Theremin: Das Instrument, das Töne aus dem Nichts erzeugt

Zum Lieblings-Song wie verrückt durch das Zimmer hüpfen und dabei volle Kanne in die Luftgitarre hauen – so hat sich wohl jeder schon mal seine Traumkarriere als Rockstar erfüllt. Es gibt aber sogar ein Instrument, bei dem nur durch Handbewegungen in der Luft wirklich Töne erzeugt werden – das Theremin.

Die von euch, die „The Big Bang Theory“ geguckt haben, kennen das Instrument wahrscheinlich schon.

Bei Sheldon klingt es ziemlich schräg, aber es gibt natürlich auch echte Profis an dem Instrument. Eine davon ist Gilda Razani. Sie arbeitet an der TU Dortmund als Saxophon- und Theremin-Lehrerin. Außerdem tritt sie regelmäßig bei Konzerten auf. „Insgesamt habe ich sogar drei Theremine“, erzählt sie. „Jedes davon klingt anders. Das, was ich auf Konzerten spiele, hat einen sehr klaren Klang. Andere sind eher süß oder ruppig. Da gibt es schon viele Unterschiede.“ Und das, obwohl eigentlich alle gleich aufgebaut sind.

Töne aus der Luft

In der Mitte befindet sich ein länglicher Kasten. An diesem geht links ein Bogen aus Metall ab, der ähnelt einem Handtuchhalter. Rechts ragt eine Antenne nach oben. Und zwischen diesen beiden Stäben erzeugt Gilda Razani dann mit den Händen die Töne: Mit der rechten Hand wird die Tonhöhe verändert und mit der linken, die über dem Bogen ist, die Lautstärke.

Das funktioniert, weil zwischen den Antennen ein elektromagnetisches Feld entsteht. Durch die Hand werden die Schwingungen im Feld gebrochen und über einen Verstärker wird der Klang erzeugt. Gespielt wird nicht mit Saiten oder Tasten, sondern mit der Physik.

Zwischen den beiden Antennen des Theremins befindet sich ein elektromagnetisches Feld. Durch die Brechung der Schwingungen mit der Hand werden die Töne erzeugt.

Viele sagen, der Klang erinnere an eine Opernsängerin. Das Besondere ist auch, dass das Theremin einen Tonbereich von etwa fünf Oktaven spielen kann.

 

Bis Thereministen so weit sind, dauert es eine ganze Zeit. „Zuerst übt man Intervalle und versucht, Melodien nach Gehör nachzuspielen. Die Töne einfach so in der Luft einzufangen, das muss man mehrere Jahre lang üben“, sagt Razani. Dennoch würden immer mehr Menschen das Theremin-Spielen lernen wollen, ergänzt sie.

Eine Erklärung für diesen Trend hat sie ebenfalls: „Es ist wie, wenn du eine Fernbedienung hast oder einen Computer bedienst. Das sind ja alles so intuitive Touch-Geschichten und Bewegungen. Und genau das macht man mit dem Theremin schließlich auch.“ Außerdem sei es einfach toll, dass man bei diesem Instrument keine Tasten oder Klappen benötigt, um Musik zu erzeugen. „Man kann einfach nach seinem inneren Gefühl gehen“, beschreibt Gilda Razani.

Leon Theremin, der verrückte Erfinder

Mal im Ernst: Wer kommt eigentlich auf die Idee, so ein Instrument zu erfinden? „Leon Theremin, das war ein verrückter Vogel“, erklärt Gilda Razani. 1919 sollte er eigentlich einen Senfgasdetektor für den russischen Geheimdienst KGB entwickeln. „Aber weil er auch Cellist war und Fantasie hatte, ist das Theremin als ein Nebenprodukt des Senfgasdetektors entstanden.“

Heute kann man die Instrumente in fast jedem Musikladen kaufen oder selber zusammenbauen. Vor allem im Internet gibt es viele Angebote und Anleitungen für Bausätze. Wer überlegt, sich ein Theremin anzuschaffen, sollte jedoch zunächst sein Zimmer ausmessen: Damit das elektromagnetische Feld zwischen den Antennen nicht durch Möbel gestört wird, braucht das Theremin mindestens 1,50 Meter Abstand.

Fotos: Rebecca Küsters

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