Nachhaltiger Anbau: Wie der Agroforst den Regenwald rettet

Die Landwirtschaft hat bereits einen großen Teil des Regenwaldes zerstört. Eine nachhaltige Methode soll das nun ändern: der Agroforst.

6 Millionen Quadratkilometer des Regenwaldes sind weltweit bereits durch Landwirtschaft zerstört worden. Mitverantwortlich sind dafür die Einwohner von kleinen Dörfern, die den Wald für Monokulturen verbrennen. In Brasilien ändert sich das langsam. Immer mehr Menschen nutzen eine nachhaltige Methode: den Agroforst. Doch das Ganze bringt auch einige Herausforderungen mit sich.

In Tumbira, einem 100-Einwohner-Dorf mitten im Amazonas-Regenwald, arbeiten die Bewohner schon mit der Agroforst-Methode. Tumbira ist eines der moderneren Dörfer am Rio Negro. Seit 15 Jahren gibt es hier Strom, der aus Solarenergie gewonnen wird, und sauberes Wasser aus einer Quelle. Die Einwohner sind aufgeschlossen gegenüber neuer Technik. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum hier auch die Landwirtschaft moderner ist als in anderen Dörfern am Amazonas.

Wie Monokulturen den Regenwald zerstören

Adinaman Castro dos Santos möchte keine Monokulturen mehr anbauen. Er setzt auf den Agroforst.
Adinaman Castro dos Santos möchte keine Monokulturen mehr anbauen.

Adinaman Castro dos Santos wohnt in Tumbira und ist mit dafür verantwortlich, dass sich die landwirtschaftlichen Anbaumethoden verändert haben. „Früher habe ich nur Maniok angebaut“, erzählt er. Das ist eine Knolle, die in Südamerika als Grundnahrungsmittel zählt. „Doch ich musste immer mehr Regenwald abbrennen, um neue Felder zu bekommen.“

Er zeigt eines seiner alten Felder: Der Boden ist krümelig und trocken, hier wächst nichts mehr. Seine Maniok-Monokultur hat den Boden unfruchtbar gemacht. Die Pflanzen entziehen ihm immer die gleichen Nährstoffe und irgendwann laugt er aus. „Die Ernte wurde immer schlechter und ich musste Pestizide benutzen, damit der Maniok auf dem nährstoffarmen Boden überhaupt wächst“, sagt Adinaman. „Doch das war weder gesund für die Menschen, die hier leben, noch für die Tiere. Denn das ganze Gift floss ins Grundwasser.“

Das flache Feld mit den kleinen Pflanzen war außerdem stark der Sonne ausgesetzt. Dadurch trocknete der Boden sehr schnell aus. Um neuen, fruchtbaren Boden zu bekommen, brannte Adinaman immer neuen Regenwald ab und pflanzte dort wieder Maniok an – ein Teufelskreis.

„Wir waren sehr skeptisch, ob der Agroforst wirklich besser ist“

Doch vor ein paar Monaten konnte er den durchbrechen. Der Mann mit der sonnengebräunten Haut und den freundlichen braunen Augen erklärt, dass er nun eine vollkommen neue Art der Landwirtschaft betreibt. Die hat ihm die FAS gezeigt, eine Nichtregierungs-Organisation. Sie setzt sich für den Schutz des Regenwaldes und der Menschen, die dort leben, ein.

Auf Brandrodung und Pestizide möchte die FAS verzichten. Sie zeigt den Bewohnern des Regenwalds deshalb die Methode des Agroforsts, auch in Tumbira. „Ich und viele andere wussten am Anfang nicht, was es damit auf sich hat“, sagt Adinaman. „Für uns ist es eine völlig neue Art zu arbeiten. Wir waren am Anfang skeptisch, ob der Agroforst wirklich besser ist als das, was wir schon kennen.“

Viele Pflanzenarten statt Monokulturen

Das Dorf Tumbria in Brasilien ist einer der Vorreiter in Sachen Agroforst.
Tumbira liegt im Bundesstaat Amazonas in Brasilien, direkt am Rio Negro. (Bild anklicken, um das Dorf in Google Street View zu sehen).

