Der DFB sollte an die Heim-EM 2024 denken!

Wieder in den Schlagzeilen: Nach einem Nazi-Vergleich vom DFB-Präsidenten Fritz Keller fordern Regional- und Landesverbände Kellers Rücktritt. Die Top-Funktionäre des größten Sportverbandes der Welt streiten sich und vergessen dabei vollkommen die sieben Millionen Verbandsmitglieder und das Image, das durch die Streiterein Schaden nimmt. Scheinbar alles gelangt an die Öffentlichkeit. Das muss aufhören, gerade mit Blick auf die Heim-EM 2024. Ein Kommentar.

Nazi-Beschimpfung, Machtkämpfe und das verlorene Vertrauen der Regional- und Landesverbände – die Skandale der vergangenen Woche beim DFB reichen eigentlich für fünf Jahre! Natürlich kommt es in einem Verband zu Streitereien und das sollte es auch. Es ist aber unprofessionell, dass beim DFB alles an die Öffentlichkeit gelangt und die Außendarstellung den Verantwortlichen ziemlich egal zu sein scheint.

Auf Anfrage des Magazins “Der Spiegel” äußerte sich Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, zu Gerüchten, dass die DFL den DFB strukturell zerschlagen wolle. In einem Brief fordert er “strukuturelle und personelle Reformen”. Er kann das fordern, denn: Die DFL macht deutlich weniger Schlagzeilen und hat in der Corona-Krise durch erfolgreiche Hygienekonzepte ihre Funktionalität unter Beweis gestellt. DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch antwortete und schon wieder ist ein neuer Streit in der Öffentlichkeit entbrannt.

Nazi-Vergleich und Rücktrittsforderungen

Auslöser für die neuen Schlagzeilen war eine DFB-Präsidiumssitzung am 23. April 2021. Dort soll Präsident Fritz Keller seinen Vize-Präsidenten Dr. Rainer Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen haben. Daraufhin forderten die Landes- und Regionalverbände des DFB ihren Präsidenten zum Rücktritt auf. Zurückgetreten ist er noch nicht. Es ist allerdings unmöglich, den größten Sportverband der Welt ohne Unterstützung des Unterbaus zu führen.

Die Affäre um den Nazi-Vergleich zieht sich schon seit fast zwei Wochen hin. Erstellt mit canva.

Noch vor der EM will das DFB-Sportgericht über den Nazi-Vergleich urteilen. Ein Rücktritt des Präsidenten Keller gilt als wahrscheinlich und würde die aktuellen Diskussionen beenden. Grundlegend wird sich aber wenig ändern.

Denn nach einem Rücktritt Kellers kann der DFB sich nur auf einer Positon neu aufstellen. Die verstrickten Machtkämpfe lassen sich mit einem einzigen Rücktritt jedoch nicht lösen. Es braucht schon mehr neues Personal. Sinnvoll wäre es, “unverbrauchtes Personal”, das in keinerlei Machtkämpfe verwickelt ist, einzustellen.

Verheerende Außendarstellung

Der Nazi-Vergleich rückt anhand des öffentlichen Streits zwischen Seifert und Koch aber fast schon wieder in den Hintergrund. Unfassbar, dass diese Entgleisung sofort von einem anderen Streit übertroffen wurde.

Auch die Fußballnationalmannschaft verbessert das Bild des DFB momentan nicht. Die Fans ärgern sich über fehlende Fannähe und den Slogan “Die Mannschaft”,  der sinnbildlich für die Kommerzialsierung steht. Zusätzlich stimmten die sportlichen Leistungen im letzten Jahr nicht. Es stellt sich die Frage: Wann hat man das letzte Mal Gutes vom DFB gehört?

Der DFB ist der größte Sportfachverband der Welt, hat sieben Millionen Mitglieder und sollte eigentlich, gerade in Corona-Zeiten, darauf achten, seine Mitglieder nicht noch mehr zu verärgern.

Die Heim-EM 2024 als Chance

In knapp sechs Wochen startet die EM und wird von den Problemen des DFB für eine gewisse Zeit ablenken. Das kann dem DFB nur Recht sein. Doch dies hilft nur kurzfristig und der Blick sollte weiter in die Zukunft gehen: 2024 steht eine Heim-EM an. In drei Jahren ist ein Image-Wechsel möglich.

Deshalb gibt es nur eine Lösung, um den größten Sportverband der Welt auf die richtige Bahn zu bringen: Der DFB muss sich jetzt personell neu aufstellen, um die Außendarstellung bis zur Heim-EM 2024 halbwegs geradezurücken!

Teaser- und Beitragsbild: Chivista via wikipedia

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