Dortmunder Actien-Brauerei – 150 Jahre Biergeschichte

150 Jahre DAB

Die Dortmunder Actien-Brauerei feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Das Besondere: Sie ist mittlerweile die einzige Großbrauerei in der ehemaligen Bierhauptstadt Dortmund. Brinkhoff’s, Kronen, Union, Hansa, Thier, Ritter, Stifts und natürlich DAB – in der Dortmunder Actien-Brauerei werden fast alle Dortmunder Biere gebraut. Das war nicht immer so. Kurt-Reporter Till Krause blickt auf 150 Jahre Dortmunder Biergeschichte zurück. 

Erste Ansicht der Brauerei
Die Brauerei um 1870 – Foto: Brauereimuseum

Es ist die Geschichte einer innovativen Brauerei, die einmal die zweitgrößte Brauerei Deutschlands war. Und die Geschichte ihrer Biere, der DAB-Biere, die in über 40 Länder exportiert werden. Vielerorts ist DAB-Bier deshalb bekannter als hier in Dortmund. Es ist auch die Geschichte des Aufstiegs und des Untergangs der Bierhauptstadt Dortmund und die Geschichte von Übernahmen und Zusammenschlüssen: Heute gehören fast alle Dortmunder Biere zum Dr.-Oetker-Konzern.

Angefangen hat alles 1868: Damals gründeten Heinrich Herberz, Laurenz Fischer sowie Heinrich und Friedrich Mauritz die Bierbrauerei Herberz & Co. Vier Jahre später ging die Brauerei an die Börse und bekam den Namen, den sie bis heute trägt: Dortmunder Actien-Brauerei.

Aktuelle Ansicht der DAB
Die Brauerei im Jahr 2006 – Foto: Brauereimuseum

Die Brauerei übernahm damals eine Vorreiterrolle. Sie war die erste Dortmunder Brauerei, die den Schritt an die Börse wagte. Später folgten ihr die Dortmunder Brauereien Hansa, Union, Ritter und Stifts. Dr. Heinrich Tappe, Leiter des Brauereimuseums in Dortmund, erklärt: „Die Dortmunder Actien-Brauerei gehörte in Sachen Marketing, Forschung und Innovation immer zu den Vorreitern.“ Denn nicht nur wirtschaftlich, sondern auch technisch war die Brauerei damals schon sehr weit.

 

Forschung und Innovation

Sie installierte 1881 als eine der ersten Brauereien in Westdeutschland eine Kältemaschine. Nun war es möglich, das ganze Jahr lang untergäriges Bier zu produzieren, also Lagerbiere, wie zum Beispiel das bis heute populäre Pils. Für die Herstellung dieser Biere werden nämlich konstant niedrige Temperaturen benötigt. Außerdem verbesserte die Kühlung die hygienischen Bedingungen im Gär- und Lagerkeller. Tappe erzählt: „Emil Fischer, der Sohn des DAB-Hauptinvestors Laurenz Fischer, war Professor für Chemie und Nobelpreisträger. Und dieser Sohn hat eine der ersten Kältemaschinen in München begutachtet und dann seinem Vater empfohlen: Kauft die, installiert die.“ Einige Jahre später gab es diese Kältemaschinen dann auch in vielen anderen Brauereien.

Und er half noch weiter: „Über die Gärung wusste man damals noch nichts, man wusste nicht, welche Prozesse da ablaufen. Der Fischer-Sohn war mit der Gärung befasst“, erklärt Tappe. „Und so hat er den DAB-Brauern schon sehr früh Hygienemaßnahmen empfohlen.“ 1893 folgte die nächste Innovation, die Brauerei richtete als erste Brauerei überhaupt ein chemisch-bakteriologisches Labor ein. Und auch in der weiteren Historie gab es immer wieder Innovationen.

Export und Marketing

Vorreiter war die Brauerei außerdem im Bereich Export und Marketing. Schon im Jahr 1879, gute 10 Jahre nach der Gründung, stieg die Brauerei ins Exportgeschäft ein. Zunächst versorgte sie die direkten Nachbarn Belgien, Frankreich und die Niederlande mit DAB-Bier. Das Exportgeschäft weitete sich mit der Zeit aus und so wurde DAB-Bier einige Jahre später bereits in Australien, in Asien und in deutschen Kolonien in Afrika getrunken.

DAB und der Erste Weltkrieg
„In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg hat die Dortmunder Actien-Brauerei sehr gut verdient. Sie hat sehr viel investiert in neue Anlagen, aber auch sehr viel Geld zurückgelegt. Und als dann der Erste Weltkrieg kam, mussten viele Brauereien schließen, weil sie keine Malzzuteilungen bekamen und weil ihnen das Personal fehlte. Die DAB und andere große Brauereien haben dann die kleinen Brauereien aufgekauft. Die DAB hat über ein duzend Brauereien erworben. Viele dieser Käufe erfolgten nach dem Krieg.“, erklärt Tappe.
DAB-Pavillon auf der Weltausstellung in New York
Weltausstellung in New York – Foto: Brauereimuseum

Für die damalige Zeit eine außergewöhnliche Leistung, denn es gab ein Problem. Die Werbemöglichkeiten waren stark eingeschränkt: Es gab kein Internet und Social-Media-Influencer erst recht nicht. Tappe erklärt: „Wenn eine Brauerei auf einem fremden Markt verkaufen wollte, dann musste sie bekannt werden. Und das machte man zum Beispiel durch Auftritte bei den Weltausstellungen.“ So war die DAB auf vielen großen Weltausstellungen in den 30er Jahren präsent, zum Beispiel in Paris und auch in New York. Das hat für weitere Erfolge im Exportbereich gesorgt.

