Handy am Steuer wird endlich teuer

Gerade losgefahren, da vibriert auch schon das Smartphone. Vielleicht eine neue Nachricht von Mama oder dem Freund? Also kurz nachsehen – es wird schon nichts passieren. Die rote Ampel hat man dabei schnell mal übersehen. Da solche Situationen nicht immer glimpflich enden, hat der Bundesrat bereits vor einigen Wochen höhere Strafen für Verkehrssünder beschlossen, die jetzt in Kraft getreten sind. Wer künftig sein Smartphone während der Fahrt benutzt, Rettungsgassen blockiert oder illegale Autorennen veranstaltet, muss ab sofort deutlich tiefer in die Tasche greifen oder sogar hinter Gitter. Ein längst überfälliger Schritt, findet unsere Autorin.

In den vergangenen Jahren ist vor allem das Smartphone zu einem immer größeren Problem auf deutschen Straßen geworden. Gerade für Personen im Studentenalter sind die kleinen Alleskönner mittlerweile ein unverzichtbares Lebensutensil. Während der Vorlesung kurz die neuesten Whatsapp-Nachrichten oder Mails zu beantworten, gehört bei den Mitte 20-Jährigen zur Normalität. Doch die Smartphone-Sucht muss ihre Grenzen haben. Vor allem im Straßenverkehr! Was sich eigentlich so selbstverständlich anhört, ist in der alltäglichen Umsetzung für viele Fahrer nicht denkbar: sich ausschließlich auf den Verkehr zu konzentrieren und das Handy währenddessen in der Tasche zu lassen.

Auf Vermeidung statt auf zu milde Strafen setzen

Dabei legt ein Fahrer laut ADAC bei 40 Kilometern pro Stunde bereits 77,8 Meter blind zurück, wenn er sieben Sekunden auf sein Smartphone schaut. Bei einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde sind es sogar 252,8 Meter. Eine Augenbinde beim Fahren hätte denselben Effekt. Vor allem die Personengruppe zwischen 24 und 45 Jahren ist betroffen, von denen laut einer Forsa-Studie ganze 81 Prozent der Befragten das Smartphone gelegentlich während der Fahrt nutzen. Dass sie damit ihre Mitmenschen gefährden, ist ihnen meist nicht bewusst. Deshalb ist es umso notwendiger, dass ein solcher Egoismus nun härter bestraft wird. Statt 60 Euro werden nun immerhin mindestens 100 Euro fällig. Ob der Betrag zur Abschreckung hoch genug ist, bleibt abzuwarten.

[su_spoiler title=“Das ändert sich“ style=“fancy“ icon=“arrow-circle-1″]Aufnehmen eines elektrischen Gerätes während der Fahrt: vorher 60 Euro Bußgeld und kein Punkt im Verkehrssünderregister, ab sofort 100 Euro und 1 Punkt

Aufnehmen eines elektrischen Gerätes während der Fahrt mit Gefährdung: 150 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

Aufnehmen eines elektrischen Gerätes während der Fahrt mit Sachbeschädigung: 200 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

Aufnehmen eines elektrischen Gerätes auf dem Fahrrad: vorher 25 Euro Bußgeld, ab sofort 55 Euro[/su_spoiler]

Viel wichtiger noch als Bestrafung ist aber die Vorbeugung solcher Unfälle. Wie das geht, zeigt beispielsweise das Radioprogramm „N-Joy“. Mit der Kampagne „Kopf hoch – Das Handy kann warten“, wollen sie vor allem junge Hörer aufrütteln und zum Nachdenken bringen. Mit großem Erfolg! Über 3 Millionen Klicks hat das Video bis heute. Für die Aktion gab es sogar den Deutschen Radiopreis.

