Kommentar: Gelbe Karte für die Handspiel-Regeln

Die Bundesligasaison ist vorbei und was nehmen wir aus der Saison mit? Bayern ist mal wieder Meister und Geisterspiele funktionieren auch. Was nicht funktioniert ist die Regelung zum Handspiel. Aber nicht nur diese Saison, sondern jedes Jahr wieder. Und das nervt, findet KURT-Autorin Anabel. Ein Kommentar.

Samstagnachmittag 15.30 Uhr, ein kühles Bier und Fußball gucken. Egal, ob im Stadion oder eben Zuhause vor dem Fernseher. Ich freue mich immer auf ein spannendes Spiel. Wäre da nicht die Handspielregelung. Fast jeden Spieltag sorgt sie für eine neue Diskussion. Das sorgt wiederum dafür, dass ich so langsam echt den Spaß am Bundesliga gucken verliere. Denn nicht nur die Diskussionen über die Entscheidung nervt mich. Nein, vor allem nervt es mich, dass unterschiedliche Auslegungen der Regel den Spielverlauf oder sogar den Saisonverlauf entscheiden können. Aber um darüber reden zu können sollten wir uns vorher einmal die aktuelle Regel ansehen. Dabei sollte es immer noch an der Situation abhängig gemacht werden, ob es ein strafbares Handspiel ist oder nicht.

Hand ist nicht immer gleich Hand

Klar ist es ein Handspiel, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand spielt. Das ist keine Frage. Auch unabsichtliche Handspiele, wenn daraus eine Torchance oder ein Tor entsteht werden geahndet, selbst wenn der Ball nur an den Arm oder die Hand springt. Zudem liegt ein Vergehen vor, wenn ein Spieler den Ball mit dem Arm oder der Hand berührt, wenn die Körperfläche vergrößert wurde, oder sich der Arm über der Schulterhöhe befindet.

Bestraft wird das Handspiel nicht, wenn der Ball direkt von einem Körperteil auf die eigene Hand oder auf die eines nahestehenden Spielers springt. Auch wenn der Arm oder die Hand nahe am Körper anliegt, oder der Körper dadurch nicht unnatürlich vergrößert wird liegt kein Handspiel vor. Zusätzlich wird nicht auf Handspiel entschieden, wenn ein Spieler fällt und den Arm dabei zum Abfangen des Sturzes nutzt. Dabei darf der Arm aber nicht seitlich oder senkrecht vom Körper weggestreckt werden. Diese Regeln wurden zur Saison 2019/20 neu eingeführt. Trotz alldem hat sich nichts an der ewigen Diskussion geändert. In der kommenden Saison wird es erneut eine kleine Regeländerung geben.

So steht es im Regelwerk des DFBs
Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt. Folgendes ist zu berücksichtigen:

• die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand)

• die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwarteter Ball)

• die Position der Hand (das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen)

Für den Torhüter gelten beim Handspiel außerhalb des Strafraums die gleichen Regeln wie für alle übrigen Spieler. Innerhalb des Strafraums kann der Torwart für kein Handspiel, das mit einem direkten Freistoß oder einer entsprechenden Strafe geahndet wird, bestraft werden, sondern nur für ein Handspiel, das einen indirekten Freistoß zur Folge hat.

Änderungen zur Saison 2020/21
Die Grenze zwischen Schulter und Arm wird als die Höhe des unteren Endes der Achselhöhle definiert.
Ein „versehentliches“ Handspiel eines angreifenden Spielers (oder eines Mitspielers) wird nur dann bestraft, wenn es „unmittelbar“ vor einem Tor oder einer klaren Torchance auftritt.
Ein Torhüter kann eine Gelbe Karte erhalten oder des Feldes verwiesen werden durch eine Rote Karte, wenn er den Ball ein zweites Mal nach einer Spielfortsetzung (z.B. Torschuss, Freistoß usw.) „unrechtmässig“ berührt, auch wenn die Berührung mit der Hand/dem Arm erfolgt.
Jedes Vergehen (nicht nur ein Foul), das „einen vielversprechenden Angriff behindert oder stoppt“, sollte zu einer Gelbe Karte führen.
Ein Spieler, der die vorgeschriebene Distanz von 4 Metern bei einem Schiedsrichterball nicht einhält, erhält eine Gelbe Karte.
Wenn der Schiedsrichter Vorteil laufen lässt oder einen „schnellen“ Freistoß für ein Vergehen zulässt, das „einen vielversprechenden Angriff behindert oder gestoppt“ hat, wird die Gelbe Karte nicht gegeben.