Weltausstellungen
Weltausstellungen waren große internationale Messen, auf denen Firmen für ihre Produkte werben konnten. Das nutzten auch die Brauereien und präsentieren ihr Bier. Häufig wurden für die Ausstellungen große Pavillons errichtet und danach einfach wieder abgerissen. Teilweise gab es auch Juroren, die Preise vergeben haben. Die Dortmunder Actien-Brauerei hat mehrere Medaillen und Preise gewonnen, zum Beispiel die Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung.
 

Zu dieser Zeit wurden nicht nur die Biere der Dortmunder Actien-Brauerei immer beliebter, auch andere Dortmunder Biere wurden im Ausland gerne getrunken. Denn nicht nur die DAB exportierte, auch die Union-Brauerei und andere Dortmunder Brauereien verkauften ihr Bier im Ausland. Mit kuriosen Folgen: Dr. Heinrich Tappe erzählt: „Die Belgier und die Franzosen haben Bier gebraut und das dann Dortmunder Bier genannt, weil sie es dann zu einem höheren Preis verkaufen konnten.“ Daraufhin hat der Verband Dortmunder Bierbrauer die Herkunft schützen lassen. Seitdem gilt: Wenn auf der Bierflasche Dortmund draufsteht, muss das Bier auch in Dortmund gebraut worden sein.

Alte Werbung der DAB
Alte Werbung der DAB – Foto: Brauereimuseum

Die erfolgreichste Dortmunder Brauerei im Exportgeschäft war die Dortmunder Actien-Brauerei. Dementsprechend entstand 1935 der Slogan „Das Bier von Weltruf“, den die Brauerei schützen ließ – gegen den Willen der anderen Dortmunder Brauereien. Sie waren auch davon überzeugt, dass ihr Bier das Bier von Weltruf sei. Die Dortmunder Actien-Brauerei trug den Slogan aber zurecht, erklärt Tappe: „DAB war tatsächlich auf allen großen Weltausstellungen in den 30er Jahren präsent und sie konnten mit Preisen nachweisen, dass sie nicht nur bekannt waren, sondern auch ein gutes Bier machen.“

DAB und der Zweite Weltkrieg
„Im Zweiten Weltkrieg sind viele der Dortmunder Brauereien zerstört worden. Die DAB gehörte aber zu den Brauereien, die relativ geringe Schäden davongetragen haben. Es waren andere Brauereien wir die Kronen-Brauerei, Thier-Brauerei oder die Stifts-Brauerei, die sehr gelitten haben. Nach dem Krieg herrschte dann für mehrere Jahre ein Brau-Verbot, das war ein Statut der englischen Besatzung. Man wollte vermeiden, dass das Getreide zum Bier brauen verwendet wird. Das Getreide sollte der Ernährung dienen. Und man wollte nicht, dass sich die Leute betranken. Das hat den Wiederaufstieg der Dortmunder Brauwirtschaft verzögert – bis 1949“, erklärt Tappe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es ab 1949 für die Dortmunder Brauereien wieder bergauf. Schnell hatte die DAB genauso wie die Union-Brauerei wieder die alte Ausstoßhöhe an Hektolitern erreicht. Es ging sogar noch darüber hinaus: Dortmund stieg in den 50er und 60er Jahren zur Bierhauptstadt Europas auf. Zeitweise arbeiteten knapp 6000 Mitarbeiter in den acht großen Dortmunder Brauereien. Insgesamt produzierten sie siebeneinhalb Millionen Hektoliter Bier im Jahr. Die Dortmunder Union Brauerei war die größte und die DAB-Brauerei war die zweitgrößte Brauerei Deutschlands. Nur in einer Stadt in den USA wurde damals mehr gebraut. Die Entwicklung des Jahresausstoßes der DAB zeigt die rasante Entwicklung:

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Ab den 1970er Jahren gab es dann aber für die Dortmunder Brauwirtschaft kein Wachstum mehr.  Außerdem führten die Zechenschließungen zu Massenentlassungen und so zu einem Rückgang des Bierkonsums. Dortmund verlor mit der Zeit seine Stellung als Bierhauptstadt Europas.

Die DAB exportierte aber fleißig weiter in alle Welt. „In den 1970er Jahren hat man zeitweise 200.000 Hektoliter Bier exportiert, so viel haben viele Brauereien in Deutschland insgesamt gar nicht produziert“, erklärt Tappe.

