Die „Must-Read“-Bücherliste für den Herbst

Die Frankfurter Buchmesse öffnet am Mittwoch wieder ihre Türen. Die größte Buchmesse der Welt findet jedes Jahr im Oktober statt und stellt die neusten Erscheinungen und ihre Autor*innen vor. Romane, Thriller, Krimis oder auch Fachbücher sind mit dabei. Auch wir haben drei besondere Tipps für euch, was noch in eurem Bücherregal fehlt.

Ruhig ist es, es riecht nach Papier. Die Regale sind voller Bücher: neue, alte, bunte, dicke und dünne. Auch auf den Tischen liegen einige Exemplare. Einladend und gemütlich wirkt die kleine Buchhandlung von Ulrich Rieder. „Anton Reiser“ heißt der Laden im Dortmunder Klinikviertel. Hier wohnen auch viele Studierende, die ihre Bücher dort bestellen. Rieder sieht eine positive Entwicklung: „Viele junge Leute lesen noch, besonders seit der Coronapandemie hat sich ein stärkeres Bewusstsein fürs Lesen entwickelt.“ Das Buch stirbt als beliebtes Medium also nicht so schnell aus. Er freut sich über die Kundschaft zwischen 20 und 30 Jahren und hofft, dass auch weiterhin Jugendliche und Studierende in seinen Laden kommen.

Gesellschaftskritisch, mit französischem Humor

In Rieders Buchhandlung ist ein Buch besonders beliebt: „Das Leben des Vernon Subutex“ von Virginie Despentes. Der Roman spielt in Frankreich, die Hauptfigur Subutex muss seinen Plattenladen aufgeben und steht pleite auf der Straße. Er quartiert sich mit Notlügen bei alten Facebookfreunden ein. Gesellschaftskritisch, mit viel französischem Humor begleitet man Subutex durch sein zusammenfallendes Leben und begegnet auf seiner Suche nach Schlafplätzen vielen verschiedenen Charakteren.

Foto: KURT

Rieder ist es wichtig, zum Lesen zu begeistern, eben auch für Kritik und anspruchsvollere Bücher. Auch die Lieblingsbücher von Johanna Paul und Sophie Godelmann behandeln ernstere Themen. Sie sind beide Studentinnen an der TU Dortmund und lesen in der Freizeit gerne Bücher mit Hintergrund.

Tabuthemen wie Krankheit und Tod in Romanen

Wie wird man unsterblich, wenn man mit einer unheilbaren Krankheit lebt? Das fragt sich der 11-jährige Sam, der an Leukämie erkrankt ist. Der Roman „Ways to Live Forever“ von Sally Nicholls beschreibt seinen Kampf mit der Krankheit. Sam ist sich über seinen gesundheitlichen Zustand bewusst, stellt sich viele Fragen, auch über den Tod und versucht die Zeit zu nutzen, die er noch hat.

Johanna Paul studiert Angewandte Sprachwissenschaften und war begeistert von dem Buch: „Es ist berührend, wie die Autorin Sams Situation beschreibt, wie seine Eltern mit darunter leiden und Einblicke in die Krankheit gibt. Krankheiten bei Kindern werden häufig romantisiert, man versucht ihnen den letzten Wunsch zu erfüllen.“

Sam erstellt eine Liste mit Wünschen, die er noch erfüllen möchte, bevor er stirbt: Er möchte unter anderem ins Weltall reisen, einen Horrorfilm sehen und ein Forscher werden. Sein bester Freund Felix ist ebenfalls krank und hilft ihm die Wünsche zu erfüllen. Mit einem Happy End kann das Buch nicht dienen, weder Sam noch Felix gewinnen den Kampf gegen ihre Krankheit. Johanna findet das Ende gut gewählt: „Tod ist nicht gerade ein leichtes Thema, trotzdem ist es wichtig, auch so etwas in Jugendromanen zu thematisieren. Mir gefällt, wie man mit Sam mitfühlt. Auch wie er leidet und letztendlich nach dem Tod von seinem Freund Felix stirbt.“

Foto: KURT

Stephen Kings Einsteigerbuch

„Sie laufen, bis sie sterben. Stephen King zeigt aber auch, wie wichtig Freundschaft ist.“ So beschreibt Sophie Godelmann „Todesmarsch“ von Stephen King. Der Roman spielt in einer dystopischen Welt. Bei einem Marsch müssen hundert Jugendliche teilnehmen und laufen – wer dreimal stehen bleibt, wird erschossen. Der Protagonist Garraty beschreibt den Marsch, gibt Einblicke in seine Gedanken und lässt die Leser*innen so mitfühlen und erleben. Tatsächlich passiert in dem Buch nicht besonders viel außer dem Marsch, der 330 Seiten lang geht. Dabei lernt Garraty neue Freunde kennen und ist sich am Anfang noch nicht bewusst, dass der Marsch für ihn und seine Freunde wahrscheinlich tödlich endet.

„Als Leser fiebert man gespannt mit, ob Garraty überlebt oder nicht. Das Ende ist offen gehalten und wirft viele Fragen auf, die das Buch lange im Gedächtnis bleiben lassen.“ Sophie empfiehlt „Todesmarsch“ als Einsteigerbuch für Steven King. Freundschaft und Zusammenhalt stehen im Fokus. Stephen King zeigt mit dem Buch, dass er mehr als nur Horror kann.

Große, nachwachsende Leserschaft

Buchhändler Ulrich Rieder beobachtet einen „ansteigenden Nachwuchs an gesellschaftskritischen Lesern“. Ihm ist es wichtig, zum Lesen anzuregen und auch Bücher mit schwierigen Themen näherzubringen. Bücher sind weiterhin im Trend, trotz Netflix, Amazon Prime und Co. Ob Studierende in ihrer Freizeit auch kritische und anspruchsvollere Themen lesen, sei ihnen selbst überlassen, so Rieder.

Beitragsbild: Artem Beliaikin/Pexels

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