Lockdown statt feiern: Wie Karnevalsfans unter Corona leiden

Karneval muss dieses Jahr wegen Corona ausfallen.

Volle Straßen, schunkelnde Menschen, Bützchen: All das gehört eigentlich zum traditionellen Karnevalsauftakt am 11.11. Dieses Jahr ist aber wegen Corona alles anders. Wie Karnevalfans darunter leiden – und trotzdem versuchen, das Beste daraus zu machen.

Eigentlich würde Vivian Kehr, 23, jetzt auf der Bühne stehen. Jede Session tanzt sie in der Karnevalsgesellschaft Ahl Häre vor großem Publikum. Dieses Jahr kann sie ihrer Leidenschaft nicht nachgehen.

Eigentlich tanzt Vivians Truppe an Karneval auf der Bühne. Foto: Nadine Birke/ KG Ahl Häre.

Auch das Feiern mit den Freund*innen fällt flach. Stattdessen ist die Lehramtsstudentin heute in der Schule und betreut dort Kinder bei einer Projektwoche.

Striktes Alkoholverbot in Köln

Das frustriert die Kölnerin. “Man hat umsonst trainiert, weil einfach keine Auftritte stattfinden. Die Stimmung im Verein ist nicht schlecht, aber durchaus bedrückt. Es ist einfach ein anderes Gefühl als normalerweise”, sagt sie. Bis zuletzt hatten die Tänzer*innen geprobt und sich auf ihre Auftritte vorbereitet. Doch dann kam der erneute Lockdown. Vivian hofft noch immer, zumindest einen Teil ihrer Tanzauftritte doch noch absolvieren zu können. “Ich bin optimistisch und hoffe nicht, dass die gesamte Session ausfällt. Klar ist aber in jedem Fall, dass es anders wird als sonst.”

Anders ist es überall in Köln. Die Domstadt gilt vielen als die Karnevalshochburg überhaupt. Doch dieses Jahr liegen alle Aktivitäten auf Eis. Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte im Vorfeld bereits eine klaren Appell an die Bürger*innen: “Wir alle müssen auf das Feiern am 11.11. verzichten. Wir wollen weiter als Hochburg der Jecken gelten – und nicht als Hochburg der Infektionen.” Das bedeutet, dass es auch kein Bühnenprogramm gibt. Der Heumarkt, an dem sonst alles voll ist, bleibt komplett leer. In der gesamten Innenstadt gilt zudem ein striktes Alkoholverbot, damit sollen Ansammlungen von mehreren Menschen vermieden werden.

“Karneval beginnt im Herzen”

In Düsseldorf sieht es ganz ähnlich aus, dort findet dieses Jahr alles nur digital statt. Der Karnevalsauftakt, das sogenannte Hoppeditz-Erwachen, wurde per Livestream übertragen. Dafür richtete das Comitee Düsseldorfer Carneval eine eigene Internetseite ein, um die Eröffnung zu zeigen. Der Päsident des Bunds Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess, begrüßt das Online-Angebot. “Oberstes Gebot der Stunde ist es jetzt, nicht zu feiern, nicht rauszugehen, zuhause zu bleiben. Wichtig ist ja, dass Karneval, dass Fasching im Herzen beginnt”, erklärt Fess im Interview mit WDR5.

Für viele Karnevalist*innen ist die Situation nur schwer zu ertragen. Monika Rodenkirch trainiert seit mehr als 20 Jahren die Tanzmäuse der Bürgergarde blau-gold in Köln. Sie fühlt vor allem mit ihren Nachwuchstänzer*innen mit. “Die Kinder tun mir leid. Es gibt keine Veranstaltungen, wo man hingehen könnte”, sagt sie. 32 Kinder betreut Rodenkirch, aber bereits seit Sommer wird aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht mehr trainiert. “Auf der Bühne stehen immer mindestens 30 Leute, da ist Kontakt unausweichlich”, so die Trainerin.

“Nächstes Jahr feiern wir so heftig”

Normalerweise wäre die 56-Jährige am 11.11. mit ihren Tanzmäusen aufgetreten und hätte gefeiert. Nun verbringt die Tanzleiterin den Tag zu Hause mit ihrer Familie. Rodenkrich hofft auf baldige Besserung, denn vielen Karnevalsgesellschaften geht es finanziell nicht gut. “Hinter dem Karneval steckt ein riesiger Wirtschaftsfaktor, da geht sehr viel Geld verloren. Hoffentlich endet alles bald und dann feiern wir nächstes Jahr dafür umso mehr. Dann feiern wir so heftig, da ist Köln zu klein”, so Rodenkirch. Das wünschen sich wohl Jeck*innen in ganz Deutschland.

Teaser- und Beitragsbild (Archiv): flickr.com/Marco Verch, lizenziert nach CC.

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