Aber wer soll da überhaupt noch durchblicken

Die ganzen Regeln sind ja schön und gut. Aber wer soll da durchblicken? Denn in vielen Situationen ist es einfach auch Auslegungssache. So kann es sein, dass bei dem einem Spieler ein Handspiel gepfiffen wird und dann bei einem anderen Fußballer eben nicht. Dass der Videoschiedsrichter nicht einschreitet ist zwar richtig, da es sich dabei nicht immer um eine klare Fehlentscheidung handelt. Trotzdem führt es immer wieder zu Diskussionen auf dem Spielfeld, auf den Tribünen, Zuhause auf dem Sofa oder in den sozialen Netzwerken. Und das geht nicht nur mir auf die Nerven, sondern fast jedem Fußball-Fan. Deshalb wird es Zeit, dass sich etwas ändert.

Handspiel gegen den BVB: Emre Can versus Jerome Boateng

So bleiben vor allem zwei Szenen aus der Saison in Erinnerung. So blieb beim Spiel Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München ein Handspiel von Jerome Boateng ungestraft. Er streckte seinen Arm sogar über den Kopf. Der Pfiff vom Schiri fiel nicht. Der Videoassistent schritt auch nicht ein. Einige Tage danach spielte der Borussia Dortmund gegen Paderborn. Hier gab es einen Handelfmeter. BVB-Spieler Emre Can bekam den Ball gegen seinen Ellenbogen, drehte sich dabei sogar noch vom Ball weg.

Der Grund für die verschiedenen Strafen? Ganz klar die Auslegung der Schiedsrichter. Durch solche Entscheidungen können allerdings auch Spiele entschieden werden. Und genau deshalb braucht die Handspielregelung unbedingt ein Update. Denn weder Fans noch Trainer oder Spieler blicken da noch durch. So antwortete BVB-Trainer Lucien Favre auf die Frage, ob er die Regelung noch verstehe mit einem klarem „Nein“.

Auch schon in der Hinrunde hatte der BVB gegen Mainz Ärger mit der Handspielregel. So sagte der Kapitän Marco Reus nach dem Spiel: „Das ist ein Elfmeter. Er (der Schiedsrichter, Anm. d. Red.) sagt mir, dass es kontrolliert wurde. Er sagt: ‘Es war Handspiel, aber ich gebe ihn nicht’. Da habe ich mich schon gewundert. Wenn es Handspiel ist, ist es Handspiel. Ich weiß nicht, was das Theater soll.“ Aber auch bei den Fans sorgte die Regelung immer wieder für Diskussionen, auch in den sozialen Netzwerken.

 

Interpretationsspielraum gehört dazu

Jetzt könnte gesagt werden, dass eine einheitliche Auslegung für die Handspielregelung den Geist des Fußballs verstören würde. Damit hat er dann auch in gewisser Weise recht, denn zum Sport gehört nun mal auch, dass der ganze Körper bewegt wird. So nimmt derjenige, der hochspringt seine Arme mit, um Schwung zu holen. Und niemand, wirklich niemand hält beim Laufen die Arme auf dem Rücken, das ist eher die unnatürliche Haltung. Fußballer sind schließlich auch nur Menschen und keine Tipp-Kick-Figuren.

Dennoch sollte eine Lösung gefunden werden, wie die Handspielregelung fairer werden kann. Dabei geht es mir vor allem darum, dass solche Entscheidungen auch Spielentscheidend sein können. Denn nicht nur Tore gehören zum Fußball. Nein, auch Fairness.

Es kann nicht allen recht gemacht werden

Mir ist es bewusst, dass es bei der Regelung für Handspiele immer wieder neue Diskussionen aufkommen werden. Ich plädiere auch nicht für eine Regelung, dass jedes Handspiel bestraft werden sollte. Das würde einfach nicht zum Fußball passen. Ich bin dafür, dass die Handregeln neu definiert werden. Wann ist es Hand, wann nicht. Und ich bin der Meinung, dass ein Handspiel bestraft wird, wenn die Arme über dem Kopf sind und dann könnte auch der Videoschiedsrichter eingreifen. Denn für mich ist das eine klare Fehlentscheidung. Wie viel die neue Regelung zur kommenden Saison zu einer fairen Regelung beitragen wird, wird sich nächste Saison zeigen. Ich glaube dies allerdings nicht. Dafür müsste erst einmal das gesamte Konzept überarbeitet werden.

Beitragsbild: Feo con Ganas/Unsplash

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