Ihr. Hoffentlich nie. Mehr zu unserer Aktion "Kopf hoch": http://www.n-joy.de/kopfhoch

Posted by N-JOY on Montag, 11. April 2016

 

Auch illegale Autorennen werden teurer 

Keinem Blindflug, sondern einem illegalen Autorennen fiel ein 69-Jähriger in Berlin Anfang vergangenen Jahres zum Opfer, als er auf dem Weg nach Hause war. Dort sollte er nie ankommen, denn auf dem Kurfürstendamm lieferten sich zwei Mitte 20-Jährige ein unerlaubtes Rennen. Mit unfassbaren 160 Kilometern pro Stunde war der Ältere von beiden unterwegs und überfuhr eine rote Ampel. Daraufhin rammte er den Jeep des unbeteiligten Herrn, der 70 Meter weit geschleudert wurde. Das Opfer hatte keine Chance und verstarb im Auto. Das ist keine Szenenbeschreibung aus Fast and Furious, sondern leider die harte Realität. Im Februar wurden die beiden Angeklagten wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun werden die Strafen weiter verschärft.

[su_spoiler title=“Das ändert sich“ style=“fancy“ icon=“arrow-circle-1″]Illegales Autorennen: vorher 400 bis 500 Euro und Fahrverbot, ab sofort Geldstrafe oder 2-10 Jahre Haft[/su_spoiler]

Seit vergangenem Donnerstag nämlich wird ein solcher Verstoß als Straftat und nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeit gewertet. Im Klartext heißt das: Werden unbeteiligte Personen bei einem Autorennen schwer verletzt oder sogar getötet, droht den Rasern eine bis zu zehnjährige Gefängnisstrafe. Außerdem ist es der Polizei ab sofort erlaubt, Fahrzeug und Führerschein der betroffenen Personen zu konfiszieren. Eine vollkommen richtige Entscheidung: Denn bei den unüberlegten Rennen werden mutwillig Menschenleben gefährdet. Autorennen gehören auf den PC und sollen auch dort bleiben.

Die Problematik mit der Rettungsgasse

Neben den illegalen Rasern hat die Politik noch eine weitere Gruppe im Visier: die Rettungsgassen-Blockierer. Kurz unkonzentriert, ein lauter Knall und der Fahrer verliert die Kontrolle. Solche Szenarien passieren tagtäglich auf deutschen Autobahnen. Jetzt zählt jede Sekunde. Die Rettungskräfte sind alarmiert und müssen schnellst möglich zur Unfallstelle gelangen, um Schlimmeres zu verhindern. Doch das wird immer häufiger zum Problem. Lkw stehen mitten in der Gasse, Autofahrer machen nicht genug Platz oder fahren gleich rückwärts durch die Gasse zurück, wie kürzlich auf der A10 bei Falkensee.

[su_spoiler title=“Das ändert sich“ style=“fancy“ icon=“arrow-circle-1″]Keine Rettungsgasse gebildet: vorher Regelsatz von 20 Euro Bußgeld, ab sofort mindestens 200 Euro und 1 Punkt im Verkehrssünderregister

Keine Rettungsgasse gebildet mit Behinderung: 240 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

Keine Rettungsgasse gebildet mit Gefährdung: 280 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

Keine Rettungsgasse gebildet mit Sachbeschädigung: 320 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot[/su_spoiler]

Laut der Verkehrsunfallstatistik der Landesregierung NRW aus dem Jahr 2016 kamen 523 Menschen bei Autounfällen ums Leben – viele durch das zu späte Eintreffen der Rettungskräfte. Eine logische Konsequenz, dass die Strafen erhöht werden mussten. Und sie sind dennoch nicht hoch genug. Besonders Lkw-Fahrer, die mit ihren Wagen die Straßen verstopfen, sollten beim Verstoß gegen das Bilden einer Rettungsgasse noch härter bestraft werden. Denn oftmals sind sie es, die für die größten Verzögerungen sorgen.

Generell ist die Verschärfung der Strafen und Bußgelder für Verkehrsvergehen ein großer und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ob die Sanktionen jedoch hoch genug oder immer noch zu lasch sind, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend bleibt jedoch weiterhin die Prävention solcher Straftaten, damit es gar nicht erst soweit kommt, dass Menschenleben aufgrund egoistischer Fehler anderer in Gefahr geraten.

Beitragsbild: pixabay.com/Pexels lizenziert nach Creative Commons (CC)

Videos: facebook.com/NJOY, youtube.com/hubber.me

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