Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger: Ja oder nein?

CDU und FDP wollen in Nordrhein-Westfalen Studiengebühren für Studierende aus Drittstaaten einführen. Am Mittwoch, 10. Januar, äußern sich Experten im Landtag zu der „Campus-Maut“. Es gibt deutliche Positionen gegen die Einführung der Studiengebühren. Die Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen spricht von einer mehrheitlichen Ablehnung. Es heißt: „Nahezu alle Hochschulen haben in den letzten Jahren Internationalisierungsstrategien entwickelt, die durch die Studienbeiträge für internationale Studierende gefährdet sein können“. Welche Meinungen es dazu noch gibt, haben wir zusammengefasst.

Was befürchten die Ruhr-Unis?

Die Ruhr-Unis befürchten Nachteile durch die Einführung der Studiengebühren. Studenten aus ärmeren Ländern könnten sich durch die geplanten Studiengebühren kein Auslandsstudium mehr leisten und die Leistungselite würde wegfallen. Andreas Jacob ist Rektor der Folkwang-Hochschule der Künste in Essen und hat Angst, dass ihm mit den Studiengebühren viele Talente verloren gehen. Gegenüber dem WDR sagte er, dass nicht irgendwelche Studierenden wegfallen könnten, sondern „(…) handverlesene, künstlerisch exzellente Leute. Das sind genau die Studierenden, die man wirklich haben möchte.“ Auch die anderen Ruhr-Universitäten sehen das so. Ähnlich wie bei den künstlerischen Fächern studieren Nicht-EU-Bürger oft Mint-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Diese sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt besonders gefragt und sollten es auch bleiben.

Wie sieht es in Baden-Württemberg mit der Campus-Maut aus?

In Baden-Württemberg gibt es die Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger bereits seit diesem Wintersemester (17/18). Wissenschafts- und Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen möchte für NRW keine vorschnellen Entscheidungen treffen und beobachtet den Verlauf in Baden-Württemberg zunächst.

Wie sehen deutsche Studenten die Campus-Maut?

Im Juli 2017 stürmten Studierende an der Ruhr-Universität Bochum eine Veranstaltung mit FDP-Chef Christian Lindner. Lindner konterte mit einer im Hörsaal stark beklatschten Gegenrede. Er argumentierte vor allem damit, dass das Geld für die Hochschulen nötig sei, da sich die Studienbedingungen seit 2010 deutlich verschlechtert hätten. Aber auch dieses Argument kann nicht alle Studenten von den positiven Effekten der Campus-Maut überzeugen.

KURT hat auf dem Campus nachgefragt: Was sagen die Studenten der TU Dortmund zu der Campus-Maut?

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Ist der Plan der FDP nicht gut genug durchdacht?

Bastian Kaiser, Vorsitzender der Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg, sieht die Verteilung der Gelder kritisch. Zwar bekommen die Hochschulen durch die Studiengebühren mehr Geld, aber „der Mehraufwand, der durch all die Prüfungen von Anträgen entsteht, ist ein Problem, das komplett auf die Hochschulen zurückfällt“, sagt Kaiser der RP. Auch die Mitglieder der Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW sind skeptisch. „Die Universitäten haben sich in den letzten Jahren verstärkt um Internationalisierung bemüht. Diese Aktivitäten sollten nicht ausgebremst werden“, betont Gerhard Sagerer, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz.

Wie hoch sind die Gebühren im internationalen Vergleich?

Laut dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst kommen in Baden-Württemberg circa 30 Prozent der internationalen Studierenden aus China und Indien. In beiden Ländern müssen die Studierenden zu Hause jeweils deutlich höhere Gebühren zahlen. In China bis zu 8.000 Euro jährlich, in Indien bis zu 10.000 Euro. Insgesamt kommt die weit überwiegende Anzahl Studierender (über 60 Prozent) aus Ländern, die vergleichbare oder deutlich höhere Gebühren erheben, wie zum Beispiel Japan oder den USA.

Was können Folgen sein?

Das Thema ist stark umstritten und ob die Studiengebühren bald auch in NRW eingeführt werden sollen, ist noch unklar. Eine Frage wird aber vermutlich noch länger offen im Raum stehen, wenn es zu der Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger kommt: Ist das der erste Schritt zu den Studiengebühren für alle? Wenn ja, werden sich demnächst viele (angehende) Studenten kein Studium mehr leisten können.

Beitrags-/Teaserbild: pixabay.com/gellinger, lizenziert nach CC0 1.0.

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2 Comments

  • In China bis zu 8.000 Euro jährlich???

    Entschuldige, aber das is total falsch! Studium in Staatliche Hochschulen braucht man in China rund um 800 euro pro Jahr, studiengebühren and Wohnung Kosten inklusiv. Es gibt Wohnheim im Campus for alle.

  • Unsere Eltern haben viel Geld ausgegeben damit wir hier kommen können und am Ende müssen wir häufen Geld bezahlen auch in arme Länder in Nordafrika gibt es kein Gebühren

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