Eine Kölnerin will die erste deutsche Astronautin werden

Schon als kleines Mädchen wollte Dr. Suzanna Randall Astronautin werden. Mit der privaten Initiative „Die Astronautin“ könnte dieser Traum jetzt in Erfüllung gehen. Wenn sie jemand fragt, warum sie Astronautin werden möchte, lautet ihre Antwort stets: „Warum möchtest du denn keine Astronautin werden?“ Der Weltraum fasziniert die Kölnerin und es ist ihr großer Traum, diesen eben nicht nur von der Erde aus zu erforschen. 

Sie möchte als erste deutsche Frau im All, ein Vorbild für viele Mädchen sein. Geschlechtliche Unterschiede sollten keine Hürde darstellen, einen Traum zu verfolgen. Sie möchte zeigen, dass auch Mädels alles schaffen können, was sie sich vornehmen. Wenn sich Dr. Suzanna Randall gegen Mitstreiterin Dr. Insa Thiele-Eich durchsetzt, dann könnte sie 2020 tatsächlich die erste deutsche Frau sein, die ins Weltall startet. In der Veranstaltungsreihe „Sowohl als Auch“ des Gleichstellungsbüros der TU Dortmund war Dr. Suzanna Randall zu Gast. Zusätzlich zu dem Besuch der Veranstaltung hatten wir auch die Möglichkeit sie dort für ein Interview zu treffen.

Die Anwärterin fürs All: Dr. Suzanna Randall
Dr. Suzanna Randall ist Astrophysikerin und arbeitet als Forscherin bei der ESO (European Southern Observatory). Außerdem beschäftigt sie sich mit der Erforschung von Sternen und arbeitet für das ALMA- Teleskop- Projekt in Chile. Sie studierte Astronomie in London und promovierte schließlich in Kanada an der Universität in Montreal.

Frau Randall, erinnern Sie sich noch an den Moment, an denen Ihnen klar geworden ist: „Ich möchte Astronautin werden“?

Dr. Suzanna Randall: Das wollte ich tatsächlich schon immer. Für mich war es als Kind gar nicht vorstellbar, dass jemand nicht Astronaut werden will. Ich hatte dieses Entdecker-Gen immer in mir. Erst wollte ich auch Piratin werden. Dann habe ich aber gedacht: ‚Okay, dass ist jetzt sozial vielleicht doch nicht ganz so verträglich.‘ Ne, also ich wollte es tatsächlich schon immer. Es gab einige Momente, die mich bestärkt haben, aber eigentlich war dieser Wunsch schon immer tief in mir drin.

Bisher waren bereits elf deutsche Männer im All. Aber noch keine Frau. Wieso ist das so? 

Suzanna Randall: Das müssten Sie wohl die ESA (Eurpean Space Agency) fragen. Daran versuchen wir ja gerade eben proaktiv was zu ändern. Wir hatten bisher elf deutsche Männer im All und noch keine deutsche Frau, daran gibt’s eigentlich nichts schön zu reden. Bei der letzten ESA-Ausschreibung 2008/09 war es eben so, dass keine deutsche Frau in der Endauswahl war. Es gab Alexander Gerst, der ja jetzt auch gerade oben ist und jetzt vor kurzem ist Matthias Maurer, ein zweiter deutscher Mann, nachnominiert worden. Das heißt, dann hätten wir zwölf deutsche Männer im Weltall und noch immer keine Frau. Es ist nicht klar, wann die nächste ESA-Ausschreibung sein wird. Normal alle zehn bis zwölf Jahre.

Können Astronautinnen im Job prinzipiell genauso gut sein wie Astronauten? Oder haben Frauen in dem Job körperliche Nachteile oder aber auch Vorteile?

Suzanna Randall: Also mich wundert immer, dass das überhaupt noch gefragt wird. Ich denke, das Einzige, wo Frauen vielleicht unterlegen sind, ist tatsächlich die pure Muskelkraft. Da haben wir nun einmal einfach nicht so viel wie Männer, aber das ist auch nichts, was man im Weltraum wirklich braucht. Man benötigt natürlich schon eine gewisse körperliche Fitness und Ausdauer, aber da reicht die Ausdauer eines gesunden, halbwegs sportlichen Menschens. Das können Frauen also ganz genauso leisten wie Männer. In vielen Aspekten würde ich sogar sagen, dass Frauen Vorteile haben. Heutzutage ist einer der wichtigsten Qualifikationen ja auf jeden Fall die Verträglichkeit. Also dass man gut kommunizieren kann, dass man gut mit Menschen auskommt und dass man auch auf Harmonie bedacht ist. In so einem engen Raum kann man eben nicht mal jemanden an die Wand werfen. (lacht) Der macht dann womöglich noch ein Loch in die Wand der Raumfähre rein. Deswegen würde ich sagen, dass Frauen eben durch diese Eigenschaften, die man ihnen auch zuschreibt, gegenüber den Männern eher Vorteile haben. Bei den allerersten Missionen, wo wirklich auch extreme Körperlichkeit gefragt war, da war das vielleicht nicht so. Aber inzwischen sind Frauen für die Raumfahrt fast besser geeignet, würde ich sagen.

Das ist doch noch ein Grund mehr, eine deutsche Frau ins All zu schicken! Hoffen Sie, dass Sie durch die Mission auch zu einem Vorbild für andere Mädchen und Frauen werden können?