Deshalb spielte auch in der folgenden Zeit Werbung, gerade im Ausland, eine große Rolle. Die Brauerei ließ zum Beispiel in den 1980er Jahren einen großen DAB-Werbe-Truck durch Europa und sogar die USA fahren. Fahrer dieses Trucks war Horst Duffe, 81 Jahre alt. Er erinnert sich noch gut an seine Zeit als Fahrer: „Wir hatten einen Moderator mit dabei. Der hat die Leute auf die Bühne geholt und dann haben wir Spiele mit den Leuten gespielt, zum Beispiel Bierkrug-Halten.“

Horst Duffe
Horst Duffe – Foto: Till Krause

Immer wieder war Duffe mit dem Werbe-Truck unterwegs: Sechs Wochen Tour durch ein Land, kurze Pause, sechs Wochen Tour durch das nächste Land – das war der Rhythmus. Die USA-Tour dauerte sogar sieben Monate. Duffe erzählt: „Für die USA-Reise musste ich in vier Wochen extra Englisch lernen, wir hatten ja kein Englisch in der Schule.“ Die Arbeit habe ihm aber immer sehr viel Spaß gemacht. „Die DAB-Brauerei“, sagt er stolz, „das ist meine Brauerei.“ Deshalb arbeitet er heute ehrenamtlich weiter – im Brauereimuseum. Dort gibt es sogar eine Wand, an der viele alte Bilder und Urkunden von Horst Duffe hängen (siehe Foto).

In Dortmund unpopulär, in der Welt beliebt

Horst Duffes Arbeit und andere Werbekampagnen zeigen bis heute ihre Wirkung. Die Dortmunder Actien-Brauerei liefert DAB-Bier aktuell in über 40 Länder. Sogar am anderen Ende der Welt in Neuseeland stehen in vielen Supermärkten die Bier-Dosen der Brauerei im Regal. Horst Duffe trifft im Brauereimuseum immer wieder internationale Besucher. Und die meisten würden nur die DAB-Biere kennen. Die anderen Dortmunder Biere seien vielen kein Begriff.

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Es ist kurios: In Dortmund ist DAB-Bier eher unpopulär, einigen sogar komplett unbekannt, im Ausland aber ist es heute das mit Abstand bekannteste und beliebteste Dortmunder Bier. Das liegt auch daran, dass die anderen Dortmunder Marken gar nicht mehr oder nur noch in geringen Mengen exportiert werden. Zurückzuführen ist das auf den Zusammenschluss aller Dortmunder Brauereien im Jahr 2004/2005. Es war das Ende eines Jahrzehnte andauernden Prozesses.

Wie das Dortmunder Bier zu Dr. Oetker kam

1970 gab es in Dortmund noch acht Brauereien: Sitfts, Thier, Kronen, Hansa, Union, DAB, Bergmann und Ritter. Dann ist Folgendes passiert:

1918Ab 1945197119721986199219961996-20042004/2005
Die DAB fusioniert mit der Gütersloher Brauerei AG. Damit ist Dr. Oetker nun auch an der DAB beteiligt. 
Dr. Oetker verstärkt seine Beteiligungen im Biergeschäft, auch in Dortmund und übernimmt später einen Großteil der DAB-Aktien der Familie Mauritz.
Die DAB übernimmt die Hansa-Brauerei.
Die Bergmann-Brauerei wird geschlossen.
Zusammenschluss der Dortmunder Union-Brauerei mit der Schultheiss-Brauerei Berlin zur Union-Schultheiss-Brauerei. Daraus wird 1988 Brau und Brunnen.
Die Kronen-Brauerei übernimmt die Stifts-Brauerei.
Die Kronen-Brauerei übernimmt die Thier-Brauerei.
Die DAB übernimmt die Kronen-Brauerei (Kronen, Stifts, Thier).
Die DAB-Gruppe (DAB, Hansa, Kronen, Stifts, Thier), zugehörig zum Dr. Oettker-Konzern und Brau und Brunnen (Union, Ritter) stehen sich gegenüber und konkurrieren.
Nach Jahren der Konkurrenz übernimmt Dr. Oetker Brau und Brunnen. Wenig später wird die Produktion an dem Standort der Dortmunder Actien-Brauerei zusammengezogen.

So gibt es seit 2004/2005 nur noch eine Brauerei, die Dortmunder Actien-Brauerei in der Dortmunder Nordstadt. 500 Menschen arbeiten heute auf dem Gelände. Hier werden nicht nur fast alle Dortmunder Biermarken gebraut und abgefüllt, hier befindet sich auch das Dortmunder Brauereimuseum. Anlässlich des 150. Geburtstages der Brauerei findet dort am Samstag (25.08.2018) ein großes Fest mit Unterhaltung, Musik und Brauerei- sowie Museumsführungen statt. Außerdem können sich Besucher im Museum noch bis Ende 2018 eine extra Ausstellung zur 150-jährigen Geschichte der Dortmunder Actien-Brauerei anschauen.

Teaser- und Beitragsbild: Dortmunder Brauereimuseum

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