Deutschland ist so unglücklich wie noch nie – Aber: Was ist Glück überhaupt?

Deutsche waren im Jahr 2021 so unglücklich wie lange nicht mehr. Das zeigt der “Glücksatlas”, den die Deutsche Post jährlich veröffentlicht. Die Ergebnisse stehen im direkten Zusammenhang mit den Corona-Einschränkungen. Aber: Was ist Glück eigentlich, und wie werden wir glücklicher?

Der Glücksatlas wird seit 10 Jahren veröffentlicht. Die Teilnehmer*innen sollten ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen. 2021 lag der durchschnittliche Wert bei 6,58. Damit geht es den Deutschen dieses Jahr leicht schlechter als 2020. Die Befragung erfasst die Zeit zwischen Januar und Juni. Es ist also das Empfinden im Lockdown abgebildet, aber auch Zeiten, in denen Kontaktbeschränkungen aufgehoben wurden, und das soziale Leben langsam wieder losging. Der Psychologe Joachim Schmidt führt Beratungen und Coachings mit Methoden der “positiven Psychologie” durch. Er sagt:

“Die Corona – Pandemie wirkt wie ein Katalysator der menschlichen Probleme. Viele Menschen haben Zeit zum Nachdenken, Grübeln und drehen sich im Kreis und andere kommen in Berührung mit Ängsten, die sie bis dato noch nicht kannten”

Das können finanzielle Ängste sein, die durch den Verlust des Arbeitsplatzes entstehen, oder eben die Ansteckung mit Corona. Viele haben auch Angst um ihre Familie oder Freunde. Auch wenn wir zurzeit keinen Lockdown haben, verschwinden diese Sorgen nicht sofort. Im Hinterkopf bleiben die Gedanken bestehen. Besonders junge Menschen sind durch die Pandemie unglücklicher geworden. Typischerweise erreichen Menschen ab 20 ein maximales Glücksgefühl. Man fühlt sich frei von den Eltern und es scheint auf einmal unendlich viele Möglichkeiten zu geben. Durch Corona wurde diese Autonomie extrem gedämpft.

Hoffnung für die Zeit nach Corona

Trotz des historischen Tiefs gibt es einen großen Lichtblick: Die Impfkampagne gibt vielen Menschen Hoffnung. Endlich scheint es irgendeinen Ausweg aus der Pandemie zu geben. Je mehr Menschen sich impfen lassen und je mehr Lockerungen es gibt, desto zufriedener wurden die Befragten. Zudem macht die Impfung an sich glücklich. Geimpfte sind im Schnitt um 1,1 Punkte glücklicher als Impfunwillige. 

Seit Mai steigt die Zufriedenheit wieder an. Zwar gibt es noch deutliche Unterschiede zu den Zeiten vor Corona, laut dem Psychologen Joachim Schmidt spricht aber einiges dafür, dass wir nach der Pandemie wieder so glücklich werden wie zuvor.

Prof. Dr. Hans-Peter Erb von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg forscht zum Thema Sozialpsychologie. Er glaubt, dass sich kurz nachdem die Pandemie wirklich vorbei ist, bei vielen ein euphorisches Gefühl einstellen wird. Dieses wird aber schnell wieder verfliegen. “Das ist so ähnlich, wie wenn man zum Beispiel eine Gehaltserhöhung bekommt, für 3 Wochen ist man extrem glücklich, danach setzt schnell ein Gewöhnungseffekt ein.”

Was ist Glück überhaupt?

Verschiedene Menschen verstehen unter dem Begriff natürlich unterschiedliche Dinge. Trotzdem kann untersucht werden, was die meisten von uns brauchen, um zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Hier lassen sich 7 verschiedene Faktoren festhalten.

Glücksempfinden ist aber natürlich trotzdem höchst individuell. Livia, die Sonderpädagogik an der TU Dortmund studiert, sagt:

“Für mich bedeutet Glück, dass ich gerne ich selbst bin, und mit mir selbst zufrieden bin! “

Für andere kann das Gefühl aber auch sehr pragmatisch sein, so wie für den Grundschullehramtsstudenten Tobias:

“Was mich glücklich macht? Meine Freundin, mein Fußballverein und meine Gesundheit.”

Schleswig-Holsteiner sind am glücklichsten

Der Glücksatlas wird seit 1984 herausgegeben. Seit Jahren sind die Menschen aus Schleswig-Holstein dabei die glücklichsten aus ganz Deutschland. Daran kann auch Corona nichts ändern. Laut dem Psychologen Schmidt setzt sich unser Glücksempfinden an verschiedenen Elementen fest. Zu etwa 40 Prozent hängt das von individuellen Faktoren ab, zu 10 Prozent von unseren Lebensumständen. Zu ganzen 50 Prozent hängt unser Glück aber von unserer Veranlagung, also unseren Genen ab! Es könnte also tatsächlich sein, dass Schleswig-Holsteiner ihr Glücksgefühl schlichtweg vererbt bekommen haben!

Nordrheinwestfalen gehörte vor der Pandemie noch zu den unzufriedeneren Bundesländern. Mittlerweile hat sich das Bundesland auf den sechsten Rang im Ländervergleich vorgearbeitet. Unter anderem könnte das mit der überdurchschnittlich hohen Impfquote in NRW zusammenhängen.

Wie werden wir glücklicher?

Tatsächlich kann man sich Routinen angewöhnen, bei der die Glücksforschung häufig festgestellt hat, dass sie wirklich was bringen. Dazu gehört unter anderem die Bewegung an der frischen Luft, oder das Pflegen von Freundschaften. Dabei geht es auch insbesondere um Freundschaften, bei denen man einen tieferen Austausch pflegt. Hier geht es also eher um Qualität, statt um Quantität.

Prof. Dr. Erb stellt zudem fest:

“Wir können Glück auch verschenken. Zum Beispiel in dem wir mit Anderen Geduld haben, oder durch kleine Freundlichkeiten.”

Als Beispiel nennt er die typische Situation auf dem Parkplatz, wenn das Auto vor einem Mal wieder gefühlt ewig braucht, um einzuparken. Das sollte man mit Gelassenheit nehmen. Wer wild hupt, stresst zum einen den Vordermann und macht sich wahrscheinlich dabei auch selbst unglücklicher.

Beitragsbild: AbsolutVision/pixabay

Grafik: Charlotte Rothe

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