Schwaches Weihnachtsgeschäft für Dortmunder Einzelhandel

Die Corona-Variante Omikron breitet sich in Deutschland immer weiter aus und die Menschen sind verunsichert – das Weihnachtsgeschäft ist in diesem Jahr deutschlandweit ernüchternd. Auch in Dortmund leidet der Einzelhandel vor allem im Dezember unter Corona.

Die Zwischenbilanz sieht nicht gut aus – Umsätze und Kund*innenfrequenzen befinden sich deutlich hinter den Zahlen aus dem Vorkrisenjahr 2019. Aufgrund der 2G-Regel im Einzelhandel fehlen einem Großteil der Einzelhändler*innen die nötigen Umsätze. Viele von ihnen sind von einer künftigen Existenznot überzeugt, wenn die 2G-Regel weiterhin bestehen bleibt. „Der Handel hat mehrere Lockdowns hinter sich. Im Zuge der Schließungen haben viele Händler*innen die Höchstgrenze bereits ausgeschöpft“, betont Stefan Genth, Geschäftsführer vom Handelsverband Deutschland (HDE).

Viele Menschen fühlen sich durch die Corona-App sicherer in den Innenstädten. Bild: Mika Baumeister via Unsplash.

Viele Bürger*innen haben Bedenken, sich mit dem Virus zu infizieren und meiden Menschenansammlungen wie in der Innenstadt. Dadurch war das Stadtzentrum im Dezember verhältnismäßig  leer, da viele sich schon im November auf die Suche nach Geschenken für ihre Liebsten gemacht haben.

Der Geschäftsführer des HDE sieht das diesjährige Weihnachtsgeschäft als große Enttäuschung für Händler*innen. Besonders dramatisch sei die Lage im Bekleidungshandel. Von Woche zu Woche habe sich die angespannte Situation im Einzelhandel verschärft. Aktuell weiß keiner, wie lange die Maßnahmen noch bestehen bleiben werden und ob es gegebenenfalls zu einer Verschärfung kommen sollte.

2G-Regel beim Einkaufen überflüssig?

Die 2G-Regel, welche aktuell im Einzelhandel deutschlandweit besteht, wird von einem Großteil der Einzelhändler*innen als überflüssig angesehen. Der Handelsverband Deutschland sieht diese Maßnahme nicht als wirksam zur Pandemiebekämpfung an. Seiner Meinung nach sorgen Hygienekonzepte, ausreichend Abstand sowie Masken für genug Sicherheit.

Dadurch muss es laut Einzelhandelsverband schnelle Erleichterungen für die Händler*innen geben. Die Kund*innen würden durch die Maßnahmen lieber auf Onlinebestellungen zurückgreifen. Zudem ist der Personaleinsatz für die 2G-Kontrollen extrem hoch. Damit nicht jede*r Kund*in an jeder Ladentür erneut kontrolliert werden müsse, wäre eine deutschlandweite Einführung von Bändchen eine gute Möglichkeit. So muss der*die Kund*in nur einmal seinen Impfstatus nachweisen. Diese Regelung wurde in Dortmund bereits erfolgreich umgesetzt, was das Einkaufserlebnis für die Besucher*innen sowie die Einzelhändler*innen vereinfacht.

Handel in Dortmunder Innenstadt hat die vergangenen Wochen stark gelitten

Das gesamte Jahr mussten viele inhabergeführte Betriebe auf Rücklagen zurückgreifen. 74 Prozent der Händler*innen in Dortmund geben an, dass sie 2021 ein Null- oder Negativwachstum hatten. Über 20 Prozent befürchten ein Minus von mehr als 30 Prozent. „Ursachen für die Schwierigkeiten sind Zwangsschließungen am Anfang des Jahres, die inzidenzabhängigen Schließungen im Sommer, das Fernbleiben von Touristen, Zugangsbeschränkungen wie X Kunden pro Quadratmeter und aktuell der auferlegte Ausschluss von Ungeimpften. Hier werden eigentlich staatliche Aufgaben auf die Privatwirtschaft abgewälzt“, erklärt Sprecher des Handelsverbands Westfalen-Münsterland Markus Kaluza.

Die Auflagen sowie Hygienemaßnahmen und das Testen von Mitarbeiter*innen sind sehr kostspielig. Zudem sind die Soforthilfen aus dem vergangenen Jahr zum Teil ganz beziehungsweise anteilig zurückgefordert worden. Der Novemberumsatz war in der Dortmunder Innenstadt erstaunlich gut und höher als 2020. Grund dafür war der frühere Einkauf von Weihnachtsgeschenken. Dadurch waren die Umsätze im Dezember sehr mau. In anderen Städten sieht die Lage des Einzelhandels jedoch schlechter aus. Städte wie Münster oder Düsseldorf, die typische Touristenziele sind, müssen noch höhere Einbußen verkraften.  

Der Start ins neue Jahr ist von Unsicherheit geprägt

In Asien wurden die letzten Monate wieder häufiger Produktionsstätte und Häfen aufgrund von Corona geschlossen. Das führt zu starken Auswirkungen, sodass beispielsweise die Frachtpreise für Seecontainer ansteigen und nicht ausreichend von ihnen vorhanden sind. Keiner weiß, wie sich das Kaufverhalten der Kund*innen entwickeln wird.

Leere Weihnachtsmärkte deutschlandweit
Auch der Dortmunder Weihnachtsmarkt war in diesem Jahr nicht gut besucht. Einige Bürger*innen haben Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus. Bild: Thomas Winkler.

In den meisten Städten, vor allem in NRW, durften in diesem Jahr endlich die Weihnachtsmärkte wieder öffnen. Die Schausteller*innen konnten jedoch keinen Gewinn erzielen. Albert Ritter, der Präsident des Deutschen Schaustellerverbundes zeigt sich beim RND davon überzeugt, dass 2G plus einer Absage gleichgekommen ist. Er fordert umfangreiche Hilfen von den Landes- und Bundesministerien.

Das einzig Positive sei, dass sich die meisten Menschen an die Regeln gehalten haben. „Die Leute waren sehr kooperativ und aufgeschlossen“, betont Albert Ritter.

Beitragsbild: Foto von Jacek Dylag via Unsplash.

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