Indonesien: Studenten und ihre Angst vorm Islamismus

Mit mehr als 191 Millionen Muslimen ist Indonesien die größte islamische Nation der Welt, 90 Prozent der Einwohner sind Muslime. Obwohl zudem auch Anhänger von Hinduismus, Buddhismus, Christentum und weiteren Religionen in dem Inselstaat leben, galt Indonesien immer als friedlich und tolerant. Doch in den letzten Monaten werden radikale islamistische Gruppen immer mächtiger. Wir haben mit indonesischen Studenten über die Problematik gesprochen.

Kezia Xemima studiert Internationale Beziehungen an der katholischen Universität in Bandung. Sie macht sich große Sorgen wegen der aktuellen Veränderungen in ihrem Land: „Ich merke, dass die Religion die Politik stärker beeinflusst als früher“, sagt sie. Besonders gezeigt habe sich das im Fall von Basuki Tjahaja Purnama (genannt Ahok). Der christliche Gouverneurs von Jakarta „sagte vor den Neuwahlen, dass Muslime auch Nicht-Muslime wählen dürfen“, berichtet Professor Franz Magnis-Suseno in einem Vortrag an der Universität von Bandung. Radikale islamistische Gruppen wie die „Islamische Verteidigungsfront“ klagten Ahok aufgrund der Äußerung an – wegen Blasphemie. Die Gerichte stimmten zu und verurteilten den Gouverneur zu zwei Jahren Haft. Viele Indonesier sehen darin eine juristische Fehlentscheidung, die zeigt, wie mächtig die radikalen Gruppen mittlerweile sind.

Mit dem Erstarken der Radikalen könnte die Politik instabil werden 

Die gebildete Mittelschicht hatte vorher offensichtlich nicht bemerkt, dass die Radikalen in Indonesien ihren Einfluss auf die Politik ausweiten. Nun geht die Angst um, auch bei Studentin Kezia Xemima: „Ehrlich gesagt habe ich Angst.“ Sie befürchte, dass die Politik instabil werde, wenn religiöse Themen eine immer stärkere Rolle spielen.
In ihrem Studentenleben bemerkt sie bisher nichts vom ansteigenden Fanatismus: „Meine Freunde sind hauptsächlich Muslime, aber niemand von ihnen denkt ansatzweise radikal“, sagt sie. Das hänge aber vermutlich auch damit zusammen, dass es in der Universitätsstadt keine einflussreichen radikalen Gruppen gebe. „Wir sind friedlich und tolerieren die unterschiedlichen Religionen.“

Joshua Eldy studiert Internationale Politik und Politische Ökonomie an der gleichen Universität wie Kezia. Auch ihn beunruhigt es, dass islamische religiöse Gruppen immer radikaler werden. Deshalb möchte er aktiv etwas dagegen tun: Er engagiert sich in einer politischen Vereinigung und will später einer Partei beitreten. „Politisches Engagement wird an der Uni nicht gerne gesehen, wir sollen uns eigentlich nur auf unser Studium fokussieren.“ Das kommt aber für Joshua nicht infrage: „Wir haben gesehen, dass Protest auf den Straßen nichts bringt. Um ein System zu ändern, muss man meiner Meinung nach in das System hineinkommen und es von innen heraus verändern.“

Mehr Infos über die Exkursion nach Indonesien könnt ihr im Kurt-Magazin von Oktober 2017 nachlesen.

Teaser- und Beitragsbild, sowie Videoproduktion und Schnitt: Rebecca Wolfer

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