Pendeln macht unglücklich

Joel ist genervt. Er steht an der S-Bahn-Station der TU und wartet auf den Zug. Eineinhalb Stunden wird er brauchen, bis er endlich zu Hause in Gelsenkirchen ist. Die Zeit im überfüllten Zug kann er nicht sinnvoll nutzen. „Das ist ein reines Rumsitzen“, sagt er. Und auch sein Studium der Wirtschaftswissenschaften könnte auf Dauer unter dem Pendelweg leiden. „Wenn ich am Tag nur eine Vorlesung habe, dann geh ich da nicht hin. Denn dann fahr ich ja länger, als dass ich in der Vorlesung sitze,“ sagt Joel.

24 Prozent der Studierenden der TU Dortmund brauchen für den Weg zur Hochschule über 45 Minuten. Das hat die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks 2016 ergeben. Trotzdem kommt ein Umzug in die Universitätsstadt für viele Studierende nicht in Frage. Manche wollen gerne weiterhin in der Nähe von Freunden, Familie oder Arbeitsstelle wohnen. Andere finden einfach keine Unterkunft in Uni-Nähe.

Glücksstudie untersucht Auswirkungen des Pendelwegs

Dass ein langer Pendelweg nicht nur nervt, sondern sogar die Lebenszufriedenheit beeinflusst, hat der im Oktober 2018 erschienene Glücksatlas der Deutschen Post herausgefunden. Der Glücksatlas beschäftigt sich mit verschiedenen Faktoren, die das Glück der Deutschen beeinflussen. Über die Hälfte der Befragten mit einem Pendelweg von über 40 Minuten sagen dort, dass sich der lange Weg negativ auf ihre Lebensqualität auswirke.

Dr. Kai Ludwigs ist studierter Psychologe und Glücksforscher. Seiner Meinung nach seien Menschen grundsätzlich unglücklicher, wenn sie ihre Zeit nicht selbst bestimmen könnten. Die Zeit während des Pendels gehöre dazu. Das gelte für Studierende genauso wie für Berufstätige. Viel Hoffnung setzt er darum auf autonomes Fahren. Doch bis dahin rät er:

„Man muss die Zeit möglichst aktiv nutzen. Nehmen Sie sich etwas Konkretes vor.“

Dass das tatsächlich hilft, hat auch Robin gemerkt. Er studiert Physik im ersten Semester und pendelt fast täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Hagen zur TU Dortmund. Im Moment ist er von dem über einstündigen Pendelweg noch nicht genervt. Das liegt vor allem daran, dass er die Zeit unterwegs nutzen kann. „Ich les dann nochmal was nach oder ich lerne“, sagt er. Außerdem fährt er früh genug los. So weiß er, dass er auch dann noch pünktlich zur Vorlesung kommt, wenn er einen seiner Züge verpassen sollte. Auch dadurch wird das Stresslevel gesenkt.

Wenn die Bahn ausfällt

Manchmal ist man als Pendler aber einfach aufgeschmissen. „Als ich im Vorkurs war, sind an einem Tag die Züge einfach ausgefallen“, berichtet Robin. An dem Tag habe er nicht zur Uni kommen können. „Aber die Folien werden ja hochgeladen und man kann sich auch mit Freunden besprechen.“ Obwohl der Weg für ihn kein Problem ist, kann Robin sich vorstellen, im Laufe seines Studiums näher an die Uni zu ziehen.

Joel hingegen hat nicht vor, nach Dortmund zu ziehen. Er möchte sowieso den Studiengang und die Universität wechseln und lieber Sportwissenschaften in Bochum zu studieren. Dass er dadurch einen kürzeren Anfahrtsweg hat, ist sicherlich ein Pluspunkt.

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