Suzanna Randall; Ja, das ist eigentlich das Ziel der Initiative. Es soll gezeigt werden, dass wir ganz normale Frauen sind. Meine Kollegin und ich sind beide Trainees und stehen ganz normal mitten im Leben. Ich sehe mich jetzt auch überhaupt nicht als Superwoman oder Sonstiges! Es gehört halt auch einfach sehr viel Glück dazu. Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Den Mädels da draußen wollen wir einfach vermitteln: ‚Hey, ich bin auch klein und ganz normal. Wir sind einfach ganz normale Frauen, die auch an Technik, Naturwissenschaften oder auch im Weltall arbeiten. Und ihr könnt das auch!‘ Das ist das, was wir zeigen wollen.

Deutschland sucht 'Die Astronautin'
Die Privatinitiative „Die Astronautin“ will Frauen die Chance geben, ins All zu fliegen. ­Raumfahrtingenieurin Claudia Kessler hat das Projekt 2016 ins Leben gerufen. Auch das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Airbus unterstützen die Initiative. Aus mehr als 400 Bewerberinnen wurden inzwischen zwei potenzielle Astronautinnen ausgewählt: Dr. Insa Thiele-Eich und Dr. Suzanna Randall. Seit August 2017 trainieren die beiden für den Flug ins All. Zehn Tage soll eine der beiden dann 2020 auf der Internationalen Raumstation (ISS) verbringen. Ziel der Aktion ist es, Mädchen und Frauen für die Raumfahrt sowie für Naturwissenschaften, Mathematik und Technik zu begeistern.
Insgesamt werden Ausbildung, Flug und ISS-Aufenthalt wohl rund 50 Millionen Euro kosten. Das Geld wird über Sponsoren und eine Crowdfunding-Aktion gesammelt.

Was muss noch geschehen, dass in Zukunft noch mehr Frauen sagen: ‚Ich will Astronautin werden!‘

Suzanna Randall: Das frage ich mich auch. Ich habe mal einen Workshop für Mädels zwischen zehn und zwölf gehalten. Um das Eis zu brechen, habe ich am Anfang gefragt: ‚Wer möchte denn hier im Raum mal Astronautin werden?‘ Erwartet habe ich, dass mindestens drei Viertel oder immerhin die Hälfte der Mädchen die Arme in die Luft reißen. Aber es hat sich tatsächlich keine gemeldet. Da war ich wirklich schockiert und habe mich gefragt, wie das sein kann. Das Lustige ist aber, dass das in anderen Ländern nicht so ist. Ich arbeite in einem internationalen Umfeld und höre mich da ja auch um. Da das in anderen Ländern nicht so ausgeprägt ist, frage ich mich schon, ob die Gesellschaft da nicht auch einen Einfluss darauf hat, dass diese Berufe für Frauen einfach nicht so attraktiv sind. Weil da vielleicht immer noch gewisse Vorbehalte sind.

Also würden Sie sagen, dass das in Deutschland schon ein Phänomen ist?

Suzanna Randall: Ja, auf jeden Fall. Also natürlich nicht nur in Deutschland. Es gibt ja auch Länder, wo die Rolle der Frau wirklich wesentlich, wesentlich, wesentlich schlechter ist als hier. Aber jetzt speziell von diesen westlichen, industrialisierten Nationen würde ich schon sagen, dass Deutschland um einiges hinterher ist, was die Gleichberechtigung angeht.

Wenn Sie jetzt an die Reise ins Weltall denken: Was überwiegt – Angst und Respekt oder doch die Freude?

Suzanna Randall: Also erst einmal ist das für mich wirklich die Erfüllung eines Traums. Es überwiegt daher definitiv die Freude. Sonst würde ich es ja auch nicht machen. Ich stecke wirklich sehr viel Energie und Lebenszeit in dieses Projekt und in diesen Traum. Das heißt, ich will es ganz klar! Natürlich werde ich dann, wenn ich in der Rakete sitze, nicht einfach sagen: ‚Ach ja, wird schon werden…‘  Ich denke, da werde ich schon definitiv nervös sein und vielleicht auch ein bisschen Angst haben. Aber für mich ist Angst nichts total Negatives. Ich habe oft Angst. Ich fliege zum Beispiel auch Gleitschirm. Da hatte ich manchmal auch Situationen, in denen ich echt Angst hatte. Aber dann versuche ich abzuwägen, ob es das noch wert ist. Und wenn die Freude oder eben auch diese Botschaft, die wir senden wollen, überwiegt, dann ist es für mich persönlich das Risiko wert! Dann halte ich die Angst dafür gerne aus.

Eine gewisse Portion Mut gehört da auf jeden Fall dazu! Vielen Dank für das Interview.

Das Gleichstellungsbüro der TU Dortmund
Die Astronautin Dr. Suzanna Randall war Gast in der Veranstaltungsreihe »Sowohl als Auch« des Gleichstellungsbüros der TU Dortmund.  Das Büro unterstützt die Technische Universität Dortmund bei der Durchsetzung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Die Veranstaltungsreihe „Sowohl als Auch“ soll die Frauen- und Geschlechterforschung an der TU bewerben. Außerdem sollen aktuelle Diskurse in der feministischen Bewegung aufgenommen werden. In der Veranstaltung am Donnerstag haben die angehende Astronautin Dr. Suzanna Randall und Prof. Dr. Metin Tolan, Professor für Experimentelle Physik, Vorträge gehalten. Beide haben von ihrem Wissen zum Thema Raumfahrt berichtet.

 

Beitragsbild: Initiative „Die Astronautin“

 

 

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