Welttoilettentag: Wenn der Gang zum stillen Örtchen zum Problem wird

Jeder von uns muss mal, aber nicht viele sprechen darüber. Unser Gang zur Toilette ist und bleibt häufig ein absolutes Tabu. Der Welttoilettentag der Vereinten Nationen (UN) macht deutlich, warum es wichtig ist diese Barriere zu durchbrechen. 

Im Juli 2013 wurde der 19. November von den UN zum Welttoilettentag erklärt. An diesem Tag soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass weltweit rund 60 Prozent der Menschen keinen Zugang zu ausreichenden Sanitäranlagen haben und was dies für Hygiene und Gesundheit bedeutet.

Zahlen zum sanitären Notstand
Weltweit sterben laut World Toilet Organization jährlich 297.000 Kindern unter 5 Jahren aufgrund unzureichender Sanitäranlagen an Durchfall. Rund 2 Milliarden Menschen trinken kontaminiertes Wasser. Ein weiteres Problem ist die Unsicherheit für Frauen. In Indien werden Frauen, die sich im Freien erleichtern, doppelt so häufig Opfer sexualisierter Gewalt, wie Frauen mit Toilette im eigenen Haushalt.

Die Zahlen, die die World Toilet Organization zu unzureichenden Sanitäranlagen veröffentlicht, zeigen wie wichtig das Thema ist. Bei der Suche nach sanitären Missständen, muss man allerdings gar nicht so weit über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Denn auch in Deutschland gibt es bei der Versorgung von öffentlichen Toiletten Handlungsbedarf.

Daisy ist 28 Jahre alt und lebt bei Freudenstadt im Schwarzwald. Seit 2012 sitzt sie im Rollstuhl. Der Grund ist eine Autoimmunerkrankung, durch die sich ihre Nerven an der Wirbelsäule entzündet haben. Unterwegs eine barrierefreie Toilette zu finden, kann für Daisy schon mal zur Challenge werden. “Meistens gibt es gar keine öffentlichen Behindertentoiletten oder sie sind in so einem Zustand, dass man auch nicht als gesunder Mensch auf diese Toilette gehen möchte”, erzählt sie.

 

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Für Menschen mit einer Behinderung ist der Zugang zu geeigneten und sauberen Sanitäranlagen oft problematisch. Für Daisy, die seit ihrer Erkrankung einen Bauchdeckenkatheter trägt – also einen Beutel, durch den sie ihre Blase entleert – ist das besonders problematisch. Sie erzählt, dass man als Rollstuhlfahrer besonders schnell einen Infekt bekommen kann. Auch weil sich einige ihren Katheter selbst einführen. “Deswegen sind wir darauf angewiesen, dass die Toiletten einen gewissen hygienischen Standard haben”, erklärt sie. Das ist aber häufig nicht der Fall.

Ebenfalls problematisch ist, dass die Einrichtungen oft nicht barrierefrei und zu eng sind. Mit dem Rollstuhl in die Toilette zu gelangen und anschließend wieder zu wenden, kann für Daisy schon mal zum Problem werden. Auch die Hilfegriffe fehlen oft.

Svenja Ksoll, von der German Toilet Organization weiß um all diese Schwierigkeiten:

“Der Zugang zu einer hygienischen Sanitärversorgung ist ein sehr intimes und wichtiges Thema und bräuchte viel mehr Aufmerksamkeit.”

In dem Bereich passiert zwar schon einiges, so können zum Beispiel Betroffene über die Webseite Wheelmap nach barrierefreien Toiletten in ihrer Umgebung suchen,  aber laut Ksoll ist das noch viel zu wenig. Vor allem kritisiert sie, dass es in Deutschland nicht einmal eine Norm für die Gestaltung von Behindertentoiletten für Kinder gibt. Das führt dazu, dass in Kitas Behindertentoiletten für Erwachsene bereitgestellt werden – für Ksoll ein untragbarer Zustand.

Es braucht ein anderes Bewusstsein bei politischen Entscheidungsträgern

Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderung. Dieses Gesetz soll Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Deshalb müssen laut Ksoll gerade bei diesem Thema Betroffene mehr Gehör finden.

Daisy lässt sich von der Situation nicht unterkriegen: “Auch wenn die sanitäre Versorgung mangelhaft ist – seit ich im Rollstuhl sitze, habe ich gelernt damit umzugehen. Irgendeine Lösung gibt es immer.”

Teaser- und Beitragsbild: https://pxhere.com/de/photo/920826, lizensiert nach CC.

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