Das Grundstück, auf dem der Agroforst ausprobiert wird, ist etwa so groß wie ein Fußballfeld und liegt mitten im Regenwald, der an Tumbira angrenzt. Hier bauen Adinaman und die anderen nicht nur Maniok an, sondern viele verschiedene Pflanzenarten. Neben hohen Bäumen, die Holz liefern sollen, stehen Obstbäume wie Mango oder Avocado. Dazwischen wachsen Kaffeepflanzen, die den Schatten der großen Bäume brauchen, und verschiedene Kräuter und Heilpflanzen.

Jede Pflanze zieht nur die Nährstoffe aus dem Boden, die sie benötigt. Bei Arten, die oft geerntet werden und dann neu gepflanzt werden müssen, wie Maniok, wechseln die Anbaustandorte. Dort wo früher Maniok war, wachsen dann Pflanzen, die andere Nährstoffe benötigen, etwa Heilkräuter. Und der Maniok wird dort gepflanzt, wo ihm genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen. Durch den Wechsel der Pflanzen kann sich der Boden wieder erholen.

Außerdem bekommt er regelmäßig neue Nährstoffe zugeführt, wenn Pflanzen Blätter verlieren und diese von Mikroorganismen zersetzt werden. Der Boden bleibt also fruchtbar und durch die hohen, Schatten spendenden Bäume trocknet er nicht aus. Die Bauern müssen weder Pestizide spritzen noch neuer Regenwald abholzen – die Natur regelt alles alleine.

„Der Agroforst ist oft schwierig umzusetzen“

Die Regenwaldschutzorganisation FAS arbeitet mit 582 Dörfern im Bundesstaat Amazonas zusammen. Neun Dörfer davon zählen als Erhaltungs- und Nachhaltigkeitszentren und bieten Fortbildungen für andere Dörfer an. In jedem Zentrum wurde das Agroforst-System vorgestellt – und mal mehr, mal weniger gut aufgenommen. „Den Menschen gefällt das System, aber weil es so anders ist, ist es oft schwierig umzusetzen“, sagt Laura Candelaria. Sie arbeitet als Projektleiterin bei der FAS. „Viele finden den Agroforst gut und probieren ihn aus – und die Ergebnisse sind super. Andere brauchen mehr Zeit, um die Methode anzuwenden, aber das ist normal. Gewohnheiten zu wechseln ist nie einfach.“

Das hat auch Adinaman bemerkt. Bis er auf der Agroforst-Fläche arbeiten konnte, war viel Vorbereitung nötig. „Der Regenwald hier war so dicht, dass man fast nicht durchgekommen ist“, erzählt Adinaman. Ich habe mit anderen Bewohnern die Fläche für den Agroforst Stück für Stück abgebrannt, damit das Feuer sich nicht unkontrolliert ausbreitet.“

„Es ist unser Wald – und es ist wichtig, dass wir ihn erhalten“

Danach ließen sie alles zwei Monate lang brach liegen, damit der Boden die Nährstoffe aus der Asche aufnehmen konnte. Und dann mussten die Bewohner neu pflanzen – mit System, damit jede Pflanze den für sie besten Standort bekam. „Das war viel aufwendiger, als einfach Maniok anzubauen. Wir mussten oft kontrollieren, ob die jungen Pflanzen richtig wachsen oder ob sie zum Beispiel noch mehr Wasser brauchen.“

Die Schüler aus Tumbira helfen regelmäßig auf der Agroforst-Fläche mit. Sie pflanzen Bäume und Sträucher an die richtigen Stellen, gießen und schneiden die Pflanzen zurecht. Später dürfen sie ihre eigenen Früchte ernten. „Langsam wird hier jedem bewusst, dass sich die nachhaltige Landwirtschaft lohnt“, sagt Adinaman. „Es gibt jetzt viel mehr Pflanzen, die sogar besser wachsen. Wir haben erkannt, dass es unser Wald ist, unser Feld und unsere Nahrung – und es ist wichtig, dass wir uns um diese wertvollen Dinge kümmern und sie erhalten.“

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Fotos: Rebecca Wolfer

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