Viel Sport und viel Show – so war der Super-Bowl-Abend

Das große Finale der National Football League (NFL) hat in der Nacht zu Montag (5. Februar) hunderte Millionen Zuschauer vor die Bildschirme gelockt. Den einen ging es um den Sport, den anderen um das Spektakel und die Show. Der Super-Bowl-Abend zum Nachlesen:

Es ist 21 Uhr in Deutschland. An jedem anderen Sonntag im Jahr sind die Themen zu dieser Zeit recht simpel. Ein bisschen Tatort-Kritik und Seufzer über den bevorstehenden Wochenstart. Am Super-Bowl-Abend bestimmt ein besonderer Wettbewerb das Netz: Wer macht die beste Motto-Party? Denn bevor es um Sport geht, zeigen die Deutschen gerne, mit wie viel Hingabe sie ihr Wohnzimmer in ein Football-Stadion verwandeln können.

Proben für den ersten Spielzug laufen auch schon. Die Freiwillige Feuerwehr Berlin Hellersdorf träumt davon, ihr eigenes Team ins Rennen zu schicken.

Zwei Stunden vor dem Kick-Off beschäftigt die spontanen Football-Fans eine Frage: „Kapiere ich bis 0.30 Uhr noch die Regeln?“ Andere fragen sich stattdessen: „Wie soll ich so lange wach bleiben?“ In Deutschland müssen sich die Fans die Nacht um die Ohren schlagen. Im Stadion von Minneapolis, wo das Spiel ausgetragen wird, ist es beim Anstoß gerade einmal 17.30 Uhr. Für alle, die sich deshalb einen deutschen Super Bowl wünschen, gibt es die ersten Ideen – passend zum amerikanischen Original mit ungewöhnlichen Namen.

Inzwischen ist es 0.20 Uhr. Wer schon eingeschlafen ist, wird jetzt wieder wach. Sängerin Pink schmettert die amerikanische Hymne – obwohl sich manche Fans stattdessen lieber ihren Song „Dear Mr. President“ gewünscht hatten. Trotzdem sorgt ihr Auftritt für Kommentare im Netz. Pink vergisst fast, ihr Hustenbonbon aus dem Mund zu nehmen. Gerade noch rechtzeitig bemerkt sie das Missgeschick. Millionen Fans verfolgen amüsiert, wie der Superstar das Bonbon noch schnell auf den Rasen wirft und das Ganze mit einem Lächeln überspielt.

0.30 Uhr. Kickoff. Los geht das Spektakel – aus sportlicher Sicht. Für die New England Patriots ist es bereits die achte Endspielteilnahme seit 2000. Fünfmal gingen sie als Sieger vom Platz. Die Fans im Stadion feuern aber lieber den „Underdog“ an. Denn als Gegner stehen die Philadelphia Eagles auf dem Platz, die bisher noch keinen Titel haben. Doch schon nach den ersten Spielzügen ist klar, dass es ein Spiel auf Augenhöhe ist.

Die erste Halbzeit ist noch nicht vorbei, da steht im Internet schon der Held des Abends fest. Der Quarterback der Philadelphia Eagles, Nick Foles, hatte erst im Dezember den Job als Chef-Spielmacher übernommen, genoss aber nur einen mittelmäßigen Ruf – bis zu diesem Abend: Der 29-Jährige fängt als erster Quarterback der Super-Bowl-Geschichte einen Touchdown selbst. 22:12 liegen die Philadelphia Eagles zur Halbzeit in Führung.

Während die Halbzeit sonst genutzt wird, um kurz zu entspannen und neue Snacks zu holen, geht es beim Super Bowl in der Pause erst richtig los. Dieses Mal im Mittelpunkt: Justin Timberlake und die Frage, ob es einen neuen Skandal geben wird. Schließlich entblößte er beim Auftritt im Jahr 2004 versehentlich die rechte Brust von Janet Jackson. Das „Nippelgate“ ging in die Geschichte des Super Bowls ein.

Dieses Mal sorgt aber nur Timberlakes Songauswahl für Aufsehen. Per Videoleinwand singt er ein virtuelles Duett mit dem verstorbenen Sänger Prince. Die Fans von Prince sind darüber verärgert. Sie sind sich sicher, dass dem Künstler so eine Darbietung nicht gefallen hätte.

Ansonsten macht Justin Timberlake in der Halbzeitshow vor allem eines: tanzen. Im Netz überzeugt das nicht alle. Zuschauer beklagen Playback-Musik, andere vermissen eine spektakuläre Bühnenshow á la Katy Perry. Am Ende stiehlt auch noch ein kleiner Junge dem großen Star die Show. Während Justin Timberlake sich unter das Publikum mischt und mit dem Jungen tanzt, bleibt dieser erstaunlich lässig – und verbringt seine Zeit lieber am Handy. Das Netz verpasst dem Jungen den Namen #selfiekid.

Der Sport ist an diesem Abend fesselnder als die Tanz-Einlage. Abgeschrieben sind die New England Patriots nämlich noch nicht. Und tatsächlich kommt die Mannschaft rund um Quarterback Tom Brady stark zurück. Um 3.36 Uhr gehen die Favoriten zum ersten Mal in diesem Spiel mit 33:32 in Führung.

Beeindrucken lassen sich die Philadelphia Eagles trotzdem nicht und holen wieder auf. Beim Stand von 33:41 haben die Patriots eine letzte Chance im Angriff. Doch der letzte Pass fällt zu Boden – und so steht der Gewinner des 52. Super Bowl fest. Die Philadelphia Eagles dürfen jubeln. Der Außenseiter schafft tatsächlich den Sieg.

Grün-Weiße Freude bricht im Stadion und im Netz aus. Am meisten überrascht vom Super-Bowl-Erfolg sind die Philadelphia Eagles selbst.

 

Inzwischen ist es 5 Uhr in Deutschland. Die Fans haben die letzten Chicken Wings gegessen, das Party-Wohnzimmer abgeschmückt und sich ins Bett verabschiedet. In Philadelphia, der Heimatstadt der Siegermannschaft, geht die große Super-Bowl-Party dagegen erst richtig los. Nach dem Triumph strömen Tausende auf die Straße und feiern ihre Super-Bowl-Helden.

 

Teaser- und Beitragsbild: flickr.com/BrookWard, lizenziert nach CC BY-NC 2.0.

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