Weihnachten rund um den Globus

Tannenbaum, Krippe, Weihnachtsmarkt: In Deutschland gibt es zu Weihnachten ganz bestimmte Traditionen. In anderen Ländern wird auch mal eine Bananenstaude geschmückt. Wir haben uns auf die Suche nach den schönsten Weihnachtsbräuchen rund um den Globus gemacht.

Andrés Alberto Sanchez Sanchez, 21, aus Kolumbien, studiert Music Production in Bogotá

Foto: Sarah Schröer López

Andrés ist schon seit dem 7. Dezember voll in Weihnachtsstimmung. An dem Tag ist nämlich „Noche de Velitas“, also die Nacht der Kerzen. Dann dekorieren die Kolumbianer ihre Häuser und Straßen mit vielen verschiedenen Kerzen, sodass alles hell erleuchtet ist. In Kolumbien gibt es aber noch deutlich skurrilere Bräuche. Einer davon: Schlüsseljagd. Bei diesem Spiel versucht man den Schlüssel der anderen Person zu klauen. Wer es zuerst schafft, hat gewonnen.

„Ich mag noch eine andere Wette besonders gern. In keinem Gespräch darf ich ‚Ja‘ sagen und die andere Person darf nicht ‚Nein‘ sagen. Wer das zuerst vergisst, hat verloren“, sagt Andrés Alberto. Was der Student noch an Weihnachten mag: das Essen. „Da gibt es zum Beispiel Natilla, einen süßen Nachtisch. Das ist wie Gelee, aber aus Milch gemacht. Das schmeckt richtig gut.“ Typisch in Kolumbien ist außerdem Buñuelo, ein süßes, frittiertes Brot.

Stephane Kouangain, 35, aus dem Kamerun, studiert Maschinenbau in Dortmund 

Foto: Leonie Freynhofer

Wir haben nur einen kleinen Baum, oft auch eine Bananenstaude, die wir dann mit Kugeln und einer Lichterkette schmücken.

„Weihnachten ist bei uns immer ein großes Fest mit der ganzen Familie“, sagt Stephane. Im Kamerun wird Weihnachten erst nach dem Besuch in der Kirche am 25. Dezember gefeiert. Dann kommt die Familie zusammen und kocht gemeinsam. Eine traditionelle Speise an Weihnachten ist „Ndole“. Die Hauptzutat ist das gleichnamige Gemüse, das auch als „bitterleaf“ oder Bitterspinat bezeichnet wird. Hinzu kommen Erdnüsse, Fleisch oder Fisch. „Als Beilage essen wir Kochbananen“, erzählt Stephane.

Einen großen Weihnachtsbaum gibt es bei Stephane im Kamerun nicht. Als er noch ein Kind war, haben er und seine Geschwister immer am Abend des 24. Dezembers einen Stiefel vor die Tür gestellt. Dort hat der Weihnachtsmann dann die Geschenke hinterlassen. Seitdem Stephane in Deutschland lebt, ist Weihnachten für ihn kein extrem besonderer Tag. Er verbringt die Zeit gerne mit seinen Freunden. Am Heiligabend wird Stephane nicht mit seiner ganze Familie Weihnachten feiern können. „Die Flüge in den Kamerun sind mir einfach zu teuer“, sagt der Student.

Slawek Doleglo, 25, aus Polen, studiert Journalistik und Kommunikationswissenschaften in Krakau

Foto: Gian-Luca Delbach

In Polen gibt es zu Weihnachten vor allem eine Art zu essen: viel. An Heiligabend tischen die Polen zwölf verschiedene Gerichte auf, alle ohne Fleisch. Dann gibt es zum Beispiel Pirogi, das sind typisch-polnische gefüllte Teigtaschen oder die Suppe Jurek.

Meistens schaffen wir es aber nur bis zu Gericht fünf oder sechs.

Beim Weihnachtsessen gibt es immer noch einen Teller mehr als Gäste da sind. „Der Extra-Teller ist für einen unerwarteten Gast. Das ist mein Lieblingsbrauch an Weihnachten. Das zeigt symbolisch, dass wir auf Jesus‘ Besuch warten“, sagt Slawek.

Ane Perez Oyàrzabel, 23, aus Spanien, studiert Embedded Systems for Mechatronics in Dortmund 

Foto: Sarah Schröer López

In Spanien feiert man Weihnachten nicht nur an Heiligabend, sondern bis zum 6. Januar. Der Tag der Heiligen Drei Könige ist ein Tag für die Kinder, an dem es noch ein zweites Mal Geschenke gibt. Einen Abend vorher zieht die „Cabalgata de Reyes Magos“ durch die Straßen, eine Art Parade zu Ehren der Heiligen Drei Könige. „Da gibt es dann drei große Karossen, eine für jeden König. Die sind ganz aufwendig geschmückt und es sind immer viele Kinder da“, erzählt die Studentin. Am deutschen Weihnachten gefallen Ane besonders die Lieder. „Die spanischen Weihnachtslieder sind einfach nur komisch. Dort singt man über das Essen und dass Fische ganz viel Wasser trinken. Die sind wirklich seltsam.“

Elfrida Acquaye, 25, aus Ghana, studiert Spatial Planning for Regions in Growing Economies in Dortmund

Foto: Leonie Freynhofer

Jedes Jahr an Weihnachten schauen wir „Kevin allein zu Haus“.

Weihnachten beginnt in Ghana schon am 20. Dezember und endet in der ersten Januarwoche. An Heiligabend geht die ganze Familie in die Kirche, wo viel gesungen wird und kleine Spiele veranstaltet werden. Auf den Tisch kommt traditionell „Jollof“. Das ist ein Gericht aus Reis und Tomatenmark. Außerdem gehören noch Fisch und Süßkartoffeln hinein. „Fufu“ steht ebenfalls auf der Speisekarte, eine Pastete aus der Yamswurzel. In Ghana schenkt man sich nichts Großes zu Weihnachten. „Bei der Bescherung gibt es hauptsächlich Essen und Getränke“, erzählt Elfreda. Und das reichlich. In der Weihnachtszeit kann man in den Shoppingcentern 15 Kilo schwere Reissäcke kaufen. In den Festtagen ziehen Kinder von Haus zu Haus, wo sie in bunten, selbst geschneiderten Kostümen tanzen und singen.

Sammya Das, 25, aus Indien, studiert Chemieingenieurwesen in Dortmund

Foto: Leonie Freynhofer

Als Hindu feiere ich kein traditionelles Weihnachtsfest.

In seiner Heimatstadt Kalkutta geht Sammya an Heiligabend mit Freunden oder der Familie essen oder feiern. Zur Bescherung gibt es nur ein paar süße Geschenke, zum Beispiel Schokolade. Während der gesamten Weihnachtszeit werden vor allem viele Kuchen und Pancakes gegessen. Sammya ist nicht traurig, dass er Weihnachten nicht zu Hause verbringen kann. „Ich bin froh in der Weihnachtszeit in Deutschland zu sein. Es ist komplett anders als in meiner Heimat.“ Besonders gut gefallen ihm die Weihnachtsmärkte mit Glühwein und gebrannten Mandeln hierzulande. „So etwas gibt es in Indien überhaupt nicht. Nur die Weihnachtsbäume, die stehen in den großen indischen Städten“, sagt er.

Beitragsbild: pixabay.com/jill111, lizenziert nach CC0, Teaserbild: pexels.com/Ylanite Koppens, lizenziert nach CC0.

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