, dass man noch nicht beurteilen könne, wie sich die Fälschungszahlen weiter entwickeln.

Das sind zudem nur die Fälschungen, die aufgedeckt wurden. Die Polizei in Dortmund geht davon aus, dass die Dunkelziffer „extrem hoch ist“. Voriges Jahr gab es in Dortmund 220 Verfahren wegen Fälschungen. „Viele Fälle werden durch Apotheken bekannt, wo man den Impfausweis für einen QR-Code vorzeigen muss“, sagt Polizeikommissar Joshua Pollmeier. Das passierte erst am Montag (17.01.) in Schwerte: Dort ist eine Frau aus einer Apotheke gestürmt, als ihr vorgelegter Impfpass als gefälscht entlarvt wurde. Sie hat dabei ihren Personalausweis zurückgelassen. Auch wenige Kilometer entfernt in Unna ist ein Mann mit einem gefälschten Impfnachweis geflohen, hat aber Kopien seiner Krankenkassenkarte und seines Personalausweises zurückgelassen.

Vor allem Impfpässe aus Papier werden gefälscht

Die Polizei entdeckt aber auch bei Durchsuchungen gefälschte Blanko-Impfausweise. In Hamburg etwa steht seit Dienstag (18.01.) eine Mitarbeiterin der Universitätsklinik Eppendorf (UKE) im Verdacht, mit einer Komplizin Blanko-Impfpässe verkauft zu haben. Das illegale Geschäft mit den gefälschten Impfausweisen floriert. Betrüger*innen verkaufen das gelbe Heftchen im Internet für bis zu 300 Euro.

Vor allem Papierausweise sind betroffen. Laut dem LKA gibt es zwar Hinweise, dass auch gefälschte QR-Codes verkauft würden, genaue Erkenntnisse fehlen aber noch. LKA-Sprecher Rachenbach geht davon aus, dass die Fälle digitaler Fälschungen „verschwindend gering“ sind.

Welche Konsequenzen drohen, wenn man seinen Impfpass fälscht?
Gemäß §277 und §279 Strafgesetzbuch wird die Fälschung oder falsche Verwendung eines Gesundheitszeugnisses mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bestraft. In schwerwiegenden Fällen, zum Beispiel wenn gewerbsmäßig gefälscht wird, drohen sogar bis zu fünf Jahre Gefängnis.
Foto: Unsplash/Piero Nigro, lizenziert nach CC.

So kann man gefälschte Impfausweise entlarven

Obwohl gefälschte Impfpässe schwierig zu erkennen sind, gibt es einige Hinweise. So kann man prüfen, ob alle Angaben stimmig sind. Wird der Abstand (bei mRNA-Impfstoffen) zwischen den beiden Dosen eingehalten? Sind ein Datum und die Unterschrift eines Arztes oder einer Ärztin vorhanden? Passt das Datum? Denn Hausärztinnen und -ärzte impfen erst seit April 2021.

Außerdem sind die Impfdosenaufkleber mit Chargennummer und einem Wasserzeichnen versehen. Daran kann man kontrollieren, ob Ort und Zeitpunkt der Impfung mit der Chargennummer übereinstimmen.

Daher ist es wichtig, dass Geimpfte keine Fotos von Nachweisen in den sozialen Medien posten. Sonst können Betrüger*innen Echtdaten wie die Chargennummer nutzen.

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Teaser- und Beitragsbild: Pixabay/anglopix, lizenziert nach CC

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