Klimaneutral bis 2030: Wie nachhaltig ist die Formel 1?

Was für ein Saisonfinale: Seit Sonntag steht mit Max Verstappen der neue Formel-1-Weltmeister fest. Das atemberaubende Rennen, in dem sich der Niederländer Verstappen erst in der letzten Runde durch ein Überholmanöver gegen seinen direkten Konkurrenten Lewis Hamilton aus Großbritannien den Titel sichern konnte, ging in die Geschichte dieses Sports ein.

Insgesamt fuhren die 21 Fahrer (Robert Kubica ersetzte Kimi Raikkönen in zwei Rennen bei Alfa Romeo) auf vier Kontinenten, in 20 Ländern (je zwei Rennen in Österreich und Italien), 1.092 Runden und über 6.400 Kilometer. Das bedeutet allerdings auch einen immensen Ausstoß an CO2 und anderen Schadstoffen. Ist die Formel 1 überhaupt nachhaltig und ökologisch vertretbar?

2019 hat die Formel 1 ein Nachhaltigkeits-Konzept ausgearbeitet, dass den Sport bis 2030 klimaneutral machen soll. Dazu haben sie auch Daten über den CO2-Verbrauch geliefert. In einer Saison stößt die Formel 1 über 250.000 Tonnen CO2 aus. Die Rennen machen dabei nicht einmal ein Prozent der gesamten Emissionen aus.

Sandra Kauffmann-Weiss vom Karlsruher Institut für Technik sagt: „Natürlich ist das schockierend, aber überrascht bin ich wegen der Zahlen nicht.“ Sie sieht die Baustelle aber nicht nur in der Mobilität, sondern auch in der Entwicklung, Produktion und Herstellung. „Es bringt nichts, wenn man mit einem Elektromotor fährt, aber die Produktion der Batterie nicht nachhaltig ist.“

Die Logistik macht den Hauptteil der Emissionen aus. Grafik: Canva.com.

Für Kauffmann-Weiss ist Klimaneutralität dabei nicht nur den CO2-Ausstoß zu kompensieren, sondern den ganzen Prozess mit zu beachten. „Wir müssen schauen, wie die Herstellung, Verwendung und Entwicklung von Materialien vonstattengeht und auch das Recycling beachten. Die Formel 1 hat da eine Vorreiterrolle.“

Laut Nachhaltigkeitsbericht der Formel 1 gehen 45 Prozent der entstehenden Emissionen von der Logistik aus, 27,7 Prozent von den Reisen der Angestellten. Um das zu verringern, strebt die Rennserie an, die Logistik- und Reiseprozesse zu optimieren. Das soll durch die Optimierung von Prozessen und Kapazitäten erfolgen. Weiter ins Detail geht die F1 dazu nicht. Zudem soll das CO2-sparendste Transportmittel genutzt werden, welches das allerdings ist und wie das umgesetzt werden soll geht aus dem Bericht nicht hervor.

Kritik an der Kampagne

Auch Kritik geht an der Kampagne nicht vorbei. Kauffmann-Weiss sieht die Problematik, dass „man nicht nur Imagekampagnen machen sollte, sondern sie auch leben soll und die Leute fördert. An eine solche Kampagne sollte man Voraussetzungen knüpfen und Maßnahmen vorgeben, an die sich zu halten sind.“ Mit der Meinung steht sie nicht alleine. Auch aus dem Netz kommt Kritik.

Vor allem die Tatsache, dass in Ländern wie Katar, Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder auch Ungarn gefahren wird, kratzt an der Glaubwürdigkeit der Kampagne, denn zu Nachhaltigkeit zählt nicht nur das Ökologische, sondern auch das Soziale und das ist in diese Ländern umstritten.

Eher sind es einzelne Fahrer, die bei den Rennen in diesen Ländern auf die Missstände aufmerksam machten. So trug Sebastian Vettel beispielsweise in Ungarn sowohl Schuhe als auch Helm im Regenbogen-Design, um ein Zeichen gegen das ungarische Gesetz zu setzen, dass die Aufklärung zur Homosexualität an Schulen verbietet.

Die Formel 1 verbreitet währenddessen fleißig weiter Imagevideos, um die Emissionen zu reduzieren.

Um den CO2-Ausstoß weiter zu verringern, sollen alle Arbeitsplätze zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Das betrifft somit alle Einrichtungen und Fabriken der Teams, aber auch die Veranstaltungsorte. An letztere ist noch eine weitere Bedingung geknüpft: Das gesamte Wohlbefinden muss verbessert werden. Dazu zählt neben einer verbesserten Biodiversität auch eine bessere Luftqualität rund um die Veranstaltung sowie ein gesünderes Angebot an Speisen. Konkrete Maßnahmen dafür gehen aus dem Bericht nicht hervor.

Als weiterer Punkt sollen die Rennsportfans die Möglichkeit bekommen, mit deutlich weniger Emissionen zu den Strecken zu gelangen. Sandra Kauffmann-Weiss hat dafür einen logischen Ansatz: „Wenn man die Rennen auf zwei oder drei Kontinente und zusammenhängende Bereiche beschränkt, dann kann man viele Emissionen einsparen. Dann hat jeder eine bessere Möglichkeit mit dem Zug anzureisen. Das gilt nicht nur für die Fans, sondern auch für die Logistik. Die ganzen Container, die auf den Lkws geladen sind, passen auch problemlos auf Züge.“ Aber auch sie weiß, dass das immer ein Duell von Erreichbarkeit versus Marketing ist und vermutlich schwer umzusetzen ist.

Innovationen abseits der Rennstrecke

Das traditionsreiche Formel-1-Team Williams zeigt auch neben der Rennstrecke, wie nicht nur im Motorsport durch Formel-1-Technik Emissionen gespart werden können. Gemeinsam mit einer Supermarkt-Kette entwickelte das Team ein Kühlsystem für die Kühlregale in den Filialen, womit sich der Stromverbrauch um 40 Prozent reduziert. Das erklärte Teamchef Jost Capito in einer Ausgabe des Podcasts „Backstage Boxengasse“ von Sky.

Sandra Kauffmann-Weiss erkennt weitere Chancen für Innovationen. „Entwicklungen sind sehr gut übertragbar. Die Entwicklung von neuen Technologien sollte flexibel sein, damit für alle Seiten ein Mehrwert gewonnen wird“, sagt sie. Das Team Williams hat seine internen Ziele übrigens noch höher gesteckt als von der Formel 1 vorgegeben. Sie wollen bis zum Jahr 2030 nicht nur klimaneutral, sondern klimapositiv sein.

Beitragsbild: Foto von José Pablo Domínguez via Unsplash.

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