Nordwest-Syrien: Wintereinbruch verschärft die Not der Menschen

In Nordwest-Syrien hat es in den vergangenen Wochen mehrere Schneestürme gegeben. Für die Menschen dort ist die Situation eine Katastrophe, denn sie leben in Zelten, die kaum Schutz vor Schnee, Regen und Kälte bieten.

Niedrige Temperaturen und Schneeanhäufungen auf den Zeltdächern schaffen eine Notsituation im Nordwesten Syriens. Der Winter hat die Menschen dort hart getroffen. Viele leben trotz der niedrigen Temperaturen in Zelten. Sie leiden unter ärmlichen Lebensbedingungen, ihnen fehlt es auch an Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung.

Die Coronakrise verschärft die humanitäre Lage. Die Nahrungsmittelpreise sind um 230 Prozent gestiegen. Viele Menschen nehmen Schulden auf, damit sie Lebensmittel kaufen und sich ernähen können. Betroffen sind auch Kinder. Viele haben die Schule verlassen und gehen arbeiten, weil sie ihre Familien wirtschaftlich unterstützen müssen.

Der Krieg dauert an

Seit knapp elf Jahren herrscht Krieg in Syrien. Viele Menschen, darunter auch Kinder, sind gestorben oder verletzt worden. Andere wurden aus ihren Häusern vertrieben und flohen an die Grenzen der Nachbarländer. Viele haben ihre Arbeit und ihre Wohnung verloren.

Elf Jahre Krieg - Zahlen und Fakten
Laut Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sind in dem Konflikt:

  • fast 600.000 Menschen gestorben
  • 12,4 Millionen Menschen in Syrien vom Hunger bedroht
  • über 12 Millionen Syrerinnen und Syrer auf der Flucht (mehr als die Hälfte der Bevölkerung)
  • 6,6 Millionen Menschen innerhalb Syriens vertrieben worden (Binnenvertriebene)
  • 5,6 Millionen Menschen  in die Nachbarländer Türkei, Libanon, Jordanien, Irak sowie nach Ägypten geflohen
  • fast sechs Millionen Mädchen und Jungen in Syrien oder auf der Flucht geboren

UN schildert die Situation vor Ort

UNHCR-Pressesprecher Chris Melzer berichtet, wie derzeit die Situation für Menschen vor Ort aussieht: „Es gibt schätzungsweise 2,8 Millionen Binnenflüchtlinge in Nordwest-Syrien. Im Dezember 2021 gab es etwa 1400 Plätze, an denen allein 1,7 Millionen binnenvertriebene Menschen leben. Davon sind etwa 80 % Frauen und Kinder. Und fast 46.000 Binnenvertriebene sind Berichten zufolge Menschen mit besonderen Bedürfnissn.“ Nach UN-Angaben haben in den letzten Wochen starke Schneefälle und Schneestürme mindestens 229 Siedlungen von Binnenvertriebenen in den Regionen Idleb und Aleppo getroffen.

Folgen des Schneesturms

Mehr als 500 Zelte wurden zerstört und geschätzt sind 9200 Zelte durch das strenge Winterwetter beschädigt. Melzer fügte hinzu: „Der heftige Schneefall Ende Januar hat den ohnehin schon dringenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Unterkünften und Hilfsgütern für die Binnenvertriebenen noch vergrößert.“ Außerdem hat UNICEF gegenüber Syria.tv bestätigt, dass bereits mindestens 15 Kinder aufgrund des Schneesturms und mangelnder Gesundheitsversorgung gestorben sind. UNICEF fügte hinzu, dass acht der toten Kinder das Alter von einem Jahr nicht erreichten.

Hilfsorganisationen reagieren

Derzeit arbeiten Hilfsorganisationen und Freiwilligenorganisationen daran, Straßen vom Schneefall zu befreien, damit die Menschen an sichere Orte gebracht werden können. Melzer berichtet auch, dass die UN im Januar über die Türkei Winterhilfslieferungen für rund 15.000 Familien im Nordwesten Syriens organisiert hat. Zu den Hilfsgütern gehören Matratzen, Decken und Plastikplanen. Hilfsorganisationen und Freiwilligenorganisationen können die Situation nicht allein bewältigen. Sie fordern, dass die internationale Hilfe schnellstmöglich aufgestockt werden muss, um das Überleben der Menschen dort zu sichern.

Spendeaktionen für betroffene Menschen

Hier findet ihr Möglichkeiten, den Menschen in Syrien zu helfen.

Beitragsbild: Julie Ricard/unsplash, lizensiert nach CC.

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